In der Sitzung des Gemeinderats (GR) am 13. Januar 2026 unter der Leitung des 1. Bürgermeisters Ludwig Horn wurden der Haushalt 2026 sowie die Finanzplanung 2027-2029 (genau: die Haushaltssatzung) einstimmig genehmigt. „Der Haushalt kann sich sehen lassen“, erklärte der Bürgermeister, der den Haushalt persönlich vorstellte. Vorangegangen waren intensive Beratungen im Haupt-, Finanz- und Werkausschuss (HFWA) im Dezember 2025.
Die Kämmerin hatte der Gemeinde mit ihren Mitarbeitern sowie den inhaltlichen Beiträgen der Fachabteilungen zunächst einen defizitären Verwaltungshaushalt mit einem Fehlbetrag von rd. 0,5 Mio. Euro zur Beratung vorgelegt. Damit musste der Haushalt in intensiven Sitzungen durchgearbeitet werden. An zahlreichen Stellen musste gespart werden; Verschiebungen und Kürzungen waren erforderlich, um den Ausgabenüberhang zu reduzieren; die Ansätze für die Steuereinnahmen wurden leicht erhöht. Damit konnte der Verwaltungshaushalt ausgeglichen und dem Vermögenshaushalt ein ordentlicher Betrag für Investitionen (rd. 0,4 Mio. Euro) zugeführt werden. Dazu ist ein Verwaltungshaushalt, der eine deutliche Zuführung zum Vermögenshaushalt zulässt, auch ein notwendiger Ausweis der Kreditwürdigkeit und dokumentiert die Schuldentilgungskraft einer Gemeinde. Großen Raum nahm die Diskussionen der Investitionen im Vermögenshaushalt ein. Hier wurden ebenso Kürzungen und Verschiebungen bzw. Veränderungen in der Priorität vorgenommen.
Das Werk umfasst insgesamt knapp 380 Seiten, dazu diverse Anlagen. Zusätzliche Grafiken und tabellarische Übersichten erleichterten den Ausschussmitgliedern den Einstieg. Antworten auf offene Fragen wurden nachgereicht; zur Verabschiedung stand schließlich eine überarbeitete Version mit entsprechend zahlreichen Änderungen gegenüber dem ursprünglichen Entwurf.
Der Haushalt 2026 zeigt nach wie vor die strukturelle Einnahmelücke und den engen finanziellen Spielraum der Gemeinde mit unverändert hohem Bedarf an Instandhaltungen und Investitionen. Die nachstehenden Ausführungen erläutern die einzelnen Haushaltsbereiche wie folgt:
Verwaltungshaushalt 2026
Der Verwaltungshaushalt 2026 zeigt geplante Einnahmen und Ausgaben in Höhe von 32.109.800 Euro und ist damit gegenüber dem Vorjahr um rd. 2,6 Mio Euro gestiegen. In den Ausgaben enthalten ist eine Zuführung zum Verwaltungshaushalt in Höhe von 400.500 Euro. Zur Erinnerung: Grundsätzlich muss im Verwaltungshaushalt ein Überschuss erwirtschaftet werden, der dann dem Vermögenshaushalt zugeführt wird; dieser Überschuss sollte deutlich über dem Mindestbetrag liegen, das sind die geplanten Kredittilgungen (in 2025: 195.200 Euro). Angesichts der geplanten Kreditaufnahme muss hier Vorsorge getroffen werden. Die Gemeinde muss eine Vielzahl von Pflichtaufgaben erfüllen. Darüber hinaus gibt es in nicht geringem Umfang freiwillige Leistungen.
Auf der Einnahmenseite sind es hauptsächlich die Steuereinnahmen: Größter Einzelposten auf der Einnahmenseite ist nun die Gewerbesteuer, die mit einem Ansatz von 9,8 Mio. Euro bei einem Hebesatz von 330% budgetiert ist (seit 2025: 330%). Zweigrößter Einnahmeposten ist die Einkommensteuerbeteiligung, die nach 9,1 Mio. Euro in 2025 für das Jahr 2026 mit 9,5 Mio. Euro höher angesetzt wurde. Die Hebesätze der Grundsteuer A und B liegen nach vom Gesetzgeber veranlassten Systemumstellung und Beschluss des Gemeinderats am 02.12.2025 einheitlich bei 420%. Hier hofft die Verwaltung auf Einnahmen in Höhe von rd. 2,0 Mio. Euro. Die Zweitwohnungssteuer wurde mit 460.000 Euro angesetzt. Zusammen mit weiteren Steuerbeteiligungen und Finanzzuweisungen ergeben sich damit budgetierte Einnahmen von rd. 23,7 Mio. Euro.
Tutzings Steuerkraft je Einwohner ist weiter gestiegen und erreicht 2026 den Betrag von 2.035 Euro pro Einwohner – nach 1.693 Euro im Vorjahr. Angesichts der gestiegenen Steuerkraft gibt es seit dem Jahr 2023 keine Schlüsselzuweisung mehr. Zur Erklärung: Über die Schlüsselzuweisungen beteiligt der Freistaat finanzschwache Kommunen und Landkreise an seinen Steuereinnahmen.
Die Kreisumlage belastet die Finanzkraft der Gemeinde. Sie ist deutlich erhöht mit rd. 11,3 Mio. Euro der größte Ausgabenposten des Haushalts. Das ist eine Steigerung gegenüber 2025 um 2,0 Mio. Euro. Die Steigerung ist zweifach: erstens hat sich als Bemessungsgrundlage die Umlagekraft unserer Gemeinde durch höhere Steuereinnahmen erhöht (insb. die Gewerbesteuer 2024); zweitens hat der Kreistag beschlossen, den Umlagesatz weiter auf 55,8% heraufzusetzen. Die Erhöhung ist im Wesentlichen durch gestiegene Kosten und erweiterte Aufgaben des Landkreises begründet. Die Personalausgaben liegen mit 6,2 Mio. Euro um rd. 1,7% über dem Ansatz des Vorjahres. Hier sind die Tariferhöhung und Zulagen budgetiert, Höhergruppierungen gab es nicht; entlastend wirkt der Verzicht auf zwei Planstellen.
Die Ausgaben für Schulen, Kultur und Soziale Sicherung (einschl. Kinderkrippen, -gärten und -horte) umfassen 6,8 Mio. Euro, das sind gut 21% des Haushalts. Werden Beitragseinnahmen und Entgelte sowie Zuschüsse dagegen gerechnet, verbleiben immer noch 3,4 Mio. Euro oder ein knappes Drittel des “Netto-Haushalts”. Die Zuschüsse an die Vereine und soziale Einrichtungen sind budgetiert. Hier zeigt sich die Gemeinde konstant und verlässlich; für Erhöhungen oder neue Anträge gab es keinen Raum.
Vermögenshaushalt 2026
Das gestalterische „Spielfeld“ des HFWA ist der Vermögenshaushalt, hier können Prioritäten gesetzt werden. Er zeigt für 2026 ein Volumen von 12.909.700 Euro. Es sind Investitionen in Höhe von rd. 9,6 Mio. Euro geplant, davon 7,7 Mio. Euro für Baumaßnahmen. Wesentliche Positionen sind (Euro):
- Erneuerung Wasserleitung Weilheimer Straße (1.300.000)
- Löschwassersteigerung Traubing (810.000)
- Erneuerung Hauptstraße (700.000)
- Straßensanierungen (500.000)
- Dachsanierung Würmseehalle (500.000)
- Wasserleitung Hauptstraße (300.000)
- Pausenhof der Grundschule (290.000)
Für die genannten Investitionen reichen die Einnahmen des Vermögenshaushalts aus Investitionszuweisungen, Zuschüssen, Erschließungsbeiträgen sowie Einnahmen aus Veräußerung gemeindlicher Immobilien bei weitem nicht. Sie decken mit rd. 5,5 Mio. Euro nur rd. 47% der geplanten Ausgaben. So stehen auf der Einnahmenseite die Zuführung aus dem Verwaltungshaushalt von 0,4 Mio. Euro, die Entnahme aus der Rücklage (4,6 Mio. Euro) und eine Kreditaufnahme (2,4 Mio. Euro), letztere für die Erneuerung von Wasserleitungen und die Löschwassersteigerung in Traubing.
Die Schulden der Gemeinde werden nach Regeltilgung zum Jahresende 2026 bei 3,2 Mio. Euro erwartet. Von den Schulden entfallen 2,5 Mio. Euro auf die Wasserversorgung; diese sog. “rentierlichen” Schulden werden über die Wassergebühren getilgt.
Die Allgemeinen Rücklagen der Gemeinde beliefen sich zum Jahresende 2025 auf erfreuliche 6,9 Mio. Euro. Nach der vorgesehenen Entnahme im laufenden Jahr sollen die Rücklagen noch rd. 2,4 Mio. Euro zum Jahresende 2025 betragen.
Mittelfristige Finanzplanung 2027 – 2029
Die mittelfristige Finanzplanung für die Jahre 2027 – 2029 zeigt einen Verwaltungshaushalt von plus/minus 31 Mio. Euro. In der Jahren 2027, 2028 und 2029 sollen weiter Zuführungen von jeweils über 1 Mio. Euro vom Verwaltungshaushalt an den Vermögenshaushalt geleistet werden. Der Vermögenshaushalt sinkt deutlich auf 6,2 in 2027, dann 5,0 (2028) und schließlich auf 1,5 Mio. Euro (2029).
Der Finanzbedarf bleibt hoch wegen anstehender Investitonen. Im Zentrum steht nicht mehr das Großprojekt der Sanierung der Hauptstraße. Eingestellt sind die entsprechenden Beträge für die Verlegung der Wasserleitung Oberes Vocherl, die Straßensanierungen, der zweite Teil der Dachsanierung der Würmseehalle, die Dorferneuerung Traubing, aber auch die Sanierung der Deponie Kalkgraben. In der mittelfristigen Investitionsplanung nicht enthalten sind Projekte wie ein neues Feuerwehrhaus oder die Mittelschule. Der Eigenanteil der Gemeinde wird nach Abzug von Fördermiiteln und Beteiligungen der Nachbargemeinden auf rd. 12 Mio. Euro betragen.
Entnahmen aus der Rücklage sind in den Jahren nicht vorgesehen. In den Jahren 2028 und 2029 sind Zuführungen von 2,8 und 0,3 Mio. Euro geplant, so dass der Stand der Rücklagen Ende 2029 planmäßig bei 5,5 Mio. Euro liegt.
Zur Finanzierung der mittelfristig geplanten Ausgaben im Vermögenshaushalt wird außerdem eine Kreditaufnahme von 2,0 Mio. Euro im Jahr 2027 erforderlich sein, um den Vermögenshaushalt dieses Jahres auszugleichen. Der Schuldenstand erhöht sich planmäßig nach jährlicher Regeltilgung auf dann rd. 4,9 Mio. Euro bis Ende 2029.
Meine zusammenfassenden Anmerkungen zum Haushalt 2026:
- Steuereinnahmen und Umlagen
Die budgetierten Steuereinnahmen sind allesamt gestiegen, zusammen mit allgemeinen Zuweisungen sind das 23,7 Mio. Euro. Die Freude ist keine echte, denn der Landkreis greift der Gemeinde mit der stark erhöhten Kreisumlage mächtig in die Tasche. Ein stattlicher Betrag von 11,3 Mio. Euro fließt da ab, eine (weitere) Steigerung von 2,0 Mio. gegenüber 2025. Es ist zu hören, dass der Satz der Kreisumlage von derzeit 55,8% tendenziell weiter steigen wird. Aus der Gewerbesteuer werden wiederum leicht erhöhte Einnahmen erwartet. Die Gemeinde benötigt diese Einnahmen! Wir danken den Gewerbesteuerzahlern für ihr Verständnis für die Anhebung des Hebesatzes im letzten Jahr und vertrauen darauf, dass der Hebesatz nur ein Standortfaktor unter mehreren ist. Aber nur durch weiter steigende Einnahmen bei der Gewerbesteuer kann es uns gelingen, den finanziellen Spielraum der Gemeinde deutlich zu erhöhen, insbesondere auch durch Ansiedlung von neuen Unternehmen, die zu Tutzing passen. Gleichzeitig sollen Möglichkeiten zur Erweiterung für bereits ansässige Unternehmen geschaffen werden. Diese Absicht ist im ISEK deutlich herausgearbeitet und dokumentiert worden. Daran arbeiten der Bürgermeister, die Verwaltung, verschiedene Arbeitskreise und der Gemeinderat. - Investitionen
Und die Gemeinde wird auch weiter investieren. Ein Betrag von 9,6 Mio. Euro ist dafür vorgesehen, davon 7,7 Mio. Euro für Baumaßnahmen. Die Liste, die der Bürgermeister vorgetragen hat, enthält im Wesentlichen nur Notwendigkeiten, die gemacht werden müssen. Erneuerung Hauptstraße und dazu die Wasserleitungen, übrige Wasserleitungen, Straßensanierungen und so weiter. Das ist keine Kür, nur Pflicht. Jeder Punkt der Investitionsliste wurde einzeln diskutiert, zahlreiche Vorhaben zurückgestellt. - Finanzierung Mittelschule
Die Finanzierung Mittelschule wird ein Thema für die nächsten beiden Jahre bleiben, denn im Jahr 2027 kommt es zur Abrechnung der derzeit laufenden Baufinanzierung. Brutto rd. 25 Mio. Euro, netto, das heißt nach Abzug von Fördermitteln und Beteiligung der Nachbargemeinden, müssen immerhin noch rd. 12 Mio. Euro finanziert werden. Mitte 2027 könnte die erste Abrechnung präsentiert werden, ein Jahr später die Schlussabrechnung. Zur Erinnerung: Für den Beginn des Vorhabens hatte das Landratsamt verlangt, dass die Gemeinde das Grundstück mit der Kustermannvilla quasi verpfändet. Es gibt Ideen und Anstrengungen, wie sich das vielleicht vermeiden lässt; hier sollten wir auch ehrgeizig sein. Sollte sich aber keine andere Lösung finden, ist es aus heutiger Sicht der Finanzlage anzunehmen, dass ein Verkauf oder ein Teilverkauf notwendig werden. - Trotzdem an die Zukunft denken
Es bleibt also festzuhalten, dass die strukturelle Einnahmelücke bleibt – und dies eben auch trotz der erhöhten Steuereinnahmen. Trotz aller Restiktionen haben wir aus dem Maßnahmenplan des ISEK einige Themen herausgezogen, die in diesem Jahr realisiert werden. Es bleibt aber dabei: Die Finanzen der Gemeinde müssen mehr in den Mittelpunkt gerückt werden. Anzustrebendes Finanzziel ist ein Überschuss im Verwaltungshaushalt von ca. 5-6 Mio. Euro, der dem Vermögenshaushalt für Investitionen zugeführt werden könnte. Das würde konkret bedeuten, dass ein Überschuss von rd. 16-19% der derzeitigen Einnahmen erzielt werden müsste.