Einstimmig wurden der Haushalt 2026 und die mittelfristige Finanzplanung 2027-2029 beschlossen. So geschehen in der Sitzungs des Gemeinderats am 13.01.2026 unter der Leitung des 1. Bürgermeisters Ludwig Horn. Der Bürgermeister selbst führte durch den Haushalt. Der Haushalt 2026 könne sich sehen lassen, stellte er fest. Ausgangspunkt war sein Bericht über das Jahr 2025: Im Verwaltungshaushalt lagen die Ausgaben lagen unter dem Budget, die Einnahmen dagegen über dem Budget, so dass ein ansehnlicher Überschuss von 3,7 Mio. Euro den Rücklagen zugeführt werden konnte. Der Stand der Rücklagen per 31.12.2025 belief sich auf rd. 6,9 Mio. Euro.
Im Haushalt für das Jahr 2026 konnte eine Zuführung vom Verwaltungshaushalt an den Vermögenshaushalt in Höhe von rd 0,4 Mio. Euro geplant werden. Hervorzuheben ist, dass die Gemeinde mit 11,3 Mio. Euro Kreisumlage fast die Hälfte ihrer Steuereinnahmen an den Landkreis abgeben muss. Hintergrund ist die gestiegene Steuer- und Umlagekraft der Gemeinde, die auf die besonders hohen Einnahmen aus der Gewerbesteuer 2024 zurückgeht.
Im Vermögenshaushalt sind Investitionen von rd. 9,6 Mio. Euro geplant, davon rd. 7,7 Mio. Euro Baumaßnahmen. Für die Sanierung des Dachs der Würmseehalle bewerbe sich die Gemeinde um Mittel aus der „Sportmilliarde“; diese Fördermittel sind für die Sanierung von Sportstätten möglich.
Zur Finanzierung der Investitionen im Vermögenshaushalt reichen die Einnahmen bei weitem nicht aus. Geplant ist eine Entnahme aus den Rücklagen von 4,6 Mio. Euro und eine Kreditaufnahme von 2,4 Mio. Euro.
Eine detaillierte Übersicht über den Haushalt 2026 und die mittelfristige Finanzplanung 2027-2029 finden Sie hier.
Der Bürgermeister nannte das Motto „Investieren und Sparen“. Investieren, auch um die Unterhaltskosten zu senken, gleichzeitig aber die Ausgaben zu begrenzen, das sei die Aufgabe. Er danke der Kämmerin Manuela Goldate und den Beteiligten für die Erarbeitung des Haushalts und auch der gesamten Belegschaft, denn es habe Einsparungen bei den Personalstellen und Umstellungen gegeben. Es seien mehr fnanzielle Mittel für die Investitionen erforderlich, die hohe Kreisumlage sei nicht erfreulich. Aus dem sogenannten Sondervermögen könne Tutzing einen Betrag von knapp einer Mio. Euro erwarten.
Ratskollege Dr. Thomas von Mitschke-Collande schloss sich dem Dank an und lobte den Bürgermeister, er habe den Haushalt in den vergangenen drei Jahren zur „Chefsache“ gemacht. Der Verwaltungshaushalt sei weiter konsolidiert, die freiwilligen Leistungen nicht gekürzt und die Steuerhebesätze nicht erhöht worden. Er rief zu Anstrengungen auf, den Eigenanteil der Gemeinde an den Kosten der Sanierung der Mittelschule ohne den Verkauf der Kustermannvilla zu finanzieren. Dies wurde von anderen Ratsmitgliedern als sehr optimitisch angesehen; ich selbst sehe es als sehr ehrgeizig an. Zufrieden können man mit den Gemeindefinanzen nicht sein; es sei ein jährlicher Überschuss von 5-6 Mio. Euro im Verwaltungshaushalt nötig, um die Investitionen zu finanzieren.
Ich selbst schilderte noch einmal die Notwendigkeit, das Aufkommen an Gewerbesteuer durch Ansiedlung von zu Tutzing passenden Unternehmen zu erweitern, ebenso durch Erweiterungsmöglichkeiten für ansässige Unternehmen. Meine Anmerkungen zum Haushalt finden Sie hier.
Ratskollege Bernd Pfitzner sieht die Gemeinde finanziell „mit dem Rücken zur Wand“. Vieles sei nicht passiert, es gebe einen wachsenden Sanierungsstau. Die Erstellung bezahlbaren Wohnraums komme nicht voran, die Wohnbauumlage werde in 2026 nicht gezahlt, so dass dem Verband Wohnen die nötigen Mittel fehlten. Die Projekte könnten aber mit den Bürgern umgesetzt werden, schlug er vor. Ziel müsse es sein, die Einnahmen der Gemeinde zu erhöhen; dazu gehöre auch, die Hebesätze der Grundsteuer als „sozialste Steuer“ anzuheben. Dagegen wandte sich Ratskollege Dr. Thomas von Mitschke-Collande. Die Erhöhung der Hebesätze der Grundsteuer verteuere das Wohnen in Tutzing, die „Grünen“ seien eine „Steuererhöhungspartei“.
Am Ende wurden der Haushalt 2026 und die mittelfristige Finanzplanung 2027-2029 einstimmig beschlossen.
Weitere Punkte der Sitzung:
- Der Bürgermeister berichtete, dass für die Namensfindung des Platzes an der Marienstraße inzwischen rd. 50 Vorschläge eingegangen seien. Anschließend stellte der Leiter des Liegenschaftsamts Daniel Grunwald die Ausführungsplanung für die Gestaltung des Platzes vor. Dazu gehören die Verlegung des Brunnens, die Bepflanzung, Sitzgelegenheiten, Fahradabstellanlagen und die Pflasterung wie die Gehwege. Das Bodenniveau werde angeglichen. Ratskollege Dr. Joachim Weber-Guskar merkte an, dass die Fahrbahn der Marienstraße verengt werde, um den Parksuchverkehr nicht einzuladen; gegenläufiger Verkehr bleibe möglich. Einstimmig wurde das Konzept gebilligt.
- Die Fraktion Bündnis90/Die Grünen hatte einen Antrag gestellt, der die geplante Wohnanlage am Schönmoos betraf. Das Vorhaben solle bekräftigt und mit der Unterstützung einer neu zu gründenen Wohnungsgenossenschaft realisiert werden. Die Gebäude waren im Jahr 2022 abgerissen worden, seitdem gebe es dort eine Brache. Angesichts der fehlenden Gelder beim Verband Wohnen (die Zahlung der Wohnbauumlage 2026 von rd. 2,0 Mio. Euro wird von Landkreis und Gemeinden ausgesetzt) sei es eine Idee, die finanziellen Mittel von den Bürgern in Form einer Genossenschaft bereitzustellen und dies mit dem Verband Wohnen zu kombinieren. Schließlich hätten alle Mitglieder des Gemeinderats das gemeinsame Ziel, bezahlbaren Wohnraum in Tutzing zu schaffen.
Zahlreiche Ratsmitglieder äußerten ihre Zweifel, der Vorschlag komme zu früh. Ich lehnte den Antrag auch ab. Aus meiner beruflichen Erfahrung, zu der der Aufbau gesellschaftsrechtlicher Strukturen gehörte, sehe ich hier eine deutlich erhöhte Komplexität. Auf der einen Seite gibt es den Verband Wohnen mit einer bestehenden Struktur und eingeübten Abläufen in der Erstellung von Wohnanlagen. Auf der anderen Seite steht eine noch zu gründende Wohnungsgenossenschaft. Beides läuft zeitlich nicht parallel. Auch andere Ratsmitglieder sahen darin eine zeitliche Verzögerung. Ich schlug vor, den Vorstand des Verbands Wohnen einzuladen, um dessen Vorschläge zu hören.
Der Bürgermeister wies darauf hin, dass der Gemeinderat sein Engagement für die Wohnanlage mit der Bauleitplanung deutlich zeige. Es seien die Planungsleistungen bis zur Stufe 3 erbracht worden. Zudem sei in der Mittelfristplanung ab 2027 die Zahlung der Wohnbauumlage mit rd. 70.000 Euro jährlich vorgesehen. Gleichwohl können man den genossenschaftlichen Gedanken in Erwägung ziehen. Der Verband Wohnen selbst wird über seine (Finanzierungs-)Struktur in der kommenden Verbandsversammlung beraten. Derzeit sei die Situation so, dass die Wohnanlage nicht schneller oder langsamer realisiert werde.
Ratskollege Dr. Thomas von Mitschke-Collande riet dazu, vom Ende her zu denken: Ziel sei es doch, die Wohnanlage rasch zu realisieren. Der Verband Wohnen würde eingeladen und gefragt werden, ob ihm eine Wohnungsgenossenschaft in diesem Fall nütze.
Mit Zustimmung der Antragsteller wurde der Beschlussvorschlag deutlich geändert: „Grundsätzlich wird der genossenschaftliche Gedanke im Bereich des bezahlbaren Wohnens, insbesondere bei der Finanzierung, durch den Gemeinderat begrüßt. In Zusammenarbeit mit dem Verband Wohnen soll im Rahmen der angedachten Neuausrichtung des Verbands Wohnen eine Kooperation zwischen dem Verband und einer möglichen Genossenschaft als Option eingebracht werden. Hierzu wird der Verband Wohnen zu einer Gemeinderatssitzung eingeladen.“ Gegen den Ratskollegen Rolf Bäck mehrheitlich beschlossen.
Unter Mitteilungen und Anfragen, Verschiedenes wies der Bürgermeister darauf hin, dass es im Feburar zwei Sitzungen des Gemeinderats gegeben werde (03.02. und 24.02.2026). Am 20.01.2026 tage der Haupt-, Finanz- und Werkausschuss. Ratskollegin Caroline Krug bat um Unterstützung für die Zulassung ihrer Partei ÖDP zu den Kreistagswahlen. Dazu müssten noch zahlreiche Unterschriften geleistet werden.
Eine Antwort
Statt Fortschritte – mögen sie auch klein sein – wenigstens anzuerkennen, wird von Herrn Pfitzner und den Grünen reflexhaft alles schlechtgeredet. Meckern ersetzt dort offenbar konstruktive Mitarbeit.
Eine solche Haltung wünsche ich mir nicht im Gemeinderat. Unsere Gemeinde braucht keine Dauer-Opposition, Steuererhöhungspartei sondern Verantwortungsbewusstsein, Sachlichkeit und den Willen, Lösungen zu entwickeln.
Wer bei jeder Gelegenheit sofort nach Steuererhöhungen ruft, zeigt zudem ein bedenkliches Maß an Unprofessionalität. Steuererhöhungen dürfen kein spontanes Reflexinstrument sein, sondern müssen – wenn überhaupt – sorgfältig geprüft, abgewogen und begründet werden. Alles andere ist Wahlkampf auf dem Rücken der Bürger.