Diesel und Kommunalpolitik

Liebe Leser,

ob das Folgende nun glossengeeignet, weiß ich nicht genau. Aber lassen Sie uns das gemeinsam festlegen. Lesen wir:

Der Diesel-Skandal hat tatsächlich Vorteile, auch wenn der Dieselfahrer ziemlich knurrend den Wertverlust seiner Karre verfolgen muss. Also fährt er mehr in der Gegend herum, um den Vorteil des immer noch preiswerten Treibstoffs so zu nutzen, dass der geldwerte Vorteil durch den Diesel höher ist als der Wertverlust seiner Karre.

Jetzt aber kommt der eigentliche Vorteil, den wir in unserer Gesellschaft haben.

Die Dieselautohersteller haben Aufsichtsräte, die derartig heftig hinwegschauten und hinwegschnüffelten, dass das zwar der Opposition auffiel, nicht aber der Regierung. Deren CSU-Fokus liegt auf den Arbeitsplätzen, egal, was hergestellt wird. Und nun kommt die Vierte Gewalt ins Spiel. Nachdem Aufsichtsräte auf der gesamten Strecke versagten (wer wird schon das bemängeln, was er in seiner Funktion zuvor gutgeheißen hat?), machte sich die Presse an die Sache heran. Gleichgültig nun, wer zuerst dran war, die Staatsanwaltschaften machen derzeit das Rennen und gleichen das aus, was Aufsichtsräte, also aufsichtführende Organe, vorsätzlich versäumten. Niemand kann nämlich noch sagen, es solle keine Mauer gebaut werden.

Das ist heute Realität: Unser System funktioniert, im Zweifelsfall funktionieren die Staatsanwälte und die überregionale Presse wie ein Fehlerstromschutzschalter. Den kennt jeder, schaltet er in seiner Hütte daheim einen Verbraucher ein.

So, und was daran ist nun Glosse? Ganz einfach. Der Wähler wählt (so, wie der Aufsichtsrat seine Vorstände ernennt) und lässt die Gewählten arbeiten. Vier, fünf oder sechs Jahre später schaut der Wähler nach und beschließt, Daumen nach oben oder nach unten, nach links oder rechts. Einen mittleren Daumen gab’s selten. Mit der Kommunalpolitik ist’s wie mit dem Diesel. Dieser stinkt auch. Was hier fehlen könnte, wäre das, was wir derzeit in der Republik erleben. Staatsanwälte schauen nach, weil die Vierte Gewalt, zumindest die regionale, nicht funktioniert und das eigentliche Aufsichtsorgan, die Wähler, das gleiche tun wie ihre Vorbilder bei den Dieselautoherstellern. Sie warten ab und nutzen, wenn überhaupt – nämlich 50% – den oben erwähnten Daumen. Nachdem wir hinsichtlich schiefgewickelter Kommunalpolitik vom Wähler nix erwarten können, von der Vierten Gewalt auch nix, braucht’s nur noch einen kapitalen Fehler in der Kommunalpolitik, damit ein in Paragraphen sich Auskennender ins Geschehen einschaltet.

Hierbei fällt mir ein, dass die Unmöglichkeit, eine durch Tutzing laufende Staatstraße auf 30km/h zu beschränken, im Nachbarlandkreis (Dießen) möglich ist. Gelten im Landkreis STA andere §§ als im Nachbarlandkreis? Oder liegt’s an der politischen Willensbildung unternehmerisch denkender Gemeinderäte, gestützt durch die Verwaltung, unkontrolliert durch Presse und Wähler?

Ihr/Euer JB

Einige Gedanken zu “Diesel und Kommunalpolitik

  1. Hubertus Fulczyk

    Ein Beobachten der methodischen und fachlichen Kompetenz der Tutzinger Politikwerkstatt Rathaus mit angeschlossenem Gemeinderat lässt zwei Schlüsse zu. Das Rathaus fährt unbeirrt seinen Kurs, daher bleibt alles beim Alten; Kontinuität und Aussitzen zahlten sich schon immer aus. Nicht ohne Grund heißt die Einrichtung VERWALTUNG.
    Der unternehmerische Approach, der da mal angekündigt war, ist verschwunden, ganz einfach weg. Niemand aber weiß, ob er je da war. Weder Terminleisten noch inhaltliche Zusagen wurde je eingehalten. Neue Ideen sind mangels Wettbewerb nicht sichtbar.
    Beim Gemeinderat hingegen sieht das anders aus. Alle diese Leute haben ja einmal (oder tun es noch) in einem richtigen Beruf gearbeitet, ihn vielleicht sogar auch erlernt. Muss wohl so sein, sonst hätten sie nicht beruflich so erfolgreich Karriere gemacht. Und als Belohnung für den Bekanntheitsgrad wurden sie in den Gemeinderat gewählt. Die Frage ist nur, warum haben etliche dieser Leute an der Garderobe des Rathauses alle fachlichen und methodischen Kenntnisse abgegeben und fuhrwerken jetzt herum wie start-ups, die an die Hand genommen werden müssen?
    Die Entscheidungslandschaft ist zerklüftet; an der Hauptstraße, dem Lindemann-Areal, dem Bahnhof, der Infrastruktur und letztlich dem Dampfersteg zeigt sich, dass sogar ein Terminmanagement fehlt. Das muss aber zwangsläufig so sein, da niemand weiß, wie die Ziellandschaft eigentlich aussieht. Was z.B. der politische Wille des Gemeinderates ist. Ein Unternehmen hat Ziele. Gehen die am Kunden vorbei, freut sich der Wettbewerber. Unsere Gemeinderäte stehen in keinerlei Wettbewerb (ausgenommen beim Filibustern), die Verwaltung auch nicht.
    Also, lieber Josef B. und dessen Verwandter Franz, fordern Sie doch mal die Tutzinger Liste auf, einen Katalog zu erstellen, der all die guten und weniger guten Taten beinhaltet und fragen Sie doch mal die Tutzinger Liste, welchen Beitrag sie dazu geleistet hat, Ordnung in die kleine Tutzinger Welt zu bringen. Im Wort Tutzinger Liste ist bereits der Anspruch, mal ein Liste zu erstellen, was alles im Argen liegt und wie es zu behandeln wäre.
    Die Bimslechners lesen sich recht schön (nicht immer), aber bewegt haben sie bisher vermutlich nur die Lach- und andere Muskeln. Nicht einmal die schon lange versprochenen Schilder vor den Schulen sind aufgestellt. Man muss sich nun mit zusätzlichen Schildern beeilen, auf denen die Autofahrer darauf hingewiesen werden, in der Ferienzeit dürfe man überall durchbrettern. Hoffentlich denkt die Verwaltung daran, auch die Ferienzeit auf den Schildern deutlichst anzugeben. Obwohl lt. CSU das Studium der Schilder die Autofahrer von der wichtigen Aufgabe, aufzupassen, gefährlich ablenkt. Daher ist das CSU-Motto, “keine Sau” hielte sich daran, so richtig aus dem Leben formuliert.
    HF

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