In der Gemeinderatssitzung am 11.11.2025 unter der Leitung von 1. Bürgermeister Ludwig Horn berichtete Claudia Steinke, Koordination Ökumenischer Unterstützerkreis Tutzing, von der Situation im Benedictushof. Ausgelegt für eine Kapazität von 144 Personen, sind derzeit 112 Plätze belegt. Davon stammen 76 Personen aus der Ukraine, die übrigen aus Herkunftsländern wqir Afghanisatan, Türkei, Syrien, Sierra Leone und Uganda. Nach dem nun auf junge Ukrainer im Alter von 18 – 23 Jahren ihre Heimat verlassen dürfen, wird mit weiteren Ukrainern gerechnet. Im Landkreis seien fast alle Plätze belegt, in neuen Unterkünften werden überwiegend Ukrainer aufgenommen. Die Alterstrtruktur der Bewohner ist relativ gleichverteilt.
Die Rathausforen im vergangenen Jahr hätten über 60 Bewerbungen als Hilfskräfte eingebracht. Inzwischen gebe es um den ursprünglichen harten Kern einen weiteren harten Kern an Unterstützern. Im Team Sprache mit acht Unterstützern gebe es viel zu tun, das beginne mit der Alphabetisierung und werde fortgesetzt mit Kursen zu Integration und Sprache. Sechs Personen konnten in Arbeitsverhältnisse vermittelt werden, ein Minijob und eine Ausbildung. Dass es nicht mehr sind, liege an den noch nicht ausreichenden Sprachkenntnissen.
Der Unterstützerkreis hat Veranstaltungen organisiert, einen Projekttag mit dem Gymnasium, beim Ramadama mit Bewohnern teilgenommen. Er werden Angebote gemacht, die auf mehr oder auch weniger Resonanz bei den Bewohnern treffen. Das Landratsamt sei regelmäßig da, es habe auch Umsiedlungen gegeben.
Wenn es um „Flucht und Migration“ gehe, sei wichtig, dass die Belastung von Ukrainern komme, nicht von anderen Ländern.
Abschließend wies Frau Steinke auf auf die Aktion „Tutzing hilft im Mittelmeer“ hin. Das Spendenziel von 200.000 Euro sei erreicht und als neues Ziel 250.000 Euro ausgegeben worden. Benefizveranstaltungen werde es am 03.12.2025 in der Evangelischen Akademie und am 12.12.2025 im Kulturtheater geben.
Weitere Punkte der Sitzung:
- In seinem Sachstandsbericht zur Sanierung der Mittelschule Tutzing stellte der Bürgermeister den neuen zusätzlichen Bauleiter vor: Stefan Wagner, staatliche geprüfter Bautechniker und Fachbauleiter Brandschutz, vom Ingenieurbüro Klingconsult aus Krumbach vor. Herr Wagner ist seit 5 Wochen in dieser Funktion und hat sich in den letzten Jahren bei Schulsanierungen, auch unter Denkmalschutz tätig.
Allgemein wurden bislang die Planungsrückstände gesammelt, geklärt und aufgearbeitet, Dazu die Nachträge und Rechnungen der vergangenen vier Wochen. Beim Alten Schulhaus wurde der Leistungsstand aufgenommen. Derzeit werden die Fenster und Innentüren saniert und lackiert, die Heizungsanlage und die SAnitäreinrichtungen werden montiert. Die Dachsanierung im alten Lehrerwohnhaus habe begonnen.
Im Gebäude der Mittelschule seinen die Fassaden und Dachflächen abgenommen, entsprechend seien Teile des Gerüsts abgebaut worden. Nun werde die Flachdachabdichtung vorbereitet (über der Mensa und dem Veranstaltungsraum), hier gebe es jedoch Planungsrückstände. Innen werde die Erstellung der Heizkühldecken und die Abhangdecken weitergeführt. Weiterhin gebe es Kanalarbeiten im Untergeschoss sowie kleinere Rohbauarbeiten.
Der Bauzeitenplan des Architekturbüros Zeiler passe nicht und müsse aktualisiert werden. Insbesondere im Trockenbau gebe es deutliche Verzögerungen. In ca. zwei Wochen werde er einen Entwurf vorlegen. Entsprechend nannte der Bauleiter keinen neuen Fertigstellungstermin. Es klemmt an zahlreichen Stellen, so die allgemeine Erkenntnis.
Auf die Inbetriebnahme des Gebäudes wies Bauleiter Wagner besonders hin. Dabei werden der Brandschutz und andere sicherheitsrelevante Einrichtungen geprüft, wie z.B. die Lüftung, die Elektrik, die Fluchtwege. Dafür müsse das Gebäude nahezu vollständig fertiggestellt sein. Der Abnahmeprozess erstrecke sich üblicherweise über einen Zeitraum von zwei bis drei Monaten.
Die Vertreterin des Projektsteuerers BayernGrund, Hubavina Arnaoudova, gab eine aktuelle Übersicht zu den Kosten. Einschließlich der vorsichtigen Prognose für die noch ausstehenden Kosten sei von einem Projektvolumen in Höhe von rd. 28 Mio. Euro auszugehen (butto). Darin seien die Nachträge enthalten, über die derzeit verhandelt werde. Das seien 3 Mio. Euro mehr als bisher veranschlagt. In der Erhöhung sind neben den Nachträgen der beteiligten Unternehmen wegen der Bauzeitverlängerung auch erhöhte Kosten für ausstehende Planungen sowie Zinsausgaben enthalten. Der Bürgermeister machte deutlich, dass die Erhöhung des Projektvolumens der Rechtsaufsicht vorgelegt werden müsse.
Einstimming zustimmend zur Kenntnis genommen wurde die Beauftragung des Bauleiters und des Architekturbüros Schmidt-Schickedanz Planer GmbH, München, mit der weiteren Planung. Der Bürgermeister hatte dies eilbedürftig bereits entschieden. Ebenso einstimmig beschlossen wurde die Erhöhung des Projektvolumens von 25 auf 28 Mio. Euro und die Vorlage bei der Rechtsaufsicht.
- Die Gemeinde Tutzing befindet sich seit Herbst 2024 in einem strukturierten Abstimmungsprozess mit den Eigentümern zur städtebaulichen Weiterentwicklung des Bahnhofsareals „HeiVo“. Das Areal ist abgebildet im Bebauungsplan Nr. 84, Teilbebauungsplan 1. In nichtöffentlicher Sitzung wurde die vorläufige Endfassung des städtebaulichen Vertrages beschlossen, der neben der Übernahme der Kosten auch die Verpflichtung enthält, mindestens vier Wohnungen zu Preisen zu vermieten, die 25% unter dem Durchschnitt aller zu errichtenden Wohnungen liegen. Bis zum Tag der Sitzung sind für die Planung wider Erwarten weitere Änderungswünsche eingegangen, so dass keine Billigung möglich war. Der gemeindliche Planer Martin Büscher erklärte, die städtebauliche Zielsetzung sei erhalten, es handele sich um die Weiterentwicklung des Entwurfs vom 28.01.2025. Die offenen Punkte umfassen (1) Neuverteilung der Bruttogeschossfläche mit leichter Verschiebung zu Gewerbe, die (2) Verschiebung der Baugrenze, weil das mittlere Gebäude um 1,80 Meter nach Osten verschoben werden solle, die (2) Anpassung des Stellplatzschlüssels auf nun 0,54, die (4) Vergrößerung der Länge der Dacheinschnitte auf die Hälfte der Fassadenlänge (statt ein Drittel) und (5) eine gesonderte Grundfläche von 5 m² für Balkone. In der Diskussion gab es Verwunderung über die Dacheinschnitte, die es nach Ratsmitglied Dr. Ernst Lindl bisher kaum gegeben habe. Der Stellplatzschlüssel könnte, so der Planer, auf 0,6 erhöht werden. Der Verband Wohnen plane einen Schlüssel von 0,5 für die geplante Wohnanlage am Schönmoos. Einstimig wurde die Verwaltung beauftragt, die Punkte in den Bebauungsplan einzuarbeiten. Der Antrag zu den Dacheinschnitten wurde mit 11 zu 8 Stimmen mehrheitlich beschlossen, ebenso der Stellplatzschlüssel von 0,54 (mit Anregung auf 0,6) und die GR für Balkone mit 17 zu 2 Stimmen.
- Für den Bebauungsplan Nr. 91 „Seeuferbereich“, Teilbebauungsplan 4 für den Bereich des Grundstücks Sprungleitenweg 6 hat der Eigentümer eine Änderung beantragt. Der Antrag ist darauf gerichtet, die Grundfläche für die beiden auf dem Flurstück vorgesehenen Gebäude zu vergrößern – von 425 m² auf 580 m². Als Ausgleich ist dafür eine Reduzierung der Höhen im einen Meter vorgesehen, so dass Baumasse und Geschossfläche gleich bleiben. Der Gemeinderat hatte am 29.07.2025 Verwaltung und Rechtsanwalt Dr. Volker Gronefeld beauftragt, mit dem Bauwerber einen städtebaulichen Vertrag zur Übernahme der Planungskosten abzuschließen. Dieser Vertrag konnte in nichtöffentlicher Sitzung beschlossen werden. Der Ersteller des Bebauungsplans, Architekt Martin Büscher, anerkannte die Erhöhung der Durchlässigkeit zwischen den Gebäuden. Die derzeitige Riegelwirkung vom See aus gesehen werde aufgelöst, die Grundzüge der Planung sind damit insgesamt eingehalten. Die Gesamthöhe werde vom See aus niedriger wirken. Einige Ratsmitglieder beabstandeten die Baurechtsmehrung von über 30%. Ich erinnere mich aber, dass die derzeitigen Grundflächen im Bestand zwischen Bauwerber und gemeindlichem Planer kontrovers diskutiert wurden; der Bauwerber ging stets von einer höheren GR als 425 m² aus. Wichtig war anderen Ratsmitgliedern, dass die Zweigeschossigkeit festgeschrieben werde. Gegen die Stimme von Claus Piesch wurde die 1. Änderung des Bebauungsplans mehrheitlich beschlossen und Architekt Martin Büscher mit der Erstellung des Entwurfs beauftragt.
- Ohne Diskussion wurde die Sanierungssatzung – genau: Satzung über die förmliche Festlegung des Sanierungsgebiets „Ortsmitte Hauptort Tutzing“) – neu erlassen. Dies, um einer möglichen Beanstandung durch die Kommunalaufsicht zuvorzukommen.
- Die Verwaltung hat von der Verla-Pharm Arzneimittel GmbH einen Antrag auf Änderung des Bebauungsplans Nr. 39 „Verla-Pharm – Johannispark“ für den Teilbereich 2. Kern des Antrags ist die Änderung von Wohnnutzung in Gewerbenutzung. Hintergrund ist die Erweiterung der Produktion. Erforderlich sei dies wegen zum Teil überalterter Anlagen sowie für neue Produktionsanlagen, um andere Darreichungs- bzw. Verpackungsformen selbst herzustellen statt bei Lohnfertigern. Auf finanzielle Nachteile der Umwidmung verzichtet das Unternehmen, denn Gewerbeflächen sind weniger Wert als Flächen für den Wohnungsbau. Einstimmig entschied der Gemeinderat die (1) 5. Änderung des Bebauungsplans, die (2) Beauftragung des Planungsverbands mit der Erstellung des Bebauungsplanentwurfs, die (3) Beauftragung der Kanzlei Avocado mit der Erstellung der erforderlichen städtebaulichen Verträge und die (4) Übertragung des weiteren Bauleitplanverfahrens an den Bau- und Ortsplanungsauschuss.
- Nachdem die Sanierung der Hauptstraße bald fertiggestellt sein wird, informierte der Bürgermeister zu den offenen Punkten: Standorte für drei Behindertenparkplätze an oder nahe der Hauptstraße wurden ausgewählt. Meine Ratskollegin Barbara Doll war einbezogen worden. Mülleiner sind ausgewählt worden, auch Fahrradständer, die allerdings von Claus Piesch kritisiert wurden; hier gäbe es lt. ADFC bessere Alternativen. Für die Pflanzung von ca. 20 – 25 Bäumen wurde die Traubenkirsche „Schloss Tiefurt“ ausgewählt. Es entstand eine lebhafte Diskussion über die genannten Punkte, nahezu jedes Ratsmitglied fühlte sich hier angesprochen. Es ging um Anfahrschutz für die Bäume, später auch um Bänke, modern ohne Lehne bzw. die bekannten Parkbänke mit Lehne. Hier müssten erst die Platzverhältnisse geklärt werden, so meine Anmerkung. Ich bat um einen Plan mit den Standorten der Bepflanzung und Möblierung, den der Verkehrsplaner Benjamin Neudert vorlegen wird. Nicht besprochen wurde die Weihnachtsbeleuchtung, die für das nächste Jahr 2026 erweitert werden soll. Der Gemeinderat nahm die Ausführungen des Bürgermeisters zur Kenntnis.
- Der Bürgermeister berichtete über die sogenannte „Sportmilliarde“, das sind Bundesmittel für die Sanierung von Sportstätten. Einstimmig wurde beschlossen, dass sich die Gemeinde an dem Verfahren zur Interessensbekundung mit Skizzen und Planrechnungen für die Würmseehalle beteiligt. Wie bekannt, muss das Dach saniert werden.
Unter Mitteilungen und Anfragen, Verschiedenes informierte der Bürgermeister über die Ortsteilversammlung Diemendorf. Sie findet am Montag, 17. November 2025, um 20:00 Uhr, findet im Trachtenheim – Diemendorf 20, 82327, Tutzing, statt. Alle Bürgerinnen und Bürger der Gemeinde Tutzing, insbesondere des Ortsteils Diemendorf, seien herzlich eingeladen. Diese Einladung schließe Jugendliche ausdrücklich mit ein! Bürgermeister Ludwig Horn werde die wichtigsten Themen, Entwicklungen und Veränderungen des vergangenen Jahres vorstellen und stehe im Anschluss für Rückfragen und Anregungen ausführlich zur Verfügung.