Beim Gehen durch die Gassen, beim Mithören nicht für alle Ohren gedachter Gespräche, durch eigenes Nachdenken, durch Lesen lokaler Blätter kommen mehr Fragezeichen als Erkenntnisse.

Seit Monaten, wohl besser: Jahren, zieht sich durch die öffentliche Diskussion, durch sog. neutrale Berichterstattung der Tagespresse und durch Veröffentlichungen der Tutzinger Parteien oder Wählergruppen ein seltsamer Roter Faden.

Sichtbar und hörbar sind folgende Angelegenheiten:

  • Die Brache Seehofgrundstück ist so selbstverständlich geworden, dass man damit gut zu leben beginnt. Handlungsdruck ist nirgendwo sichtbar.
  • Ein Boutique-Hotel scheint tatsächlich ein Dauerwahlkampfschlager zu werden. In drei Jahren wird das Ding als Wahlkampfschlager nämlich wieder aus dem Hut gezaubert. Wetten?
  • Erst dann, wenn ein Rentner an der Kreuzung Lindemannstraße/Tengelmann eine eilige SUV-Mutter über den Haufen fährt, wird sich der Gemeinderat mit dort gefährlicher Lage befassen. Gibt’s bis dann allerdings keinen Tengelmann/kik mehr, hat sich das Thema eh erledigt.
  • Der Gemeinderat verkündete, sich in die Sortimentspolitik hiesiger Großanbieter außerhalb der Hallberger Allee einschalten zu wollen. Es ist nun Funkstille eingetreten. Wurde dieser hanebüchene Blödsinn etwa stillschweigend beerdigt? Dann soll man es doch zugeben und sagen, oder?
  • Die GRÜNEN nehmen sich landkreisweit und vor allem überzeugend des Themas CETA und TISA an. Von anderen lokalen Parteien ist überhaupt nichts zu hören. Verwechseln die eigentlich CETA/TISA mit LADA und glauben etwa, CETA oder TISA seien eine Automarke?
  • Der Dritte Aufzug am Bahnhof beginnt Geschichte zu werden. Üblicherweise wird Geschichte durch Historiker aufgearbeitet. Wie wär’s eigentlich mit einem Untersuchungsausschuss? Diesmal aber nicht durch die sumpfsachverständigen Frösche, sondern durch Deutschlands bekannteste Kostenjäger. Wie z.B. McKinsey, die haben Erfahrung im Herausfinden von Schwachstellen; selbst in den eigenen Reihen finden sie die Leute, die falsche Spesen abrechneten.
  • Hauptstraße einschl. Andechser Hof werden so geheim beplant, dass sich wohl niemand mehr traut, nach dem Stand der Erkenntnisse zu fragen.

Bürgerversammlungen vermitteln vor und hinter dem Rednerpult häufig das Gefühl, die Welt, in der wir leben, sei in Ordnung. Ist wieder eine Versammlung beabsichtigt, können schon jetzt Wetten abgeschlossen werden, dass es in Nordkorea oder neuerdings Thailand offener zugeht.

Es soll sich jetzt niemand hinstellen und sagen, er hätte dies alles nicht gewusst. Es seien ja keine Anträge im Gemeinderat gestellt worden. Das kommt einem vor wie die jüngste Aussage eines sächsischen Ministers nach einer Serie von Peinlichkeiten und er fortwährend nur sagte, man hielte sich aber immer an die Vorschriften. Wer nichts sucht, der findet auch nichts.

Die Gemeindeordnung und die Geschäftsordnung des Gemeinderats geben nämlich alles her, es muss nur verstanden und ggf. ausgedeutet werden, was zu tun ist zum Wohle einer Gemeinde. Im Sinne des Aufspürens von Aktivitäten, die mehr darstellen als von Verantwortung gebeugte Process Owner (so heißen im Neudeutsch die Leute, die für irgendetwas verantwortlich zeichnen).

Unser Gemeinderat hat vermutlich bereits die Schalter geschlossen. Vor Ende der Öffnungszeiten, die allerdings noch bis 2020 gehen.

Haben Sie, lieber Leser, den Eindruck, ich würde das zu emotional beschreiben?

Ihr JB

 

2 Replies to “Auf der Straße liegen die Themen; sie brauchen nur aufgehoben zu werden!”

  1. Es beginnt, seltsam zu werden. Da wird in unregelmäßigen Abständen eine doch sehr umfangreiche To-Do-Liste auf der Infoseite der TL veröffentlicht. Durch unterschiedliche Autoren. Zur To-Do-Liste ließe sich auch sagen: Katalog nicht eingehaltener Zusagen. Dem Gemeinderat und der Verwaltung müsste es doch peinlich sein, bereits über mehrere Kanäle zu sog. offenen Baustellen mit offener Terminstellung angesprochen zu werden. Es rührt sich einfach nix. Zumindest ist nirgendwo etwas sichtbar. Aber hörbar ist etwas. Geht man lokal einkaufen und macht man ein Schwätzchen mit dem Ladeneigentümer (das gibt’s noch, dass der selbst hinter dem Tresen steht!), kommt verlegen der Hinweis auf häufig fehlende Informationen. Ernüchternd war die Aussage, hiesige Baustellen wie Hauptstraße und Ansiedlung weiterer Märkte würden nicht mehr hinterfragt, die nachhaltige Stille wolle man nicht mehr stören. Kann es etwa sein, dass dieser Ansatz von Sarkasmus auch bereits die Tutzinger Liste erfasste? Denn dortige Hinweise auf offene Baustellen bis hin zur Kreuzung Lindemannstraße sind plötzlich aus deren Blickfeld verschwunden.
    Oder arbeitet etwa schon der Untersuchungsausschuss „Dritter Aufzug am Bahnhof“? Ist da etwa ein Joint-Venture mit den Boutiquehotel-Planern in jener Röhre, durch die bisher lediglich geschaut wurde?
    Was ist das eigentlich für eine Informationspolitik seitens öffentlich Angesprochener?
    HF

  2. Der liebe Josef B scheint sich ja mittlerweile überall gründlichst zu informieren. Seine zum Schluss gestellte Frage ist einfach zu beantworten: Es könnte noch deutlicher sein!
    Zur Sache Gemeinde- und Geschäftsordnungen aber eine Ergänzung. Veröffentlichte Schreiben mit Ordnungscharakter werden normalerweise sofort gelocht und abgelegt; gelesen und verstanden zumeist nicht.
    Täten die örtlichen GRÜNEN oder gar die örtliche ödp den Geist jener Ordnungen herausfiltern, dürften sie feststellen, dass ausgerechnet ihre Themenschwerpunkte dort versteckt formuliert aufzufinden sind. War das etwa die vorausschauende Weisheit der damaligen rechtsgelehrten Regelschreiber?
    Der Hinweis auf die GO und GeschO macht in der Tat nachdenklich. Dachten die Erfinder dieses Regelwerkes wirklich so weit oder ging denen lediglich die Phantasie im Sinne einer Vision durch?
    Es könnten die Regelwerke (das sind nämlich richtig scharfe Führungsinstrumente!) ergänzt werden, damit auch der letzte Gemeinderat den fehlenden Zusatz erkennt. Dieser ist: Die Gemeinderäte sind verpflichtet, alles zu tun und nichts zu unterlassen, Schaden von der Gemeinde fernzuhalten.

    Immerhin schön, dass die Tutzinger Liste noch den Mut hat, die Handflächen unentwegt auf die heißen Gemeinde-Herdplatten zu legen und darüber hinaus dann auch noch Texte dazu veröffentlicht.
    Gehört der schriftgewaltige JB aber nicht auch bald zu denen, deren Hauptbeschäftigung darin besteht, lediglich energisch abzuwarten? Was er da beschrieben hat, ist nämlich bekannt. Und nun? Wer sorgt für sichtbare Abhilfe?
    HF

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