GR: Masterplan für die Produktionserweiterung bei Verla Pharm

Die Verla-Pharm möchte ihren Produktionsstandort in Tutzing erweitern! Das ist erst einmal eine sehr gute Nachricht eines wichtigen Tutzinger Unternehmens und Gewerbesteuerzahlers. Um diese Erweiterungsabsicht zu verdeutlichen, gab es einen großen Auftritt in der Sitzung des Gemeinderats am 15.09.2026 unter der Leitung des 1. Bürgermeisters Ludwig Horn. Der bekannte Geschäftsführer Simon Stich kam im Beisein seines Kollegen Philipp Lemke. Dazu hatten sie mit Dr. Thomas Centner einen Experten der io Group mitgebracht (io bietet umfassende Beratungs- und Planungsleistungen für Produktion, Logistik, Architektur aus einer Hand). Letzterer wurde begleitet von dem Architekten Bastian van der Beek aus demselben Unternehmen.

Hintergrund der Pläne ist die Absicht, an sogenannte Lohnhersteller ausgelagerte Produktion nach Tutzing zu holen, den eigenen Maschinenpark zu erneuern und zu erweitern, damit die Produkte, insbesondere das bekannte Magnesium, in den verschiedenen Dareichungsformen (Tabletten, Sticks u.a.) hergestellt werden können. Vorgesehen ist ein langgestrecktes Gebäude im Westen der bisherigen Bebauung. Das neue Gebäude (siehe Beitragsbild) reicht fast bis zur Bahnlinie und schließt südlich an das Würmseestsadion und den Hartplatz an. Im Norden setzt sich die weitere Bebauung durch ein weiteres Gebäude sowie das Hochregellager an. Die Zufahrt für LKW erfolgt von der Lindemannstraße wie bei Edeka.

Der geltende Bebauungsplan Nr. 39 sah bisher im Westen Mitarbeiterwohnungen vor, es geht aktuell also um die Umnutzung von Wohnen zu Gewerbe. Bauamtsleiter Christian Wolfert erläuterte, dass im Verfahren Abstandsflächen, Sichtachsen, Immissionsschutz, Zufahrt und Vieles mehr geprüft würden. Der Antrag auf Änderung des Bebauungsplans müsste von Verla-Pharm kommen. Um ein Zeichen zu setzen, ließ der Bürgermeister abstimmen. Einstimmig nahm der Gemeinderat die Ausführungen der Vertreter des Unternehmens und seiner Berater zur Kenntnis und würdigte diese positiv. Gleichzeitig wird Zustimmung signalisiert, einen Änderungsbeschluss zum Bebauungsplan zu fassen,. wenn Verla-Pharm einen entsprechenden Antrag einreicht.

 

Weitere Punkte der Sitzung:

  • Zu Beginn des Sachstandsberichts über die Sanierung der Mittelschule gab der Bürgermeister nicht ohne Stolz bekannt, dass pünktlich zum Schulstart eine Interimslösung gefunden worden sei, dass einige Klassenzimmer noch rechtzeitig für den Unterricht fertiggestellt wurden. Dies sei dank einer Kraftanstrengung aller Beteiligter möglich gewesen. Es seien sechs harte Wochen gewesen, eine große Teamleistung.
    Bautechnikers Stefan Wagner von KlingConsult bestätigte dann auch, dass bis zum Vorabend gearbeitet worden sei.. Die Fassade des Alten Schulhauses sei fertig geworden und mit dem Denkmalamt abgestimmt, ebenso das Portal. Wegen Lieferschwierigkeiten seien provisorische Brandschutztüren eingebaut worden, die später weiterverwendet werden könnten. Im Neubau seien beide Obergeschosse gereinigt und möbliert, so dass dort der Unterricht stattfinden könne. Die meisten Restleistungen, wie Trockenbau, Maler, Bodenbelag, Fliesen und Innentüren, seien im Untergeschoss noch zu erledigen. Im Alten Lehrerwohnhaus läuft aktuell noch die Fenstersanierung.
    Hubavina Arnaoudova von BayernGrund präsentierte die Zahlen im Vergleich zum letzten Mal am 07.07.2026. Fortschritte wurden sichtbar. Die Folie zur den Fördermitteln war unverändert, was mich zur Frage veranlasste, wer den dieses Thema treibe, damit die Fördermittel möglichst bald zufließen. Es sei das Zusammenspiel von Bayerngrund und der Gemeinde, so Frau Armnaoudova, die Anträge selbst stelle die Gemeinde, Bayerngrund arbeite zu.
    Zum Schluss präsentierte sie eine Folie zur Entlastung von BayernGrund. Grafisch war dargestellt, dass der Einfluss von BayernGrund auf die Projektkosten nur 10-30% betrage, weil sie erst nach der Vor- und Entwurfsplanung in das Projekt involviert waren. In diesen beiden Frühphasen des Projekts werden 70-90% der Projektkosten festgelegt. Hintergrund war, dass die Mitglieder des Gemeinderats BayernGrund heftig kritisiert hatten, nachdem in der Sitzung am 07.07.2026 eine weitere Kostenerhöhung von 28,0 auf 31,1 Mio. Euro präsentiert worden war.

 

  • Die Verwaltung gab einen Sachstandsbericht zur Umsetzung des Integrierten Städtebaulichen Entwicklungskonzepts (ISEK). Für 2026 könne eine erfolgreiche Bilanz gezogen werden mit einer Förderausschöpfung von 98%. Der Spiel- und Erholungspark stehe kurz vor der Fertigstellung, alle Maßnahmen sind in Bearbeitung. Die Regierung von Oberbayern identifizierte bei einer neuerlichen Begehung am 06.07.2026 neue strategische Möglichkeiten: die Bahnhofstoilette wurde als hoch förderfähige Maßnahme empfohlen, für das Thomahaus ist zusätzliche Förderung trotz ausgeschöpftem Förderrahmen möglich und das Würmseestadion-Nebengebäude wurde als geeignete Alternative für einen Jugendtreff bewertet. Das Museumsschiff selbst sei nicht förderfähig.
    Trotz fehlender Planungsgrundlagen erarbeitete der Arbeitskreis bei seiner Sitzung im Juli eine Vorauswahl möglich Prioritäten auf der Basis (1) der Empfehlungen der Regierung von Oberbayern, (2) Empfehlungen der Verwaltung der Gemeinde Tutzing, (3) den früheren Entscheidungen des Arbeitskreises ISEK und den (4) den strategischen Ziele des ISEK:
    • Priorität 1 für 2027: Bahnhofstoilette, Weiterführung Machbarkeitsstudie Thomahaus, aufbauen auf der Grundlagenermittlung in 2026 sowie städtebauliche BEratung als jährliche Qualitätssicherungsmaßnahmen
    • Priorität 2 für 2027: Pflegekonzept Bestandsbäume, Ortsbaufibel, Öffentliche Beteiligungsformate
    • Vorauswahl für 2028: Jugendtreff-Machbarkeitsstudie Würmessestadion, Rahmenplan Bahnhofsumfeld und Mietspiegel für das nächste reguläre Erhebungsjahr

Zum Jugendtreff äußerte sich die 2. stv. Vorsitzende des Jugendbeirats, Mia Neff: der Jugendbeirat wende sich gegen den Standort am Würmseestadion. Es werde kein Party-Standort gesucht sondern ein ruhiger Ort zum Treffen. Es gehe um die offene Jugendarbeit mit sozialpädagogischer Begleitung für benachteiligte Jugendliche. Der Jugendbeirat spreche sich klar für das Thomahaus als Standort aus. Der Bürgermeister sagte zu, den möglichen Standort für den Jugendtrefff in die Machbarkeitsstudie für das Thomahaus einzubeziehen. Aus dem Gemeinderat kam der Wunsch, deutlicher herauszuarbeiten, was genau gesucht werde; für zahlreiche Mitglieder ist die Nachfrage nach nach wie vor nicht greifbar.

 

  • Einstimmig beschloss der Gemeinderat den Erlass einer neuen Beitrags- und Gebührensatzung zur Wasserabgabesatzung, in der die Beträge sowhl netto als auch brutto einschließlich Mehrwertsteuer angegeben sind.

 

  • Ebenso einstimmig beschloss der Gemeinderat den Neuerlass der Verordnung über die Erhebung von Parkgebühren auf öffentlichen Verkehrsflächen der Gemeinde Tutzing (Parkgebührenverordnung). Im gesamten Innenbreich der Ortsdurchfahrt war die Einrichtung von zwei Parkzonen beschlossen worden, eine seezugewandte Parkzone und eine seeabgewandte Parkzone. Die sogenannte „Semmeltaste“ – kostenloses Parken für 30 Minuten – wurde hinzugefügt, für den Parkplatz an der Greinwaldstraße gelten 60 Minuten. Die Parkraumbewirtschaftungszeiten sowie die Parkgebühren wurden angepasst. Es gilt, je näher am See, desto teurer. Neu aufgenommen in die Parkzone werden Hauptstraße, Marienstraße und Hallbergerallee.

 

  • Für die Ausschussgemeinschaft aus SPD und ÖDP trug Christina Feichtmeier (SPD) den Antrag auf Erstellung eine kommunalen Hitzeschutzkonzepts einschließlich lokalem Hitzeaktionsplan vor. Sonja Mayer von der Verwaltung erläuerte, dass ein Hitzeschutzkonzept von der Verwaltung erabeitet werden könnte. Ein darüber hinaus gehendes Klimaanpassungskonzept jedoch nicht. Die Einflussgrößen seien bekannt. Gerald Herrmann schlug vor, die Maßnahmen zusammenzutragen, die es schon gebe, das Klimaanpassungskonzept an sich nicht zu hoch zuhängen. So wurden einstimmig zwei Beschlüsse gefasst: (1) die Verwaltung wurde beauftragt, ein kommunalers Hitzeschutzkonzeot einschließlich eines lokalen Hitzeaktionsplans zu erarbeiten. Ein umfassendes Klimaanpassungskonzept soll (2) derzeit nicht in Auftrag gegeben werden, aber eine Klimanpassungsstrategie in Zusammenarbeit mit den Umwelt-, Energie- und Verkehrsausschuss regelmäßig evaluiert werden.

 

  • Die Verwaltung, Kämmerin Manuela Goldate, berichtete über die Jahresrechnung 2025, die erstellt wurde und dem Gemeinderat gemäß Artikel 102 Absatz 2 der Bayerischen Gemeinderordnung zur Kenntnisnahme vorlag. Dies ist ein vorbereitender Schritt für die folgende örtliche Rechnungsprüfung durch den Rechnungsprüfungsauschuss (RPA). Auf der Homepage der Gemeinde kann der Rechenschaftsbericht dazu unter „Projekte“ eingesehen werden. Ich begrüßte die Vorlage, zeige sie doch, dass wir schneller werden, denn erstmals wurde im September das Ergebnis des Vorjahres gezeigt. Gerald Herrmann dankte dem Bürgermeister für die Umsetzung; der RPA werde bereits im September tagen. Einstimmig wurde die Jahresrechnung 2025 mit Rechenschaftsbericht zur Kenntnis genommen und der RPA mit der Durchführung der örtlichen Rechnungsprüfung beauftragt.
    Eine vertiefende Darstellung können Sie auf vorort.news dort nachlesen.

 

  • Die Ersatzbeschaffung eines Dienstfahrzeuges für den Bauhof wurde einstimmig beschlossen. Das Fahrzeug ist 15 Jahre alt und hat einen Getriebeschaden. Die Reparatur sei nicht mehr wirtschaftlich.

 

Beitragsbild: Studie der geplanten Produktionsgebäude der Verla-Pharm (freigegeben von der Geschäftsführung)

 

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