Seehof, was und wie und warum überhaupt?

Also, da hat die CSU sich ja eine feine Sache ans Bein gebunden. Seit mehreren Jahrzehnten war der Seehof die ideale Gelegenheit, den jeweiligen Bürgermeistern höchst unruhige Zeiten zu garantieren. Man(n) nutzte es auch weidlich aus, man weidete sich an dem Gang der Dinge, erfand eine dusslige Lösung nach der anderen. Ganz Tutzing wurde aufgefordert, am Monopoly teilzunehmen, halb Tutzing entwickelte sich zu Hotelsachverständigen. Jeder verteilte Sterne, manche sahen nur noch Sterne. Und jeder brachte seine Erfahrung mit Sternen ein, angebracht an Hotelschildern der jeweiligen Urlaubsdomizile. Sogar überzeugte Wohnmobil- und Campingurlauber mit dem Bett auf dem Autodach redeten in Tutzing mit und schwafelten von einem Boutique-Hotel. Sie, die Freien Wähler und Denker, blieben allerdings bis heute den Beweis schuldig, wie das eigentlich gehen könnte.

Inzwischen sind die Bürger aus dem dummen Spiel längst raus. Angelegenheiten, die Bürger betreffend, die Bürger auch einzubeziehen, wurden im April 2017 in der Sitzung des Umwelt-Energie- und Verkehrs-Ausschusses als basisdemokratisch und daher als absolut abzulehnen betrachtet. Wortführerin war die CSU-Fraktionsvorsitzende, sichtbar dankbar folgten ihr die Kollegen aus FW, ödp, Grüne.

Wobei bis heute niemand weiß, was mit Basisdemokratie bei der CSU eigentlich gemeint ist. Jedenfalls zeigte ein dieser Tage öffentlich nachlesbares Interview mit derselben CSU-Dame, dass sie heute, August 2018, völlig anders spricht als im April 2017. Der alte Bimslechner, der Tutzing seit fast fünfzig Jahren kennt, weiß: In 14 Monaten kann man viel vergessen…

Nun also wird der Seehof auf Wunsch der Tutzinger CSU Gegenstand einer Parteimitglieder-Befragung. Hoffentlich nur in der Tutzinger CSU. Und hoffentlich nur hinter verschlossenen Türen, damit niemand sieht, welche Meinungsvielfalt in der CSU zugelassen ist. Und dass die CSU überhaupt nicht in der Lage ist, zu einer einheitlichen Meinung zu kommen.

Die ganze Sache wird nicht leichter dadurch, in Zeitung und Internet veröffentlichte Kritik und Vorschläge zu lesen und zu hören. Das reicht von “herrlich, die unbebaute Blickachse zum See runter” bis “sollen die Zocker doch sehen, wie sie zu ihrem Geld kommen; ein Zocker wüsste schließlich aus Erfahrung, was Zocken bedeute”.

Wer mit spitzem Stift an die Sache herangeht, wird zu dem Ergebnis kommen – so auch die Fachkreise – mit einer vermutet sieben Millionen schweren Belastung alleine für das Grundstück durch die über Jahre erfolgte Zockerei mit dem Grund ist kein Hotel unter 200 Betten zu  realisieren. Tutzinger Kosmopoliten, weit herumgereist und wohl eher in 40-Betten-Hotels erfahren, sind da nun anderer Ansicht. Am besten: boutiquig soll es sein.

Und diese Koryphäen wollen sich treffen, um zu einer Meinung zu kommen? Das wird lustig … und die Blickachse, die vermutlich teuerste im gesamten Vierseengebiet, bleibt uns erhalten. Wir brauchen nicht die Fremden oder Touris, die laut CSU-Tutzing-Originalton  auch gar nicht so sehr erwünscht sind, weil sie Unruhe ins Dorf bringen. Denjenigen, die trotzdem kommen, kann man ja sagen, die Blickachse sei ein Produkt absoluter Unfähigkeit und damit verbundener Zockerei, aber doch bitte ganz in dren Sinne. Und nicht ohne Grund sei die Maria goldig angestrichen!

Jetzt bin ich ja gespannt, wie der Wettstreit um die besten Ideen zwischen Betriebswirten, Finanzjongleuren, Basisdemokraten, richtigen und selbst ernannten Ortsentwicklern und Ohnemichels ausgehen wird. Nicht nur der Sommer war heiß, der Herbst wird es auch werden. Und die CSU wird das, was da abgeht, uns als die Reibungshitze verkaufen, die dabei entsteht, wenn eine ganze Bürgerschaft zu Gunsten kaltblütiger Zocker über den Tisch gezogen wird. Ich wette, die Fortsetzung der gesamten Story kommt im Herbst, dem Heißen. Denkt daran: 14. Oktober. Landtagswahl.

Ihr Josef Bimslechner

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