Die Zukunft der Mobilität

Der Rotary Club Tutzing hatte in Kooperation mit der Evangelischen Akademie Tutzing (EAT) zum 09.03.2020 zur 9. Tutzinger Rede eingeladen. Der Abend aus der laufenden Reihe zu Zukunftsfragen war der Zukunft der Mobilität gewidmet.

Bernadette-Juliane Felsch, Landesvorsitzendes des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC) Landesverband Bayern e.V., forderte eine deutliche Verringerung des motorisierten Individualverkehrs. Sie zählte die Vorteile des Fahrrads auf wie Platzbedarf, Kosten, Effizienz, Zeitdauer für die Erreichung von Zielen in kurzer bis mittlerer Entfernung. Die Infrastruktur muss besser ausgebaut werden, denn nur wer sich als Radfahrer sicher fühle, benutze das Rad. Es fehle in Deutschland an Platz und Investitionen. Gute Bespiele seien in den Niederlanden und Skandinavien zu finden, Städte wie Oslo, Kopenhagen oder Helsinki seien vorbildhaft. Nur durch die Reduzierung des Individualverkehrs durch Fahrzeuge mit Verbrennungsmotoren seien die Klimaziele zu erreichen.

Dr. August Markl, Präsident des Allgemeine Deutschen Automobil-Clubs e.V. (ADAC), relativierte das motorisierte Fahrzeug im Namen seines großen Clubs, Mobilität sei weit mehr als das Auto. Mobilität sei ein Grundbedürfnis aber auch eine Notwendigkeit, insbesondere im ländlichen Raum. Elektromobilität sei gut, aber die Energiewende müsse da mithalten; Strom aus Kohlekraftwerken wolle man nicht. Daher sollte die Forschung und Entwicklung von alternativen Antrieben technologie-offen sein. Markl sieht die Anforderungen, (1) Mobilität muss emissionsärmer werden (Klimaschutz), (2) Mobilität muss möglich sein und (3) Mobilität muss bezahlbar und sozial gerecht sein. Die Zukunft der Mobilität muss klimaneutral sein, so sein Credo. Dazu helfe der Wechsel der Perspektive, also die Position von Fußgängern und Radfahrer einzunehmen. Die Zeiten von “Freie Fahrt für freie Bürger” seien seit 15 Jahren vorbei!

Udo Hahn, Direktor der EAT, moderierte die anschließende Fragerunde, bevor er in die Salons einlud. Die Fragenden wünschten sich die Verkehrswende, Unterschiede waren in der Diskussion kaum auszumachen. Am Ende, so Bernadette-Juliane Felsch, seien es die zahlreichen kleinen Entscheidungen, die den Ausschlag gäben, ob auf das Auto verzichtet und der Weg mit dem Rad oder zu Fuß genommen werde. Das Angebot des ÖPNV und die Preise hätten hier auch einen großen Einfluss auf die individuelle Entscheidung.

Im Beitragsbild von links nach rechts:

Dr. August Markl, Bernadette-Juliane Felsch und Udo Hahn

Einige Gedanken zu “Die Zukunft der Mobilität

  1. Hubertus Fulczyk

    Beeindruckend, es saßen Leute beieinander, die normalerweise wenig Verständnis füreinander aufbringen. Die jüngste Entwicklung scheint aber keine Rolle gespielt zu haben. Italien benötigt demnächst dringendst freie Spital-Betten in Krankenhäusern. Italien hat doppelt so viel Verkehrstote pro 100.000 Einwohner wie die Schweiz. Die Schweiz liegt bei 2,7%/100.000, Italien bei 5,5%/100.000 Einwohner. Mit ein Grund sind die in der Schweiz drastischen Maßnahmen wie Überwachung Tempolimit 120Km/h, hohe Bußen bis hin zum Führerscheinentzug und Fahrzeugbeschlagnahme. Deutschlands Zahlen sollen hier nicht erwähnt werden, denn hier müsste das hervorragende Gesundheitssystem eingerechnet werden, das so manchem Verkehrsverunfallten das Leben rettet und wochenlang Krankenhausbetten bindet.

    Demnächst werden in bisher ungeahnter Höhe Krankenhausbetten benötigt, zumindest prophylaktisch. Wie wäre es, die Regierung führe kurzfristigst ein temporäres Tempolimit ein? Das schafft Krankenhausbetten und die Vorsorge in Sachen Corona-Virus wird noch glaubwürdiger! So könnte der unentwegt um Beifall heischende Verkehrsminister auch einen Beitrag zur sich anbahnenden Epidemie leisten.

    Kostenloser Feldtest ohne Unternehmensberater! Damit kann er die Remanenzkosten in Sachen Maut kompensieren und die Nation ist ein Stück schlauer geworden. Der Minister auch, bis hin zu Wiederverwendungschancen. Ist die Epidemie vorbei, kann er ja wieder die Freiheit zum Rasen freigeben.
    HF

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