Vielleicht, denke ich, hätte ich statt Hauswirtschaft lieber Wirtschaft (ohne Haus) studieren sollen. Dann würde ich vielleicht verstehen, warum VW mitten in der dank Lug und Trug selbstgemachten sogenannten „Abgas-Krise“ neuerlicher Weltmarktführer (heißt doch so, oder?) wurde, die Aktien wieder steigen und der Lügen-Vorstand nur kleine Abstriche auf seine Boni zulässt. In so einer Welt ist es doch auch wirklich egal, dass eine Autofirma am anderen Ende der Welt namens Mitsubishi seit 25 Jahren mit gefälschten Was-weiß-ich-Zahlen ihre Karren verkauft und Fiat stinkt und der Klamottenhandel unbeirrt Billig-Waren verkauft, die von Sklavinnen in Bangladesch genäht wurden. Nicht egal ist mir das Gefühl, dass die mir einst eingebimsten Werte Rücksichtnahme und Anstand, Klarheit und Offenheit in unserer Zeit nichts mehr wert sind.

Meist kann ich mit meinem Franz über sowas nicht reden. Aber gestern zuckte er mal nicht nur mit den Schultern. „Ja, so sieht es aus“, sagte er, „und das ist, glaube ich, überall so. Es zählt nur das Geld, der Gewinn. Wie Du dran kommst, zählt nicht. Ja, Erfolg durch Lug und Trug wird honoriert. Also wozu dann Ehrlichkeit? Wozu Solidarität?“ Das klang sehr traurig. Ich versuchte mich zu erinnern, wie das früher war. Ich hatte es anders in Erinnerung. Meine Oma erzählte vom „Vertrag per Handschlag“ und einem Ethos der Kaufleute. Aber vielleicht habe ich in meiner kleinen heilen Welt nur den seit langem sich entwickelnden Trend nicht gesehen. Einen Trend vom wir zum ich, von der Moral zur Gier, vom Verdienst zum Besitz. Wie erklär ich das den Kindern?

Ihre Conny Bimslechner

 

 

5 Antworten zu “Die wahren Werte”

  1. Da lehnen sich ja zwei mächtig aus dem Fenster.
    Einmal die Bimslechnerin, deren Alter leider nicht bekannt ist. Bereits seit 1980 hätte sie nämlich wissen müssen, von welch seltsamen Modellen die Betriebswirtschaft ausging und auch heute noch ausgeht. Alles Modelle, die neuerdings auf dem Boden der Realität fürchterlich zusammenkrachen (mit 400 Mrd. EU-Agrarsubventionen werden afrikanische Märkte nachhaltig kaputtgeschlagen) und viele der Betroffenen schwimmen dann durchs Mittelmeer in der Hoffnung, wir schauten nicht weg. Wir als Europa schauen aber weg, heftig und energisch.
    Und die TL lehnt sich aus dem Fenster, indem sie es zulässt, die heiligste Kuh der deutschen Wirtschaft angreifen zu lassen. Sollen doch die Kinderlein in der Schule nachfragen, nach welchen Kriterien Wirtschaft heutzutage eigentlich funktioniert. Vielleicht wissen sogar einige Eltern Bescheid. Und warum das Fach Wirtschaftsethik an Schulen und Universitäten just von den Leuten gefördert wird, die den größten Anteil an der mittlerweile amtlich anerkannten Finanzmisere haben und auch noch den größten persönlichen Nutzen daraus ziehen.
    Werte Bimslechnerin, stell Dich einfach vor den hiesigen KiK und sag jeder mit Breitreifen anfahrenden SUV-Mutter, wie viel Blut an den Klamotten klebt, die sie da so günstig erstehen möchte.
    Der Familie Bimslechner ist eine heftige Diskussion zu wünschen; so laut, dass sie durch die Fenster auf die Straße dringt. Woraufhin der Gemeinderat Tutzings gewiss sofort ein Programm für Schallschluckmaßnahmen auflegen wird.
    HF

  2. Liebe Conny,

    das möchte ich 100 %ig unterschreiben – es ist leider die Wahrheit – hierzu eine Weisheit der Cree-Indianer Nordamerikas:
    Erst wenn der letzte Baum gerodet,
    der letzte Fluss vergiftet,
    der letzte Fisch gefangen ist,
    werden die Menschen feststellen,
    dass man Geld nicht essen kann.

    Machen Sie weiter so – liebe Grüsse OLe

    1. Dakota Indianer: Reitest Du ein totes Pferd, dann steig ab!
      Sehr geehrte Frau Lechner,
      Sie fordern jene Conny auf, weiterzumachen. Womit soll sie weitermachen?
      Es ist schön, über die Tutzinger Liste zu sehen, wie die sich beinahe einen Wolf läuft, indem sie anreißt, aufreißt, mitreißt, verreißt … aber irgendwie ist der Boden, auf den die Dinge fallen, sehr schlecht beackerbar. Ein weiterführender Ansatz könnte sein, aufgegriffen dann durch die Tutzinger Liste, darauf hinzuweisen, dass weise Worte der amerikanischen Urbevölkerung die Unfähigkeit beinhalten, aus der Erfahrung zu lernen. Vor zwei Jahren wurde seitens der Bundesregierung und ihr nahestehender Lobbyisten die Verteilung eines Papiers
      http://www.bpb.de/shop/lernen/themen-und-materialien/200345/oekonomie-und-gesellschaft
      untersagt, mit dem Teile der Wurzeln heutigen Verhaltens behandelt werden sollten.
      Es wurde inzwischen genügend analysiert. So sehr auch Conny zutreffend schreibt, es fehlt die Erkenntnis, weswegen die Kräfte der Beharrung größer sind als die der Veränderung und wo diese Kräfte sitzen.
      Die von Konstanze bisher gebrachten Schnappschüsse eignen sich hervorragend, aus bisherigem Skizzieren seltsamer Zustände eine Handlung abzuleiten. Soll doch Konstanze mal zu einem Stammtisch der Kommentatoren einladen. Oder die Wehwehchen auf den Stammtisch am Markt transportieren.
      HF

      1. Sehr geehrter Herr Fulczyk,
        dabei bleibe ich: Conny B. gibt mit ihrer Betrachtung der “wahren Werte” einen wichtigen Denkanstoss, den hoffentlich viele lesen und diskutieren. Die weisen Worte der Indianer sind für mich ein Vorzeichen ihrer Resignation angesichts ihrer damaligen Zukunftsaussichten. Unfähigkeit, aus Erfahrung zu lernen, betrifft dann wohl eher nachfolgende Generationen, global gesehen, bis heute, denn Analyse und Erkenntnis allein bringen wenig, wenn daraus keine Lehren gezogen werden, bzw. kein aktives Handeln folgt. Ich hoffe, dass auch weiterhin unterschiedliche Themen bei diesem Forum angesprochen werden, damit der eine oder andere Leser seine eigene Position definiert, in diesem Sinne möchte ich zum Weitermachen animieren. Ein totes Pferd ist keine Option. OLe OLe

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