Conchita ist mir wurscht

Also ich hab‘ den Test gemacht: In drei Metzgerläden habe ich nach Conchita Wurst gefragt, aber: keine Chance. Herta-Wurst, Spreewalder- und ungarische Wurst oder Käseknacker hatten sie, nur keine Conchita. Gut dachte ich mir, man muss ja nicht alles haben! Natürlich tut diese Selbstbeschränkung weh. Wir finden uns damit ab, dass es Altersarmut im reichen Deutschland gibt, das seinen Wohlstand den PS-Stars und SUVs einer starken Autoindustrie verdankt. Zum Teil. Zum anderen Teil einer oberscharfen Waffenindustrie. Tolle Ware machen die! Fragen sie mal die Scheichs in Saudi-Arabien. Die sind die beste Werbung für Deutschlands Peng-Industrie. Was heißt da „wir finden uns ab“? Was ist schon Altersarmut im Vergleich zu Welterfolg? Pfffh. Und jammernde Rentner. Damit finden wir uns auch ab. Wir sind stolz auf unsere 195 Milliardäre, die mit ihrem Vermögen im letzten Jahr 15% Plus gemacht haben ohne zu arbeiten. Was ist das schon im Vergleich zu dem tollen Verdi-Abschluss für unsere Landesangestellten, die in den kommenden drei Jahren jeweils 2,8% mehr bekommen? Also 2023  hurra 8,4% mehr als heute. Klingt besser, gell? Und überhaupt: Wir ruinieren die Natur? Glauben Sie den frechen Schülern*innen kein Wort. Die haben doch keine Ahnung. Nur eine Vorahnung. Die Ahnung, nein: das Wissen haben wir! Wir wissen, wie man die Natur kaputt macht.

Totalegal: ich brauche bei all dem keine Conchitawurst. Ich bin ja schon froh, dass es genug Lyoner für den Wurstsalat gibt. Und die gibt’s bei uns in Tutzing. Und eine neue Hauptstraße, weil „alles nei macht der Mai“. Nur das Jahr… also das letzte Jahr verweigerte dem Straßenbauamt zu bauen wie geplant. Das heurige Jahr wollte freundlicher sein, aber der Abwasserverband nicht. Jetzt fahren die Gemeinderäte gerade über’s Land, um sich anderswo Straßenlampen anzusehen. Da stell‘ ich mir vor, letztes Jahr wäre nach jahrelanger Vorankündigung die Straße endlich neu gebaut worden – ohne Lampen! Wie heißt der Werbespruch? „www.strassenlampen.de – so geht digitaler Einkauf heute“. Ist denn der „Hugo“ schon alle, den die Gemeinde 2012 gekauft hat, um für alle Straßenfeste der Zukunft gerüstet zu sein – was damals eine Hand voll Rechnungsprüfer des Gemeinderats einfach nicht verstehen konnten? Wo ist er, der Hugo? Gab doch gar kein Straßenfest seitdem – und wann es eins gibt, weiß immer noch keiner. Aber der Dampfersteg wird verlängert. Weil bei der letzten Sanierung vor ein paar Jahren die Jungs von der Seeschifffahrt den Plan nicht lesen konnten, der das schon damals enthalten hatte. Ja mei. Passiert ist passiert. Und so passiert ununterbrochen was, was uns letztlich wurscht sein kann. Unsere Wurschtigkeit ist gut für die Regierung im Großen wie im Ort: Die Gewählten und ihre Verwaltungen können machen, was sie wollen. Wenn sie nicht wollen, machen sie halt nix. Oder Schmarrn.

Seh‘ ich das zu „schwarz“? Allein schon diese Frage ist pervers, findet Euer

Franz Bimslechner

 

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