Autor: Franz Bimslechner

  • Der Aufstand der Knirpse

    Der Aufstand der Knirpse

    © Patrick Chapatte in „le Temps“ über infosperber, Übersetzung «Wir waren für eine bessere Welt … sie für eine nicht schlimmere!»

    Da geht man nichtsahnend zum Einkaufen und plötzlich versperrt ein Rudel Schüler, ausgerüstet mit Trillerpfeifen, Megafonen und Plakaten den Weg. Wie die Jugend halt so ist: lärmend und rücksichtslos. Wir, denen sie ja eigentlich ihr Leben verdanken, machen ihre Zukunft kaputt, plärren sie. Und „Gedankenwandel statt Klimawandel“ steht auf ihren Plakaten. Wie soll das denn gehen? Eine kichernde 15jährige hält ein Schild hoch „Rettet die Natur statt Diesel“. Keine Ahnung von Wirtschaft und Wohlstand, aber krakeelen! „Clean the Air“ steht da auf einem Plakat, das wie eine schmutzige Wolke ausschaut. Absolut dilettantisch gemalt und Deutsch können sie auch nicht. Es ist empörend. Übrigens lauter Schulschwänzer*innen. Heute ist Freitag. Das heißt doch noch lange nicht, dass sich die alles frei nehmen können! Am Montag in der Matheprüfung können sie dann wieder nicht bis drei zählen, die Helden*innen. Und der Staat lässt sich das alles gefallen. Einerseits kein Wunder, denn am Freitag arbeitet im Kultusministerium nur noch der Portier und dem ist das so lange alles wurscht, bis siebenhundert Schreihälse vor seiner Pforte stehen und ihn mit einer Petition bedrohen, was immer das auch ist. Außerdem: was hat Kultur mir Natur zu tun? Da sieht man doch wieder, wie alles beliebig vermischt wird, um am Freitag nicht in die Schule zu gehen. In der Zeitung stand, dass sogar Schulleiter mit den Knirpsen „sympathisieren“. Das ist absolut unverständlich, nur aus Sicht der Lehrer vielleicht doch: jeden Freitag frei, juchhei, die Vier-Tage-Woche kommt bei vollem Gehalt. Das sind neben den normalen drei Monaten Ferien noch 37,5 Frei-Tage.

    Die alte Dame vor mir ist richtig wütend: „Ich wollt doch nur rüber zu Edeka“ jammert und flucht sie, „aber die lassen einen ja nicht durch da!“ Sie dürfte so an die achtzig sein. Da sind fünf versäumte Minuten mehr wert, als mit 15 ein schulfreier Freitagvormittag. Ein Herr aus der Zugspitzstraße, der oft als Zuhörer in Gemeinderatssitzungen ist, steht auch da und klatscht begeistert Beifall. Schreit zu den Demonstranten*innen „Prima, Maxi! Bin stolz auf Dich Liesl. Macht weiter so, Chrissi!“ bis ihn sein Nachbar höflich anstößt und freundlich fragt: „Und Du? Was tust Du gegen den Klimawandel? Na los, mach’s Maul zu und sag‘ an!“ Sie stehen sich gegenüber wie Kultur und Natur, wie Emotion und Verstand. Was wird überwiegen? Da sehe ich einen pensionierten Grundschullehrer neben mir, den meine Kinder liebten. Meinen Gruß erwidert er mit einem leisen Kopfnicken und einem Fingertipp an die Krempe seines speckigen Hutes. „Gut“ sagt er, „gut, dass die Kinder begriffen haben, was wir ihnen so lange verheimlichten: dass es so nicht weitergeht. Seit fünfzig Jahren machen wir doch alles kaputt: die Berge, die Natur, die Nahrung, die Märkte, den Anstand, den Zusammenhalt – ja, auch die Familien und den Frieden, den wir mühsam aufgebaut haben…“ Ich sah ihm in die müden Augen und fragte „aber warum?“ Leise sagte er „weil keiner mehr genug bekommen kann. Es geht nur noch um Geld und Macht. Anstand und Vertrauen haben verspielt. Es ist der Brutal-Kapitalismus, der alles kaputt macht.“ Da schlenderten gerade die letzten Schüler an uns vorbei. Die Straße war frei. Ohne Abschied ging er hinüber zu Edeka.

    Da stand ich nun, wo früher bei Kommunalwahlkämpfen der rote Sonnenschirm der SPD leuchtete. Gegenüber CSU und FDP mit ihren Tischchen. In einem Jahr ist es wieder so weit. Irgendwie wünscht man sich, es solle doch wieder so sein wie damals. Aber die Menschheit entwickelt sich gemäß ihrem uralten Auftrag „macht Euch die Erde untertan“. Von Vernichtung hat der Alte aus dem Universum zwar nichts gesagt.

    Lässt uns das und der Aufstand der Knirpse wirklich hoffen?

    Das fragt sich Euer Franz Bimslechner

  • Conchita ist mir wurscht

    Also ich hab‘ den Test gemacht: In drei Metzgerläden habe ich nach Conchita Wurst gefragt, aber: keine Chance. Herta-Wurst, Spreewalder- und ungarische Wurst oder Käseknacker hatten sie, nur keine Conchita. Gut dachte ich mir, man muss ja nicht alles haben! Natürlich tut diese Selbstbeschränkung weh. Wir finden uns damit ab, dass es Altersarmut im reichen Deutschland gibt, das seinen Wohlstand den PS-Stars und SUVs einer starken Autoindustrie verdankt. Zum Teil. Zum anderen Teil einer oberscharfen Waffenindustrie. Tolle Ware machen die! Fragen sie mal die Scheichs in Saudi-Arabien. Die sind die beste Werbung für Deutschlands Peng-Industrie. Was heißt da „wir finden uns ab“? Was ist schon Altersarmut im Vergleich zu Welterfolg? Pfffh. Und jammernde Rentner. Damit finden wir uns auch ab. Wir sind stolz auf unsere 195 Milliardäre, die mit ihrem Vermögen im letzten Jahr 15% Plus gemacht haben ohne zu arbeiten. Was ist das schon im Vergleich zu dem tollen Verdi-Abschluss für unsere Landesangestellten, die in den kommenden drei Jahren jeweils 2,8% mehr bekommen? Also 2023  hurra 8,4% mehr als heute. Klingt besser, gell? Und überhaupt: Wir ruinieren die Natur? Glauben Sie den frechen Schülern*innen kein Wort. Die haben doch keine Ahnung. Nur eine Vorahnung. Die Ahnung, nein: das Wissen haben wir! Wir wissen, wie man die Natur kaputt macht.

    Totalegal: ich brauche bei all dem keine Conchitawurst. Ich bin ja schon froh, dass es genug Lyoner für den Wurstsalat gibt. Und die gibt’s bei uns in Tutzing. Und eine neue Hauptstraße, weil „alles nei macht der Mai“. Nur das Jahr… also das letzte Jahr verweigerte dem Straßenbauamt zu bauen wie geplant. Das heurige Jahr wollte freundlicher sein, aber der Abwasserverband nicht. Jetzt fahren die Gemeinderäte gerade über’s Land, um sich anderswo Straßenlampen anzusehen. Da stell‘ ich mir vor, letztes Jahr wäre nach jahrelanger Vorankündigung die Straße endlich neu gebaut worden – ohne Lampen! Wie heißt der Werbespruch? „www.strassenlampen.de – so geht digitaler Einkauf heute“. Ist denn der „Hugo“ schon alle, den die Gemeinde 2012 gekauft hat, um für alle Straßenfeste der Zukunft gerüstet zu sein – was damals eine Hand voll Rechnungsprüfer des Gemeinderats einfach nicht verstehen konnten? Wo ist er, der Hugo? Gab doch gar kein Straßenfest seitdem – und wann es eins gibt, weiß immer noch keiner. Aber der Dampfersteg wird verlängert. Weil bei der letzten Sanierung vor ein paar Jahren die Jungs von der Seeschifffahrt den Plan nicht lesen konnten, der das schon damals enthalten hatte. Ja mei. Passiert ist passiert. Und so passiert ununterbrochen was, was uns letztlich wurscht sein kann. Unsere Wurschtigkeit ist gut für die Regierung im Großen wie im Ort: Die Gewählten und ihre Verwaltungen können machen, was sie wollen. Wenn sie nicht wollen, machen sie halt nix. Oder Schmarrn.

    Seh‘ ich das zu „schwarz“? Allein schon diese Frage ist pervers, findet Euer

    Franz Bimslechner

     

  • Die Bienen haben gewonnen

    Ja, knapp. Bayern hat rund 9,5 Millionen Wahlberechtigte. Aber 88,5% davon gingen nicht ins Rathaus. ihnen sind die Viecher total wurscht. „Volksbegehren Bienen“ haben sie sich gedacht? „Öha? Welches Volk? Warum Bienen?“ Ja, toll interessante Fragen einer uninteressierten gewaltigen Mehrheit. Da werben außer der CSU und Herrn Aiwanger alle Parteien für die Teilnahme am Bürgerbegehren – aber die CSU hat in Bayern offensichtlich 88,5% Anhänger, die sich nicht irre machen lassen von dem Gedöns um Insekten, die sowieso nur die Frontscheibe ihres Diesel/Benziners verschmutzen. „Bienen? Wozu? Ich kaufe Honig immer von Langnese, nie von Bienen“ ist ja auch ein schlagendes Argument.

    Auch der Bauernverband will kein Volksbegehren. Ihm reichen Subventionen der EU. Und der Handschlag von Söder bzw. Aiwanger. Aiwanger liebt Bienen, aber bitte nicht als Waffe gegen den Bauernstand. Schön, man ist von ihm nicht sehr viel Geistreiches gewohnt, also lassen wir ihn schwätzen. Der Bauernverband sieht den Bauernstand gefährdet, wenn die Bienen gewinnen. Dann müssen sie den blöden Viechern doch ein paar ungespritzte Feldränder überlassen.

    Verbände sind nicht nur in der Medizin eigentlich das letzte Mittel. Winzerverbände haben es in der Pfalz fertig gebracht, ihre sie einst gründenden Winzer in den Ruin zu treiben. Da von den Aufkäufern geschmiert, haben sie deren Preisvorstellungen bei den Winzern durchgedrückt. Bis zum bitteren Ende. Mein Weinlieferant aus Ilbesheim hat sich deswegen aufgehängt.

    Bauern wissen, wie wichtig Bienen und Schmetterlinge und all die anderen Winzlinge sind.  So ist es kein Wunder, dass der Öko-Verband Bioland in aller Offenheit dem Bauernverband vorwirft, „eine Kampagne mit gezielten Falschmeldungen gegen die Initiative zu fahren.“ Härter kann man nicht formulieren, was Fakt ist: Der Bauernverband lügt hemmungslos, um sich die Unterstützung der Saatgut- und Pestizid-Maffia zu sichern.

    CSU und Freie Wähler schauen freundlich lächelnd zu.

    Kluge Bauern wissen auch, dass mit dem von ihnen verlangten „Weiter, größer, chemischer, abhängiger, unzufriedener“ letzten Endes ihre Zukunft von der Industrie und ihrem Verband vernichtet wird. Es sind nicht die Bauern, die gegen die Natur sind, sondern die von Managern geführten Agrarbetriebe. Jeder Quadratzentimeter, der keinen Gewinn abwirft, ist wertlos. Das mag jetzt simpel klingen, aber es ist so.

    Jetzt also haben die Bienen gewonnen. Aiwanger legt die Stirn in Falten. Söder bietet einen runden Tisch an, um mit den Bienen zu sprechen. Jaja, so dumm kann nur der moderne Mensch sein. Oder ist es clever: am runden Tisch die Bewahrer unserer Zukunft über den Tisch zu ziehen?

    Honig war einmal ein Heilmittel. Heiße Milch mit Honig gab es bei Erkältung. Eine Wunde wurde wegen der entzündungshemmenden Wirkung mit Honig abgedeckt. Honig heilt Magengeschwüre. Und bei leichten Verbrennungen heilt Honig die Haut. Soll ich’s noch sagen? Selbst bei Fußpilz hilft Honig. Und dann ist der Honig-Lieferant immer noch 88,5% der Bayern offensichtlich total wurscht?

    Freunde, lasst uns auf Kunsthonig umsteigen! Pharma- und Nahrungsmittel-Industrie haben damit kein Problem.

    Bei dem Gedanken wird mir ziemlich schlecht.

    Euer Franz Bimslechner

     

     

     

  • CSU-Menschen-Verstand

    Als normaler Mensch glaubt man, der Menschenverstand entscheide über die Schritte, die wir gehen. Wir glauben, Menschenverstand hindert uns, durch ein Moor zu laufen, wenn es auch einen Weg rundummadum gibt. Wir glauben, er empfiehlt uns, mit dem Auto nicht gegen eine Mauer zu fahren, sondern darum herum. Er stellt sich vor, durch eine enge Kurve nicht besonders schnell fahren zu sollen, denn er liest die SZ und kennt die Unfälle im Würmtal. Jetzt wissen wir von unserem Verkehrsminister, dass unser Menschenverstand viel zu klein ist. Vielleicht sogar nicht vorhanden. Wir sind kleinmütig. Unser dummer Verstand sagt uns, dass wir bei weniger Geschwindigkeit weniger Sprit brauchen. Und weniger Unfälle passieren. Weniger Lärm entsteht.

    Er hat natürlich dagegen keine Argumente, denn er ist zwar Verkehrsminister in Berlin, stammt aber aus Niederbayern. Dort und in der Oberpfalz sagt der gesunde Menschenverstand seit der Erfindung des Automobils, dass eine Familie mindestens vier Kinder haben muss, weil zwei davon gewiss bei Verkehrsunfällen ums Leben kommen. Na und? Wie sagt schon die Bibel? „…und mehret Euch“. Hier nimmt man diesen Auftrag ernst! Das Kreuz hängt nicht nur im Rathaus, auch über jeder Familie.

    Auf den Autobahnen herrscht Deutschlandweit Chaos. Jeden Tag. Lastwagen brennen überall, Familien rasen in ein Stauende, ein Laster schiebt sich darüber. Millionen Stunden Stau nach Unfällen sollten die lieben Mitmenschen doch als Geschenk sehen: um zu beten, zu meditieren. Um im Ruhezustand endlich zur Ruhe zu kommen. Welch eine Chance! Merken Sie es endlich: Das ist das Wellness-Programm des Verkehrsministers.

    Manche verballhornen seinen Namen. Sie nennten ihn den be-Scheuer-ten. Das ist unfair, gibt er doch große Summen für Gutachten aus, die er dann dank umfassender Weisheit mit den Worten „das widerspricht jedem Menschenverstand“ in die Tonne tritt. Wer das genau verfolgt hat, konnte leicht erkennen: Erstens sind Gutachter alle ohne Menschenverstand. Zweitens sind alle Regierungen in Europa ohne Menschenverstand. Drittens natürlich ganz besonders das Volk der Bundesrepublik, das in seiner Mehrzahl offenbar keinen hat. Viertens die Regierung in Berlin, die sich von einem hübschen Schüler aus Passau jeden Menschenverstand absagen lässt.

    Bayern first? Mehr ist da wohl nicht drin in der Birn.  200 km/h – warum nicht? Feinstaub? Geh weida! CO2 – koano hockt euiwei hintam Aufpuff. Habts enk net so! Laptop und Lederhose? Das war mal. Hirnlos und frech – das ist das Markenzeichen der CSU in Berlin

     

  • Aufruf zur Wahl

    Jetzt ist es bald soweit: Landtagswahl in Bayern. In der Zeitung kann man sich die schönen farbigen Umfragen anschau’n und muss feststellen: das sieht für die schwarze Farbe nicht gut aus. Wir Bayern sind uns ja sicher, dass wir eine starke Hand brauchen, um uns sicher zu sein. Und dann sowas. Was ist da jetzt noch sicher? Dass eine blaue Alternative, die keiner will und überhaupt nie einer wählen wird, mehr Stimmen bekommt, als die guten alten roten Socken? Die dunkelroten Roten können sich den Wahlkampf ja laut Umfrage einfach sparen, denn an denen hängt der Makel einer Vorgeschichte wie ein nasser Mantel und zieht sie runter. Da kennen wir Bayern auch nach 29 Jahren keine Gnade. Hätte uns gerade noch gefehlt, wäre die Bayern-Wahl auf den 9. November gefallen. Gott bewahre. Aber es gibt ja eine Alternative: den 14. Oktober. Da versuchen dann Grüne, die Blauen wenigstens um einen winzigen Prozentpunkt zu überholen – aber sie werden sich trotzdem schwarz ärgern, weil niemand schwarz-grün will. Nicht einmal die Schwarzen, die nach der Wahl sehr grau aussehen werden. Optimisten erinnern an Fleisch vom Fleische: an die mit der untergehenden Sonne im Logo. Deren Boss Hubert mag schwarz nicht, aber mit grau könnte er vielleicht klarkommen. In Tutzing war es um 1974 rum eine starke CSU-Gruppe, die sich als Parteiloser Wählerblock PWB verselbständigte. CSU-Größen wie Renate Lindemann und Hubert Hupfauf gaben zwischendurch Gastspiele. Die Spitzenkandidaten Konrad Erhard und Toni Aigner brachten den damaligen Bürgermeister Dr. Alfred Leclaire alle sechs Jahre bei jeder Wahl ganz schön ins Schwitzen. Heute stellen sie unter der Regie des konvertierten einstigen Roten Reiters die aus tiefschwarzem Hause kommende 1. Bürgermeisterin. Ja, da gibt es schon Berührungspunkte…

    Und? Ja, was jetzt? Am 14.Oktober den Opa im Seniorenheim besuchen oder wählen gehen? Verzichten Sie auf die Alternative. Wählen Sie. Und gehen Sie nach der Wahl auf eine Maß und ein Paar Weißwürscht. Denn mir san mir und lassen uns unser Bayern nicht von Alternativen kaputt machen. Alles klar – hofft

    Euer Franz Bimslechner

  • Tutzing platt gemacht

    Es hilft ja nix: wir sind doch alle scharf auf Publicity! Unsere Politiker twittern, was der Vogel aushält in der Hoffnung, wir nähmen das Gezwitscher ernst. Oder geben Pressestatements. Egal zu was, Hauptsache daß! Und dann liegt da plötzlich im ganzen Oberland ein Flyer rum, der für ein MuSeenland wirbt und die Expressionisten-Museen in Bernried, Penzberg, Kochel und Murnau vorstellt. Eine tolle Sache. Tutzings Ortsmuseum wird nicht erwähnt, denn bei 3 Euro Eintritt zeigt es auch nur den vergangenen armseligen Realismus des einstigen Fischerdorfes. Auch schön, aber „na ja“ halt. Uns Tutzingern aber stinkt der Flyer trotzdem. Jedes Kaff ist auf der erklärenden Landkarte zu sehen, nur Tutzing nicht. Tutzing? Am Starnberger See? Gibt es nicht. Das wird sich bei der Wahl im Oktober aber für die CSU als zusätzliches Problem erweisen. Hatte man da doch immer so an die 60 Prozent inklusive der braunen Schläfer, die aber jetzt sowieso AfD wählen werden. Und gleich drauf die nächste saftige Ohrfeige von starker Hand für den einst von Bürgermeister Leclaire noch so genannten „Ort der Seligen“: Die Süddeutsche schreibt am 29. August 2018 über die miese Lage am Immobilienmarkt rund um unseren See. Sie zeigt Mitleid mit den Immobilien-Maklern, die wegen des ausgezuzelten Marktes nichts mehr zu schachern haben und hungern müssen, aber nicht über die in Tutzing. Denn auch die SZ führt in ihrer Horror-Preisliste Tutzing gleich mal überhaupt nicht auf. Ja wo samma denn? Ist so viel Ignoranz erlaubt, wo wir jetzt endlich doch auch wie Starnberg eine echte Bürgermeisterin haben und nicht irgendeinen Kerl? Oder ist das vielleicht das Ergebnis der bösen Unterstellung, dass an diesem ICE-Halt immer noch siebenhundert Urige den immer gleichen Tanz aufführen, für und gegen alles, ohne je zu einem Erfolg zu kommen? Und die restlichen 9286 Bürger Zuagroaste sind, die nur hier wohnen aber eigentlich nicht dazugehören? Die ihr Grundstück zwar von den „üblen Siebenhundert“ teuer verkauft bekamen, aber seither als Nutznießer gnädiger Willkür doch besser das Maul halten sollen?

    Tutzing ist out, das steht jetzt fest. Das kann dann auch eine gut gemachte Tutzinger Kulturnacht nicht wettmachen. In anderen Orten gibt es jede Nacht Kultur. Dort ist sie zuhause. Und wir? Wir sind also jetzt in No-name zuhause. Da brauchen wir auch kein Seehofhotel mehr. Und die mit ihrem Simson-Building sind bald so blutarm wie der Four-Site-Kasten daneben. Tutzing, noch als Bahnstation erwähnt, wird mehr und mehr zum Spielplatz von – nein: nicht Murmeltieren und Siebenschläfern – Investoren. Wenn sie nur endlich Kompetenz investieren würden…

    Der Winter kommt ganz gewiss!

    Euer Franz Bimslechner

     

     

  • Seehofer-Gate

    Warum hat Frau Merkel den Horsti zum Innenminister gemacht? Der seit Jahren beim Starkbieranstich am Nockherberg von der Mutter Bavaria zum Deppen gemacht wurde? War es Merkels Rache an der CSU, die wir erst langsam begreifen? Ihn in seiner Unfähigkeit weltweit vorzuführen, um ihn dann in der Versenkung verschwinden zu lassen?  Als klare Vorwarnung an den Kreuzbuben Söder?

    Die Vorwürfe gegen den Innenminister sind kaum noch zählbar. Mist im Bamf, Mist bei der Abschiebung von integrierten Flüchtlingen, alle plötzlich Mist für die Wahlen in Bayern… wobei man nicht vergessen darf, dass unser Nernberscher Würschtla Markus den Alten genau in diese Situation gebracht hat.

    Wie regelt Deutschland in Zukunft den Zuzug von Arbeitskräften aus dem Ausland? ist eine Frage, die gerade gestellt wird. Die Antwort ist eindeutig: von Industrie und Handel ausgebildete Flüchtlinge lässt er gnadenlos abschieben, erste Entwürfe für ein Einwanderungsgesetz sind immer noch nicht spruchreif, aber „Eckpunkte“ hat der Meister bereits festgelegt, und schau: jetzt plötzlich will er auch das „Fachkräftekonzept der Bundesregierung“ neu ausrichten. Gab es da je eins?

    Wie in Bayern gut bekannt: Du musst ihm nur ein neues Stichwort hinwerfen, schon ist er auch da dabei. Führungsschwäche? Altersschwäche? Wie lange wird sich das Angela noch gefallen lassen.

    Wär‘ ja dumm, wenn man sagen würde, sie merkt es nicht. Aus Führungsschwäche? Altersschwäche?

    Ach… und was ist eigentlich aus der Tutzinger Revolution geworden? Von Dobrindts Fußtruppen konservativ niedergeknüppelt?

    Ihr Franz Bimslechner

  • Da duat si wos

    August. Da duat si nix, sagen die Leit. Urlaub. Alle weg. Die Bürgermeisterin kann in Ruhe verhandeln. Mit der Bahn, weil sie für Tutzing den Bahnhof kaufen will. Mit der Münchner Grund, weil sie der goldenen Maria am See keine Eigentumswohnungen ins Kreuz stellen sollen. Blöd: die Gesprächspartner sind auch im Urlaub. Die Gespräche „laufen zäh“, stand in der Zeitung. Kein Wunder bei der Hitz! Da freut sich der Franz um so mehr, dass außerhalb von Tutzing das Leben weitergeht. Die Deutschen erkennen plötzlich, dass die sogenannten Roten auch nicht blöder als die Schwarzen sind. Deshalb werden sie in Scharen SPD-Mitglieder. Und lassen damit CDU/CSU dumm aussehen. Die will momentan keiner, denn hier hängt auch keiner gern am Kreuz. In Tutzing ist das noch nicht ausgekartet. Unsere Träger des Himmels an Fronleichnam haben gerade von einem Herrn Blume aus der CSU-Zentrale einen Maulkorb verpasst bekommen, weil sie Seehofer und Söder so gesehen haben, wie es der Menschenverstand halt kann. Nix da! Aber ob das Soziale beim aktuellen Niedergang des Christlichen in Tutzing ein Comeback feiert? Wohl kaum. Der Brunnen ist ausgetrocknet, würde der Chef von Nestle sagen. Machen sie sich den Spaß und besuchen Sie eine Veranstaltung der SPD im Tutzinger Hof. Sie werden sich danach fragen, warum das Trauerspiel nicht im Altenheim von Garatshausen stattgefunden hat.

    Im Oktober müssen wir den bayrischen Landtag wählen. Haben wir denn eine Alternative? Nein, genau die nicht. Also was dann? Doch BucusU? Die „Bayrische unchristliche unsoziale Union“? Schon wieder den schimmeligen Hubert Aiwanger? Oder diese verdammten Sozis? Vielleicht die Uschi Maxim von den bayrischen linken Linken? Man sollte vielleicht, um die Qual der Wahl zu vermeiden, erst im Oktober in Urlaub gehen.

    Doch Vorsicht: 2020 müssen wir in Tutzing schon wieder wählen. Den Gemeinderat. Wer ist würdig? Wer tritt ab? Wer kann mit 80 immer noch nicht aufhören? Wer wird der Pferdewirtin weiterhin die Steigbügel halten? Alles egal? Die jüngste Meldung aus Köln lässt das vermuten: et kütt wie et kütt.

    Na dann: gute Zukunft wünscht Ihr

    Franz Bimslechner

  • …Du Horst und Du Markus; denk daran

    Deutschland und seine Irren

    Wir reden in Tutzing noch immer nicht darüber. Wenn der Nachbar die alte Reichskriegsflagge hisst, denken wir: der spinnt halt. Aber er war ja immer ein guter Nachbar, gell. Vielleicht wäre er ein geeigneter Aufseher in Seehofers neuen Sammellagern für Flüchtlinge?

    Tutzing, Murnau und Garmisch waren nach dem Weltkrieg Rückzugs- und Sammlungsort alter Nazis. Es scheint, als hätten viele ihrer Nachkommen und manche Neu-Eingeschränkte Spaß an dem teuflischen Wirken der größten Verbrecher des letzten Jahrhunderts. Sie sympathisieren mit den hochgefährlichen Vereinfachern der Pegida und dem unausgegorenen Schwachsinn der AfD. Sie fahren zu Vorträgen von Frauke Petry nach Garmisch und sehen Deutschland als Nabel ihrer Welt. Einer Welt, die es nicht mehr gibt, die längst Teil eines großen Ganzens namens Europa ist. Das macht ihnen Angst. In ihren unentwickelten Hirnen ist Europa der Vorhof zur Hölle. Sie ziehen ihre Reichsfahnen am liebsten in ihren Schrebergärten hoch. Zwischen Schnittlauch und Kerbel. Sie grillen Barbecue-Smoker, schütten Bulli’s Eye Steakhouse BBQ Sauce über ihre gegrillten Regensburger und nennen Flüchtlinge „Asylanten“, obwohl sie oft selbst aus Flüchtlingsfamilien kommen.

    Wir leben – dank so einfallsreicher Leute wie Trump, Orban, Putin und den AfD-Nachahmern Seehofer und Söder – gerade wirklich in einer Zeit des Umbruchs. Entweder wir hissen alle wieder die Reichskriegsflagge (wollen Sie die Bestelladresse?) oder wir sagen überall und ungeschminkt unsere Meinung: Dass nur das Grundgesetz in Deutschland gilt: „Die Würde des Menschen ist unantastbar. Sie zu achten und zu schützen ist Verpflichtung aller staatlichen Gewalt.“ So muss es bleiben.

    Ihr Dummköpfe: Ihr könnt Eure Reichsflaggen verbrennen. Unser Grundgesetz ist stärker als Euer Wahn. Und Du Horst, und Du Markus: denk‘ daran, dass Du nur dank eines demokratischen Deutschlands überhaupt auf die Bühne gekommen bist, auf der Du Dich demokratisch bewähren musst. Nicht populistisch, auch wenn Dir das offenbar leichter fällt.

    Herzlichst, Euer Franz Bimslechner aus Tutzing

  • Fußball-Wimbledon-Staatszirkus

    Was für ein Sommer! Deutschland raus aus der WM, Philipp Kohlschreiber gewinnt ein bisserl – und in der SZ steht, dass die Opposition in Bayern Morgenluft wittert. Weil die csU einen für ganz Deutschland und Westeuropa brutalen, zerstörerischen saudummen Zirkus aufführt. Eine ehemalige bayerische Volkspartei, die ihre ewigen Grundlagen rigoros aufgegeben hat: im christlichen Namen sozial zu handeln.

    Also Morgenluft nach diesem schwarz-braunen Modergestank wenigstens bei der Opposition… doch bitte wo ist die? Wer glaubt, dass Hubert Aiwangers „Freie Wähler“ frei sind von dem Virus csU, irrt. Sie atmen keine Morgenluft sondern hoffen darauf, einer unwählbaren csU – aus der sie einmal selbst entstanden sind – im Oktober mit 19 Abgeordneten im Maximilianeum doch wieder zur Regierung verhelfen zu dürfen. Dürflinge sind das, aber keine Opposition. Und wer ist Daniel Föst? Kennen Sie Daniel Föst? Er ist der Boss der Bayern-FDP, vertritt 6000 Mitglieder, hat logischerweise keinen Sitz im Landtag. Die Grünen haben 18 Sitze, die SPD noch 42. Ab Oktober 30? Wo in Bayern gibt es eine Opposition, die Morgenluft wittert?

    Heute kam die Nachricht: zweitstärkste Kraft mit fast 20% Zustimmung ist die AfD in Bayern geworden. Sie und nur sie wittert Morgenluft und prognostiziert für den Oktober 20% plus.

    Ich habe mal geglaubt, dass die schwarzbraunen Nester in Tutzing, Murnau, Garmisch und anderen bayerischen Orten nach 73 Jahren irgendwann endlich ausgetrocknet sind, doch nein: Eine neue schmutzige Soße durchdringt die Gesellschaft, hofft auf Anerkennung, nutzt unsere Demokratie um sie zu zerstören. Finanziert von einem Staat, der nicht zu wissen scheint, was er da tut und sich dabei auf Gesetze beruft, die für Demokraten geschaffen wurden.

    Niemand wittert Morgenluft. Auch der vorhersehbare Absturz der csU ist keine gute Nachricht. Ja, es gibt noch eine Opposition: lesen Sie die Leserbriefe zu diesem Thema! Da verlangen CSU-Wähler sehr klar die Wiederaufnahme von C und S in das Parteiprogramm. Früher hörte die Partei auf ihre Wähler – doch heute ist sie weit davon entfernt glaubt

    Euer der Politiker inzwischen überdrüssiger

    Franz Bimslechner