Autor: Josef Bimslechner

  • Ortsentwicklung, aktuelles Beispiel Edeka!

    Da haben wir nun den Salat, angerichtet mit allen möglichen Zutaten, jedoch ziemlich schwer genießbar.

    Die Bewertung der Lage reicht von Marktversagen (bekanntlich regelt der Markt alles, die Politik sei ein schlechter Unternehmer!) bis hin zu, im Markt gäbe es Selbstreinigungsprozesse und ein solcher machte vor Tutzing nicht halt, ebenso wenig wie der Klimawandel mit Corona im Beipack.

    Was hat Tutzing nicht schon alles ausprobiert, dem Markt einen Streich zu spielen. Die Geschäfte in der Hallberger Allee sollten unter Naturschutz gestellt werden, indem die vor den Stadtmauern liegenden Supermärkte nur jene Produktlinien vertreiben sollen, die nicht in der Hallberger Allee angeboten werden. Die Verwaltung betrieb kurzfristig Sortiments-Politik, bis sie merkte, der Schuss ginge im Gelächter brutal nach hinten los. Auf dem Weg, sich lächerlich zu machen, kam man allerdings weit voran.

    Was ist aus der Hallbergerallee geworden? Jeder kann es besichtigen, man ist tatsächlich unterwegs Richtung  Naturschutzgebiet; eine beliebte Einkaufsmeile wurde die Allee jedenfalls nicht. Das wird wohl die Hauptstraße werden, umfassende Erholung mit Einkaufsgelegenheit. Vorteil: weitgehend bleifrei.

    Und nun der Hammer, völlig unerwartet aus heiterem Himmel. Verbunden mit mitleidvollen Abgesängen: Kaisers machte doch zu, Edeka folgte unwiderruflich.

    Tutzings Politik einschl. hiesiger Wirtschaftsverbände, bestückt mit Wirtschafts- und Marktsachverständigen, blieb eisern berechenbar. Wohlwissend um die beginnende Ausdünnung, verbunden mit absehbaren Preiskämpfen etablierter Anbieter, man hielt sich zurück. Man überließ die Regelung dem Markt. Und der sieht bald aus wie so manche Innenstadt in frz. Kleinstädten.

    Es zeichnete sich seit Jahren ab, die Gemeinde Tutzing hat ein Überangebot an Einkaufsmöglichkeiten. Wer ein Auto hat, fährt übrigens in die umliegenden Einkaufszentren und kauft dort ein, hat er auch dort die Möglichkeit für ein Schwätzchen unter Einheimischen „… ach, Sie auch hier?…“ und schon läuft das Gespräch, was in Tutzing kaum zustande käme. Denn hier versucht jeder, so schnell wie möglich die immer verstopfte und durch Verkehrsrüpelei belastete Lindemannstraße zu verlassen.

    Was ist in dem kopflastigen und total überalterten Ort Tutzing passiert? Verwaltung und Gemeinderat wissen seit über zehn Jahren, dass hiesiger Einzel- und Fachhandel, auch Dienstleister, vor massiven Strukturänderungen stehen. Es donnern mehr Hermes- und DPD-Leute durch den Ort als Einheimische mit hier gekauften Produkten im breitbereiften Kombi oder SUV. Eine Umstrukturierung in hiesiger Geschäftswelt war absehbar. Nicht absehbar war der Umstand, auch hier nicht prophylaktisch darauf reagiert zu haben.

    Zur Ortsentwicklung gehört mehr als nur ausgefeilte und den letzten m³ einbezogene Bauvorhaben. Zur Ortsentwicklung gehört auch und insbesondere, die Weichen so zu stellen, dass dieser Ort eine intakte, pulsierende Geschäftswelt hat. Es hat sich nämlich herumgesprochen, dass allein vom hier Schlafen und Segeln dieser Ort nicht leben kann. Hier pulst bald gar nichts mehr, wenn hiesige Wirtschaft sich selbst den Hahn zudreht.

    Wettbewerb belebt das Geschäft!  Das war bisher das Credo des Gemeinderats. Zumeist von Leuten gebracht, die gar nicht wissen, was Wettbewerb in voll libertärer Ausprägung überhaupt bedeutet. Wettbewerb heißt nicht nur, billigst irgendwo einzukaufen und den Planeten noch mehr zu verschmutzen. Wettbewerb heißt auch, Ideen zu haben und umzusetzen, den Ort attraktiv zu halten. Und damit er das ist, braucht der Ort ein Ortsentwicklungskonzept. Ein Konzept, welche Form des Wirtschaftens wir hier eigentlich haben wollen bis hin zur Frage, was der Ort unbedingt haben muss, um sich als attraktiver Ort behaupten zu können.

    Ausnahmsweise gehören Immobilien nicht dazu. Hier in Tutzing werden Arbeitsplätze benötigt und ein intaktes Wirtschaftsleben. Der bisherige Gemeinderat hat seine volle Kraft in Bauvorhaben gesteckt, kaum in die Frage, wie Tutzing wirtschaftlich überleben kann. Die bisherigen Bemühungen erinnern an Kopfnoten „… er bemühte sich…“, was nichts anderes heißt, er tat alles in seiner Kraft stehende, nur erreicht hat er das Ziel keineswegs.

    Unternehmerisch denken und handeln, das war seinerzeit der Slogan, Wahlen zu gewinnen. Was wurde daraus? Steigende Immobilienpreise.

    Jetzt ist der Gemeinderat gefragt, ob er nicht einmal seinen Fokus auf die wirtschaftliche Entwicklung der Gemeinde legen will. Die Frage, inwieweit energisches Staunen genügt, wenn wieder mal ein Geschäft seinen Rollladen für immer schließt, dürfte ein guter Anlass für den neuen Gemeinderat sein.

    Einen Beauftragten zu ernennen, das ist zu wenig für den kommenden Ernst der Lage. Einen Antrag zu stellen, der große Chancen hat, vordergründig aus Geldgründen abgelehnt zu werden, ebenfalls.

    Das Unternehmen TUTZING ist mehr als geschmacksgerechtes Bebauen des letzten freien Orts-Zipfels.

    Edeka dürfte ein guter Anlass sein, endlich darüber nachzudenken, wie die Zukunft aussehen muss.

    Vielleicht hatten das die Tutzinger Wähler im Sinn, als sie zum Erstaunen des halben Gemeinderats beschlossen, den Gemeinderat komplett umzubauen. Jedenfalls könnte das die Analyse des Wahlergebnisses bringen, sofern es überhaupt noch gewollt ist, das epochemachende Ergebnis zu analysieren.

    Der Gemeinderat wird daran gemessen, wann und wie er es schafft, die Zukunft Tutzings zu sichern.

    Das weiß und meint Ihr Josef Bimslechner

  • Fried-, freudvolle und die Freiheit liebende Tage vor der Wahl

    Drei Tage vor der Wahl nun doch ein Hilferuf. Ordnungsruf wäre zutreffender. Nur das zieht noch mehr Ärger auf sich, also bin ich sehr freundlich.

    Die Einigkeit unser politischen Platzhirsche und deren Gefolge zu Fragen Tutzings ist beachtlich. Vielleicht liegt es auch daran, dass in Tutzing die Bürgermeisterei bereits geregelt ist und sich aus den Wählenden heraushält. Rauhe Töne gibt es nicht, die Lage der Freundlichkeiten ist wohlausgewogen, gäbe es nicht Begriffe, die allerdings jeder mit eigenem Kontext belegt. So geistern zwei Erkenntnisse durch die Wählerschaft: Freiheit ist zu erhalten und Verbote darf es nicht geben. Als ob das ein Gegensatzpaar wäre. Es glauben halt die am jeweiligen Marktstand  Stehenden, dass das so sei. Ich meine auch die Strategen hinter dem Tisch, nicht nur die davor. Die kommen mit ihrem abgesicherten Vorurteil und wollen das bestätigt hören. Manche wissen sogar im Voraus, ihr Vorurteil käme ins Wanken, also gehen sie gar nicht zur Verbots- oder alles-ist-erlaubt-Partei. Die gehen dann auf die Straße mit Brezen oder sonstigen Goodies und glauben, sie könnten ihr Hochglanzpapier mit Kochlöffel oder sonstigen Give-aways per jahrzehntealter Hausierer-Technik an Mann oder Frau bringen.

    Damit aber sind Verbote und Nicht-Verbote, also die Freiheit im klassischen Sinne, nicht geklärt.

    In den letzten Tagen rückte durch ein Weltereignis der ach so tolle Begriff Lieferketten wie ein Komet ins Licht der betroffenen Öffentlichkeit. Möge doch endlich mal der Durchschnittsverbraucher begreifen, was er mit seiner Jagd nach den ultimativen Schnäppchen anrichtet. Die Kommunalwahl wäre eine ideale Plattform gewesen, die Aufmerksamkeit der Leute auf das zu lenken, was verboten gehört. Die Plünderung des Planeten nämlich und die Sozialstandards, mit deren systematischer Missachtung der Konsum des meisten Blödsinns erst ermöglicht wird.

    Nun reibt sich jeder die Hände, Öl wurde innerhalb von Stunden um 30% billiger, Treibstoff für Droschken und deren Kutscher wird noch billiger. Also mit Vollgas (wie’s jüngst einer auf der TL-Homepage schrieb) ins Verderben. Und nun gibt’s Vertreter in den Parteien, die den anderen Parteien vorwerfen, sie seien Verbotsparteien. Ohne tunlichst darauf zu verweisen, was eigentlich verboten werden soll, damit die Freiheit entsprechende Stimmen ziehen kann. Und die, denen unterstellt wird, sie seien eine Verbotspartei, wollen einfach nicht kapieren, wie der Freiheit geantwortet werden muss, damit sie erhalten bleiben kann. Nur halt anders als bisher. Und dafür haben wir die Stände auf Fisch- und Gemüsemarkt.

    Tutzings Jugend scheint um diese Freiheits-Verbot-Parteien und deren Exponenten einen großen Bogen zu machen. In Tutzing wurden die Auswüchse der grenzenlosen Freiheit und der so vielen Verbote in etlichen öffentlichen Veranstaltungen behandelt, nur ging die hiesige Jugend kaum dorthin.

    Um endlich die Jugend an Bord zu bekommen, mache ich einen einfachen Vorschlag. Die den bayerischen Staat tragende Partei, die mittlerweile neben der bundesweit bekannten  Anti-Verbotspartei  sich wähleranziehend deutlich gegen Verbote verwahrt, soll sich doch mal die Mühe geben, aufzuschreiben und dem Volke mitzuteilen, was alles nicht verboten ist. Und die Partei, der laufend unterstellt wird, sie täte nur über Verbote regieren wollen, muss sich endlich mal auf den Marktplatz stellen und erklären, warum welche Verbote eigentlich kommen sollen. So richtig schön anfassbar (begreifbar) für den staunenden Wähler. Für den ist nämlich die Welt in Ordnung.

    Solange das nicht passiert, bleibt‘s freundlich vorurteilsbeladen und jeder freut sich über die Friedhofsruhe, deren nächste Runde kommenden Montag eingeläutet werden könnte.

    Bis Dienstag dann

    Ihr JB

     

     

  • Ein Wort zur Wahl!

    Lange dachte ich drüber nach, ob es nicht besser sei, erst nach der Wahl das Geschehen durch die Lupe zu betrachten. Mit der Erleichterung, endlich sei es mit der in Schriftform gegossenen Beobachterei für paar Monate vorbei. Schließlich folgen den Wahlen zumeist Taten, auch wenn Gewählte und Ungewählte ungerne zur akribisch beobachteten Tat schreiten. Die Ungewählten können ja zu ihrem Vorteil im Gegensatz zu vorher sich in Leserbriefen oder Kommentaren austummeln. Deren Schicksal in Tutzing bekannt ist: Halbwertzeit 10 Minuten, in Zeitung oder Parteien-Homepage.

    Der Countdown läuft; alle Rezepte sind bekannt. Hätte ich gewusst, dass paar Tage nach Herausgabe des lokalen CSU-Kochbuchs die Rezepte der Bundesregierung für langzeitige Notfallgerichte herausgelegt werden, ein Zusammenhang zwischen der Rezeptur Tutzings und der Reste-Republik wäre herstellbar gewesen. So zeigt sich, dass Berlin und Tutzing die gleiche Idee hatten, Tutzing lediglich etwas vorher dran war und hochpreisigere Zutaten bevorzugt.  Die Zutaten sind’s, die den Wahlerfolg sicherstellen. Das Küchenpersonal wohl weniger, denn das ist nahezu das alte geblieben. Es sind also von den beiden die Gemeinde tragenden Säulen keine Überraschungen zu erwarten. Geplante satte Mehrheiten haben keinen Grund, Experimente einzugehen. Koch und Kellner bleiben; Tischordnung auch. Tischsitten auch. Never change a winning team. …winning team?

    Es lohnte sich, diesmal die Programme der neuen auf die Bühne strebenden Künstler unter die Lupe zu nehmen. Die Grünen hatten genügend Anlässe, ins vergangene und zukünftige gemeindliche Geschehen hineinzuleuchten. Schließlich werden auf dem Silbertablett die bundesdeutschen und europäischen Vorlagen geliefert. Man hat die Wahl, schön vorbereitet durch gutes überregionales Personal im Verband mit neuem guten Personal, einheimisch, unverbraucht.

    So stark die Grünen werden, sie brauchen zur Umsetzung vieler Ideen auch Partner im Geiste, nicht in der Farbe. Denn der monolithische Block Tutzings wird der gleiche bleiben. Da gibt es aber zwei Gruppierungen, die entweder neu sind oder aber zwar bekannt, jedoch zu leicht, in einer Gewichtsklasse mitzuboxen, die es gewohnt ist, mit vorprogrammierten K.o.-Siegen aus dem Ring zu steigen. Ich sah mir die Muckies an, mit denen die Neuen im Magentagewand in den Ring steigen. Gut antrainiert und jedem vermittelnd, für Punktsiege zu sorgen. In den Ring steigt auch ein mittlerweile erfahrener Sparringspartner, der sein Trainingsprogramm nicht nur beschrieben hat, er hat es auch in vielerlei Schaukämpfen erleben können, wie’s im Ring zugeht und wo überall eine Regel herumhängt, die vorher gar nicht als existent vermutet wurde. Die Bilanz bei den Kleinen muss zwangsläufig schmal ausfallen, egal, ob sie die Basis erneuerten oder sich seit 2013 erst aufbauten.

    Normalerweise laufe ich den Großen hinterher. Es muss ja schließlich was dran sein, dass sie groß wurden und das auch noch sind. Aber, und da denke ich an die erfolgreichen Unternehmensberater, wer immer nur kopiert und dabei nichts kapiert, wird immer nur eine Kopie bleiben. Es muss etwas frappierend Neues her, wollen eingefahrene Wege verlassen werden.

    Neu wäre, Tutzing ließe die Großen groß sein, täte aber gleichzeitig die Kleinen so ertüchtigen, dass diese zur Durchsetzung guter und neuer Ideen sich an den Katzentisch setzen (der große Tisch wäre belegt) und bei aller Liberalität und sonstiger Markt-Heiligtümer sich gemeinsam auf Tutzings Chancen und Risiken verständigen. Alleine der Gedanke, den erfahrenen Großen säßen plötzlich in Summe sechs Vertreter der beiden Kleinen und fünf Vertreter Herkunft Grüne Welle gegenüber, macht die Zeit bis zum 15. spannend. Danach sowieso, es wäre die Kraft der Bürgermeisterin für Alle gefragt.

    Da mag man noch so viel Tradition und Vaterlandsliebe  auf der Fahne stehen haben, klare Koalitionen und nicht Kleingruppen alleine dürften einen guten Schub für Tutzing geben.

    Wer‘s bis hierher noch nicht merkte: Aus dem Fenster lehnte ich mich als Geburtshelfer für die Kleinen, damit sie größer werden und endlich etwas bewegen können. Und das ganz schnell.

    Was sagen Sie dazu?

    Ihr JB

  • Heavy on wire (nach Josef Filser, CSU)

    Es gibt Zeitungen und Momente, zu denen mir sofort einfällt, da war doch schon mal was. Ich wurde  wieder fündig, da kam mir aber die Zeitung zuvor. Die immer kreuzbrave SZ wagte es doch tatsächlich, das Kochbuch der CSU zu bewerten. Beschreiben brauchte sie es nicht, lesen kann nämlich jeder, ob er will oder nicht, es wurde ihm ins Haus geliefert und Oma schaute gleich nach, was davon sie kennt. Opa hingegen erinnerte sich. Diese Idee, hat man keine eigenen Zutaten, bieten professionelle Werbefuzzies an. Reine win-win-Situation. Die Werbeagentur freut sich über einen arbeitsplatzrettenden Auftrag und Oma sagt sich, endlich mal etwas Verdauliches von denen, die das Ding ins Haus legten. Nun weiß jeder Haushalt, welche Köche am CSU-Brei herumrühren und was ihren Geschmack bestimmt.

    Da haben es die anderen auf dem samstäglichen Markt der Alleinstellungsmerkmale nicht so gut. Es stand zwar keiner alleine herum; die Kollegen halfen aus, damit man eben nicht im Regen (zum Glück war Sonnenschein) alleine herumsteht. Aber erst im Regen zeigt sich der wahre Zusammenhalt, die Kunst des Wettkochens, die Kunst, den Interessenten unter dem Schirm zu halten. So manch einer wird sich trotzdem denken, hoffentlich ist dieser Schmarrn endlich vorbei, dann ist wieder sechs Jahre Ruhe. Zumindest, was den Gemeinderat betrifft.

    Mit Erschrecken und doch einer gewissen Freude stellte ich fest, alle, woher sie auch kommen und wohin sie auch wollen, haben das gleiche Ziel. Im Vergleich zu Vorperioden wurde es so präzise, dass riesigen Schnittmengen entstanden. Von Mengenlehre haben viele keine Ahnung, von Schnittmengen aber reden sie unentwegt. Ohne es zu merken, das merkt nur der aufmerksame Hinhörer, der allmählich die Programme vergleicht und in der Tat Erstaunliches feststellt. Ganz neu für Tutzing sind das Miteinander im Verkehr, die Erhaltung der Natur, die Schaffung bezahlbaren Wohnraums und die Ansiedlung von noch mehr Gewerbe. Gewerbe? Hätten die Gemeindeoberen Mumm, legten sie zwei große Gemeinden zusammen. Ab 20.000 Einwohner kann nämlich ein weiteres Gewerbe, schon allein bedingt durch Größe und Lage, ausgerufen werden.

    Ach, alles wird neu. So erscheint es. Die Grünen bieten auf und werden mit Sicherheit erfolgreicher sein als der Wiener Opernball. Hoffentlich hält der Hype an und hoffentlich lässt der MP die Nadel in der Tasche und piekst weiterhin an den falschen Stellen herum. Der Reißnagel am Gesäß der Politik ist der ödp wohl verlorengegangen. Nix zu hören und zu lesen von denen.

    Ganz neu die Magentaabteilung. Obwohl die große Ernüchterung mit dem an sich hier beliebten Ostwind erst vor paar Tagen kam, hatten sie vorher schon auf alle Karten gedruckt „eine neue Generation vor Ort“. Das ist genau die vom obersten Parteistrategen vorgegebene Parole „Augen zu und durch“. Magenta, war das nicht auch die strategische Farbe der früheren alten Bundespost?

    Nun zur Tutzinger Liste. Der alte Werbespruch „Hier werden Sie geholfen“ (Ältere unter uns können sich gewiss erinnern) kommt neu zur Geltung. Die TL bittet auf ihren überschaubaren Papieren um die Stimme lieber Wähler. Würde sie doch bloß ganz einfach sagen: Hey Leute, wählt uns, wir haben noch nicht bewiesen, das nicht gehalten zu haben, was wir versprachen!

    Es ist an der Zeit, dass das Gemeinderats-Einmann-Unternehmen der TL Verstärkung erhält. Und zwar nicht durch – wie auch in Tutzing erneut üblich – Leihkräfte, sondern aus dem eigenen Saft heraus. Die Grünen surfen erfolgreich auf gesamtdeutscher Welle, über den Magenta-Leuten bricht derzeit eine Welle, durch windmachende Leichtmatrosen erzeugt, zusammen; die Freien Wähler können tun und lassen was sie wollen… Warum soll nicht auch die TL voll berechtigter Hoffnung auf Zuwachs durchs Gemeindeland ziehen? Als Schnittflächengewinnler? Wenn nämlich demnächst im neuen Gemeinderat, der aus Gründen des Erfolgs bei der CSU der alte  bleibt, Verantwortlichkeiten umverteilt werden, kann ein einzelner Rat ja gar nicht so richtig mitmachen. Es wird gemunkelt, neue Beauftragte oder Beiräte brauche das Land. Einen Kinderbeauftragten, einen Jugendbeauftragten, einen Seniorenbeauftragten, einen Behindertenbeauftragten, einen Toilettenbeauftragten, einen Schulbeauftragten. Es fehlt nur noch der Erwachsenen-Beauftragte. Vielleicht auch noch ein Verwaltungsbeauftragter in Protokollangelegenheiten. Absichtlich habe ich keinen Frauenbeauftragten genannt, der fehlt nämlich auch noch.

    Bin gespannt, was am nächsten Samstag auf dem Markt der Polit-Eitelkeiten noch alles vorgestellt wird.

    Ihr JB

  • Disruptive Kräfte sind gefragt!

    1907 begann das Zeitalter der Dampfschifffahrt. Damals unwiderruflich, das Ende der Lastensegler wurde eingeläutet. Der Siebenmaster „Thomas Lawson“ sollte mit seiner Konstruktion beweisen, einfach ein Mast mehr und noch einen Mast mehr als bisher könnte den absehbaren Erfolg der Dampfschifffahrt aufhalten. Man hat nicht verstanden, die Weiterführung einer ehemals erfolgreichen Technologie „mit Segeln über große Entfernungen“ stieß an ihre Grenzen. Die Thomas Lawson krachte bei schwerem Wetter gegen die Felsen und ging mit Mann und Maus unter. Der Weg für eine neue Form des Lastentransports war frei. Es war der Durchbruch der Dampfschifffahrt.

    Unternehmensberater durchforschen seit Jahren die Auswirkungen von Technologiewechseln. Aus den Reihen derer Kunden (das sind die Beratenen und zumeist Leidtragenden) stammt die Erkenntnis, man müsse nur einer der vielen Mc-Beratungsfirmen den Auftrag geben, mit einem Pferd schneller als bisher von A nach B zu kommen. Monatelange Studien und Benchmarks führten dann dazu, das Fell der Pferde solange zu rasieren, bis der cw-Wert einfach nicht mehr verbessert werden kann, der Gaul nur noch polierte Haut hat. Auf die Idee, vom Pferd sich zu verabschieden und das Auto zu erfinden, kämen die Berater nicht. Das wäre nämlich eine Disruption gewesen. Nur hieß das früher halt ganz einfach: Wechsel in der Betrachtung eines Problems.

    Selbst der Erfolgreichste scheitert, erkennt er nicht rechtzeitig die Notwendigkeit der Disruption. Disruption, ein nunmehr neues Wort wie Narrativ, eingeführt in den täglichen Sprachgebrauch durch unsere Politiker. Auf neudeutsch auch: Brechen alter Regeln, damit neue Regeln eingeführt werden können!

    Deutschland ächzt unter der dringendst zu beantwortenden Frage der die Freiheit massiv einschränkenden Geschwindigkeitsregeln. Hier drischt man auf einen Gaul ein, damit dieser noch mit seinen letzten Zuckungen durch die Ziellinie kommt und dem allseits hochbeliebten Verkehrsminister und dessen Münchener Steigbügelhaltern das Überleben sichert. Das Vorgehen der amtlichen Unterstützer ist vergleichbar mit dem Bemühen damaliger Segelschiffbranche, einen Siebenmaster zu bauen, damit über diesen Weg die Dampfschiff-Technologie aufgehalten wird.

    Eine Technologie verschwand vom Markt, eine neue schrieb die Regeln.

    Käme dem Volk aufs Maul schauend und Nachdenken rechtzeitig und hätte die Münchener Politikzentrale die Regel DISRUPTIV verordnet, würden die CSU-Granden derzeit nicht den Achtmaster erfinden. Sie würden sich an die Spitze einer Bewegung setzen, deren Ideen der Staatskanzlei den Wind bald völlig aus den Segeln nehmen werden. Da sind der achte oder gar neunte Mast nur noch Ballast und Anlass für Wählerwanderung: Die alle Regeln brechenden Grünen segeln voll am Wind lächelnd auf der Lee-Seite des seit Sonntag auf Kiel gelegten Achtmasters vorbei.

    Freie Fahrt für den Freien Bürger.

    Das, was nun verkündet wurde, per Straße (Internet) Stimmen für die Freiheit auf den Straßen zu sammeln, ist mutig. Es ist auch ein gutes Angebot an den Freiheitskämpfer und Schirmherrn der Tüchtigen, Leistungsbereiten und Leistungsträger der Gesellschaft (C. Lindner). Dieser beschwert sich bitter über die notorischen Klima-Schulschwänzer (Leistungsverweigerer), die höchst sträfliche Vernachlässigung weltweit anerkannten deutschen Ingenieurgeistes und viel zu hohe Steuern. Er wehrt sich vehement gegen die Umerziehung der Deutschen in Sachen automobiler Freiheit,  fleischlosem Essen und damit zu veganen Radfahrern. Er ist sogar so schlau, den Deutschen würde mittlerweile ein Morgenthauplan verordnet.

    Verbote, Zumutungen und sonstige Gängelungen stünden dem Lande bevor, meint auch der FDP zustimmend die CSU. Deutsche dürften nicht mehr an den Markt und die Leistungsfähigkeit der Technik glauben.

    Da bahnt sich nun eine interessante Allianz an, so kurz vor der Wahl. Wir werden sehen, ob da ein Achtmaster im Rathaus Platz hat oder die Disrupteure erneut zulegen. Zu gönnen wäre es ihnen. Dem Achtmaster die Erkenntnis, den Disruptiven der Erfolg. Der Welt einziger Siebenmaster zerschellte bekanntlich manövrierunfähig und öffnete damit neuen Gedanken Tür und Tor.

    Meint Ihr JB

  • Na, was wollen wir mehr?

    Das Füllhorn ist geöffnet. Alle in Richtung Rathaus Strebenden erklärten, warum sie das tun und was sie dort beabsichtigen. Was sie nicht tun werden, das dürfte dann die nächste Periode zeigen. Wie auch die letzte Periode zeigt, zu klare Aussagen haben den enormen Nachteil, dass irgendein Schlaumeier  kommt und vorzurechnen beginnt, was alles auf der Strecke blieb oder gar nicht an der Strecke aufgesammelt wurde. Vielleicht helfen auch politische Mitfahrerbänke, so wie sie jetzt ein zweites Mal als überaus neue Idee vorgeschlagen wurden. In Tutzing wird immer nur kopiert, nicht aber ein Original erfunden. Sollen doch andere Gemeinden die unternehmerischen Fehler machen! Für Risiken hat Tutzing weder Geld noch Zeit, geschweige denn Personal.

    Alle ins Rathaus Drängenden haben einen großen Vorteil. Es gibt bereits eine vor langer Zeit gewählte Bürgermeisterei, daher stehen reine Sachthemen an; die Bürgermeisterei ist nämlich unangefochten und braucht nur noch das künftige Kräftefeld mit ruhiger Hand zu moderieren.

    Eine große Partei hat ganz klare Ziele! Sie hat beschlossen, die Mehrheit im Rathaus zurückzuerlangen. Wirklich ein hehres Ziel, dem sich klare andere Ziele unterzuordnen haben. Die Strategen unter den Lesern derartiger Nachrichten werden sich aber vorsichtig fragen, weswegen der bekannte Clausewitz so eindeutig ausgelegt werden kann. Viele Unternehmensberater, Clausewitz im Gepäck, formulieren vorsichtiger. Vision oder Wunschvorstellung würden sie das nennen, was die CSU als Ziel herauslegt.

    Ziele sind nur dann welche, wenn sie messbar sind. Guter Kunstgriff, wer hat da geholfen? Strategien oder gar Taktiken, ein Ziel zu erreichen, haben im Wahlprogramm nix verloren. Das stört nur die Wähler, die immer noch glauben, eine Kommunalwahl sei eine reine Persönlichkeitswahl. Was stimmen mag, denn eine über eine längere Amtszeit erfolgreiche Person kann durchaus ohne großartige Details das Gros der Wähler für sich gewinnen. Um so etwas zutage fördern zu können, muss in Tutzing aber lange gebohrt werden. Geothermie: Heißes Wasser ist besser als heiße Luft.

    Der Klima-Hype und jede Menge dubiose Vorgehensweisen erzeugten für die Bewerberlager eine Welle, die sie jetzt reiten und auch noch für sich die Entwicklung der Welle beanspruchen. So kommen die Grünen auf die Idee, ihre Basis im Gemeinderat mindestens verdoppeln zu können. Wobei die Farbe Grün nicht immer und bei vielen realisierten Entscheidungen gar nichts mit Grün zu tun hatte. Aber, die Republik war so gut aufgestellt und Brüssel bot derart viele Breitseiten, dass Brüsseler Grüne gemeinsam mit Republiks- und Landesgrünen hervorragend abräumen konnten. Und so kann den Tutzinger Neu-Grünen in der Sprache der Segler nur gewünscht werden, mit derartigem „Wind“ lee-seitig so manchen Großseglern das Wegerecht neu zu schreiben.

    Unbeirrt von Strömungen meinen tapfere TL-Leute, frei von Wertungen nach allen Richtungen, aufgrund ihrer sechsjährigen Erfahrungen jetzt endlich mal so richtig zulangen zu können. Immerhin, liest man deren vor paar Wochen veröffentlichte und die bisherigen Papiere der Grünen, könnte man meinen, beide hätten ein Joint Venture zu Erreichung eines gemeinsamen Verständnisses gegründet. Unparteiische Kenner der Szene melden das aber nicht. Beobachtet werden konnte aber vielfach eine gemeinsame Linie, was die Bewertung des Rathaus-Geschehens angeht. In den Listen beider Gruppen sind nämlich Leute zu sehen, die bei etlichen Veranstaltungen viel Übereinstimmung signalisierten.

    Im TL-Gruppenbild fehlen einige Leute. Das Licht der Öffentlichkeit ist aber dann auf den Einzelfotos zu sehen. Interessant aber: Die nie in Quoten denkende TL übererfüllt diese, nur sieben Herren bei 13 Damen.

    Wieso von den Freien Wählern und der ödp hier nicht die Rede ist, das verstehe ich nicht. Die machen brav ihren Job und erzählen niemandem, was, für wen und warum sie eigentlich etwas tun. Liegt’s vielleicht am Aiwanger, unserem Wirtschaftsminister, zu dessen Freude die CSU alle über die Wirtschaft hinausgehenden Themen abräumt?

    Wollen wir mehr? Ja, wir sollten wollen! Wir müssen wollen!

    Die Art und Weise, wie in Tutzing Fragen behandelt, Entscheidungen vorbereitet, getroffen und diese überhaupt nicht kontrolliert werden, wäre Anlass zu erhellenden Waldspaziergängen mit den Verantwortlichen. War da nicht mal was mit unternehmerischer Führung und so?

    Alle Bewerber um die raren Gemeinderatssessel wollen das schöne Tutzing erhalten und sogar noch mehr daraus machen. Einige schreiben das deutlich in ihre Homepages, andere halten dafür lediglich ihre Gesichter hin und meinen, das sei das gleiche wie den Kopf hinhalten.

    Tutzing will  mehr! Mal sehen, was in den nun folgenden acht Wochen noch hervorgezaubert wird.

    Ihr JB

  • Tausche Umwelt gegen Wachstum!

    Make your region great again… alle Simpel laufen dem Spruch hinterher. Einige Sekretäre haben sich den Zentralismus ferner Nachbarn abgeschaut, lokale Leute machen unreflektiert mit. Will die Zentrale einer Partei einen Zuwachs an Sitzen haben, so ruft sie an und fragt, wie weit denn die Ortsvorsitzenden mit ihren Aktionen seien. Daraufhin sagen die, sie hätten just die Ziele, die die Zentrale gerne gemeldet bekommt. Und wem das nicht passt, zumeist ist’s die wahlbereite Jugend, der bekommt paar hinter die Ohren mit dem Hinweis, ausschließlich marktwirtschaftlich gesteuerte Innovationen lösten die Probleme, keinesfalls aber Verbote oder gar die Freiheit einschränkende Regelwerke. Unsere Zeitungen sind voll mit Hinweisen über die Pirouetten von Teilen unserer Politikergarde. Nahezu nichts von den großen Dingen wird angepackt, die Bäcker-Semmel jedoch erhält einen Thermopapierbeweis dafür, verkauft worden zu sein. Das ist die unverschämte Ablenkung von dreistelligen milliardenschweren Cum-Ex-Skandalen und der kleine Mann staunt über den Mut unserer Politiker.

    Die Basis hat aber eine andere Wahrnehmung; sie hält das Herumgeeiere als Beweis dafür, wie groß mittlerweile der Abstand ist zwischen den Volksvertretern und denen, die sie gewählt haben. EU-Politik und Landwirtschaftspolitik, 60 Mrd./p.a. Subventionen, sind ein Verbrechen an Landwirten, Tieren, Verbrauchern, also der Natur. 1,5% aller Erwerbstätigen arbeiten in der Landwirtschaft; die Kollateralschäden jedoch, zu denen unsere Landwirte aufgrund einer wahnwitzigen Politik gezwungen werden, betreffen 80 Mio. Verbraucher, von denen der Großteil noch nicht verstanden hat, was ihnen von der Politik untergejubelt wird. Zumeist unter der Überschrift, der Verbraucher wolle das so! Niemand, vom Hersteller bis zum Endverbraucher, darf  eine Lebensmittelvernichtung von 40% des hergestellten Volumens akzeptieren!

    Hiesige Wählerbasis erlebt mit Gänsehaut, wie mau der Rückfluss unserer Lokalpolitiker zu deren Zentralen ist. Eine tiefschwarze Regionalzentrale stänkert über das Personaltableau erneut in der großen Politik herum und benennt das anerkannt größte vom gesunden Menschenverstand getriebene Akzeptanzhindernis als Minister, dessen Leistung unentwegt hochgelobt wird. Das ist eine Ablenkung  vom eigenen Versagen. Anstatt die Straße im Sinne des Wortes als den Platz  hochgradiger themenzentrierter Unzufriedenheit zu nutzen, vorbereitet man Lichterketten, zündet Kerzen an, bekleckert sich mit deren Wachs und geht dann zufrieden nachhause. Haben all diese Leute noch nicht gemerkt, um wie viel Längen die städtische Jugend mit ihrem Protest voraus ist? Und dann kommt der permanent sich der Regierung andienende und damit die Regierung rettende liberale Oberschlaumeier mit der Erkenntnis, man solle nur Fachleuten die Klima&Umweltpolitik überlassen. Hat denn Tutzing vergessen, wie ein Harald Lesch, kürzlich mutig nach Tutzing eingeladen, die Welt beschrieb? Heute kann sehr aktuell anhand Australiens und des Abfackelns des Regenwaldes bewiesen werden, mit der Natur ist kein Verhandeln möglich. Über dreißig Jahre hinweg wurden Verhaltenseinstellungen zu Wachstumsschäden ganz einfach negiert und dann sagen diese zum Teil berufsfreien Politiker, man brauche nur den Kräften des Marktes vertrauen. Markt sind wir aber alle und vertrauen können wir nur noch der geschundenen Natur. Das hat mit Grün nichts zu tun, das hat was mit Verstand zu tun! Die Basisorganisation der Volksparteien scheint keinen Mumm mehr zu haben, Berliner und Brüsseler Personal zu bewerten.

    Einzig derzeit anerkanntes Bild in der Öffentlichkeit ist, die Regierung hätte abgewirtschaftet. Das  schludrig zusammengeklebte Klimapaketlein und der überaus arrogante Umgang mit jungen Wählern ist der beste Beweis, gefolgt von der feigen Behandlung der Cum Ex-Skandale. Wieso ist die Basis nicht in der Lage, ebenfalls endlich auf die Straße Richtung Parteizentralen zu gehen und deutlichst zu sagen, „so geht’s nicht mehr!“? Parteiräson nennt man dann das Verhalten mit der Faust in der einen Tasche und der Kerze in der anderen. Unsere Jugend schaut nur noch staunend weg, singt Oma- und Opa-Lieder, signalisiert Handlungsbedarf.

    Marktradikale Umwelt-, Klima- und Wachstumsversteher meinen, es kann zum Zusammenstoß der Titanic mit dem Eisberg gar nicht kommen. Der schmilzt nämlich derzeit weg.

    Fahren Sie zur besten Tageszeit durch die Hauptstraße und fragen Sie sich dann, wie die Ruhezonen und das einvernehmliche Nutzen der Ruhezonen durch Fußgänger, Radfahrer, Schüler-Shuttle und Lieferverkehr sich vertragen.  Wie im Kleinen so auch im Großen, es wird gesponnen, realitätsfern.

    Der Tauschprozess läuft!

    Ihr JB

  • Man kennt sich doch…

    Immer dann, wenn ich einer Zeitung die Listung der Kandidaten entnehme, frage ich mich, welchen Zusammenhang es zwischen dem umworbenen Wähler und den Kandidaten geben könnte.

    Einerseits  stellen sich alte Gesichter zur Verfügung, zumeist in der Annahme, in der Vergangenheit alles Erdenkliche zur Freude des Wählers getan zu haben. Mit alten Gesichtern meine ich natürlich die Erfahrenheit, nicht das Zählalter. Andererseits gehen rund um unseren zu verteidigenden See ganze Clans auf die Listen, damit wenigstens einer aus der Familie in die hohe Politik einsteigen kann.

    Einen derartigen Andrang hat es vermutlich selten gegeben. Selten jedoch gibt es heute mehr zu zeigen als die Einstellung, man kenne schließlich das Gesicht oder gar die Gesichterinnen, die plötzlich im Reißverschlussverfahren in die Nachmoderne eingezogen sind. Allen gemeinsam ist bisher, auf den Bekanntheitsgrad zu setzen, weniger auf Sachaussagen. Kämen nämlich Sachaussagen zur Lage der Kommunen und deren Verknüpfung in die sogenannte überregionale Politik, wäre so manchen der demnächst verteilten Flyer oder Luftballons die Luft ausgegangen.

    Es sprach sich doch glatt herum, Umweltthemen berührten Aspekte der Kommunalpolitik. Und Klimafragen in deren Komplexität seien in einzelnen Landkreisteilen angekommen; schließlich sei auch die Jugend aufgewacht und wagt es, anstatt auf segensreiche technische Innovationen zu warten, in den Protest zu gehen.

    Aber irgendetwas macht nachdenklich. Es hat mittlerweile auch der letzte Schnarchzapfen begriffen, Politik werde von der Politik gemacht, also von Politikern. Und solche sitzen ganz unten, Basis nennt man das, und die wüssten, wie das mit dem Politikmachen ginge. Nachdem also von den etablierten und vielen Politikfreunden, die hinzukommen möchten, nichts auf dem Feld Bedrohung unserer Art, Politik zu machen, zu lesen und zu hören ist, scheint‘s mit der Bedrohung nicht weit her zu sein. Hätten wir wirklich die Bedrohung vor der Haustür, dürften die, die bisher für die Abwendung der Bedrohung verantwortlich waren, gar nicht mehr antreten. Sie treten aber an, mit bekannten Gesichtern (lt. Presse: Man kennt sich doch!) und das riecht beachtlich nach dem jahrzehntealten Erfolgsrezept WEITER SO!

    Aus dem Gedanken, kritische und somit auch andersdenkende Geister an Bord zu holen, wird vermutlich erneut nichts mehr. Die Jugend, auch die ältere, permanent auf der Straße, müsste doch begriffen haben, dass ein geordneter Änderungsprozess nur über das Mitmachen in den politischen Gruppierungen möglich ist.

    So, nachdem nichts von Versuchen, die Jugend mitzunehmen, zu lesen ist, dürfte also Entwarnung geblasen werden können. Bis uns der Wind so um die Ohren pfeift, dass wir dessen Richtung nicht mehr erkennen können und das Feld den echten Windmachern wieder überlassen müssen.

    Es könnte sich als folgenschwerer Irrtum herausstellen, den durchschnittlichen IQ der Wähler auf dem gleichen Niveau zu vermuten wie dem eigenen; ihn, den Wähler, also zu unterschätzen. Bei manchen Politikern könnte die Zukunft kürzer sein als deren Vergangenheit. Eine Aufgabe, da für Klarheit zu sorgen, läge bei der Jugend. Denn deren Zukunft wird verspielt, nicht die der „weiter so-Experten“. Die haben ihre Zukunft hinter sich.

    Es liegen demnächst nahezu alle Gesichter im Briefkasten. Was sagen die eigentlich zu den drängenden Fragen? Und zwar so, dass Wahlkampfklamauk wie Reißverschlussverfahren und Ausgewogenheit in Alter und Beruf nach der Wahl gemessen werden kann.

    Ist sie eigentlich zukunftsweisend, die vorwiegend inhaltslose Vermittlung der Leistungen über Photoshop und Plakatwände?

    Bin gespannt, wie es unser Landkreis schafft, in die nächsten 12 Jahre zu schauen.

    Ihr JB

  • Nun ist sie raus, die Katze aus dem Sack!

    Ich habe mich schon darüber gewundert, wie wenig zum Wahlkampf zu lesen und zu hören ist. Es macht doch etwas her, ist ein Bürgermeister nicht am Wahltermin wählbar, weil bereits verfügbar. Jede Gruppierung hat mangels Gegner genügend Zeit und vor allem Muße, sich zur Wahl hin bemerkbar zu machen. Könnte ja sein, dass die Bundespolitik, egal ob in der Opposition oder nicht, noch einen unerwarteten Hype auslöst oder gar verstärkt. So schien man also zu warten und hat doch in gewisser Weise recht, es sind Wahlen der Köpfe und weniger der Inhalte. Gäbe es Inhalte, stünden die bereits irgendwo in einem Programm oder auf einem Papier. Was sollen die Kandidat*Innen denn reinschreiben außer dem festen Willen, den eigenen Kopf hinzuhalten?

    So Kopf-Hinhalter gibt es dieses Mal erstaunlich viele. Wofür sie allerdings stehen, schreiben sie selten hinzu, ein Bild spricht also für sich. So manch eine Idee, beim Wettbewerber schon mal entdeckt, hat nun ihre Zeit gefunden und passt in die Strategie der vielen abgebildeten freundlichen Gesichter. Den hiesigen Grünen muss gratuliert werden. Die Instrumente der EU- und überregional ausprobierten Alleinstellungsmerkmale beherrschen sie wunderbar. Im Ort können sie durch klare Ansprache, und das ist das Neue, mit erprobten neuen Gesichtern, überzeugen. Am besten durch einen Ort, an dem man sich trifft und völlig vergisst, wer den erfunden hat. Meine liebe Tutzinger Liste, die mich ab und zu dort noch schreiben lässt, hatte 2013 die Idee, ein Repair-Cafe zu installieren. Da war die TL wieder einmal viel zu früh dran, sie überließ weitblickend den Gedanken anderen politischen Zeitgenossen. Deren sicheres Gespür für Machbares ist beachtlich.

    Im Sack scheinen aber mehrere Katzen zu sein. Die ödp zaubert Heerscharen von Kandidaten hervor, nachdem ihre bisherigen Gast-Mitläufer die Fahne ein- und woanders ausrollten. Ökologie und Ökonomie, beides beginnt mit Ö und die Klammer zieht die aus dem CDU-Holz geschnitzte ödp. Mal schauen, wer von den beiden Ö&Ö-Matadoren das Rennen macht bzw. den Schwanz einziehen muss.

    Die Freien Wähler, belohnt mit einem überall präsenten und weit in die Zukunft schauenden Wirtschaftsminister, warten noch ab oder meinen, bisheriges Auftreten spreche für sich. Das wird wohl stimmen, nicht ohne Grund heißen sie „Freie“ Wähler. Die anderen sind nämlich unfrei, vom Kopf her aber bekannt und deswegen bisher ohne eigene Aussage. Beim Durchblättern der Homepages unserer den Ort tragenden Gruppierungen fiel mir auf, wie wenig vom Hocker reißende Informationen zur Wahl gegeben sind. CSU/FW vertrauen auf bisherige Leistungen und so muss ich bei der Wahl aufpassen, dass CSU/FW nicht mehr Stimmen erhalten als ins Rathaus hineinpassen. Das Ziel der CSU, die absolute Mehrheit zu erreichen, ist verständlich. Sie hat ja sehr viel nachzuholen; die Stunde das zu tun, ist gekommen.

    Was mich etwas verwundert, ist die Tatsache, wie die TL  mit der Lage umgeht. Deren Homepage zeigt, wo überall sie mitmachen muss, damit sich in Tutzing etwas rührt. Die TL in ihrer auch Minenhund-Funktion scheint sich Zeit zu lassen, um rechtzeitig zur Wahl das berühmte Karnickel aus dem Hut zu zaubern. Da bin ich aber gespannt, wer aus Tutzing auf deren Liste erscheint, nachdem viele Namen/Gesichter bereits vergeben sind. Vielleicht hat aber die TL einen Coup auf Lager. Nämlich Namen und wofür diese stehen.

    Also wird es noch einmal spannend, wenn auch die bisher nicht genannten Tutzinger Polit-Sachverständigen erklären, wofür und mit wem sie antreten. Das wäre dann nicht die Katze aus dem Sack, das wäre die Klarheit, lesbar und anfassbar. Und der Gesamt-CSU ein Dank, die Quotenfrage gelöst zu haben, indem sie ihren Mitbewerbern höchst erfolgreich dieses Feld überließ. Das nun absehbare und begrüßenswerte Erstarken der Grünen und die übervollen Listen der Kleinen zeigen, wohin hiesige Kultur der Meinungsbildung führte: In die Vielfalt, nach der Einfalt.

    Bin gespannt, welche Überraschungen noch geboten werden.

    Ihr JB

     

  • Alles regelt sich ein, mann/frau muss nur den richtigen Zeitpunkt abwarten können.

    Jüngere Verantwortliche kündigen sich an, die Kommunalwahlen helfen dabei. Da zeigten unsere politischen Würden- und Verantwortungsträger schon immer das richtige Gespür. Lasst doch die Gretas laufen, die werden sich schon noch einen Wolf laufen; lasst doch das Dreigestirn der CSU laufen; zwei davon in Berlin. Beginnen wir mit denen und enden wir mit denen, die dem Dreigestirn am meisten weh tun. Rezo brachte viel Schrecken und Unruhe rein, so wusste man bei Dreigestirns nicht, wer nun auf diesen ach so kindischen und völlig vernachlässigbaren Rezo reagieren soll. Der Konservative Revoluzzer aus Berlin, bestens verwurzelt in seiner alten Heimat, nahm doch glatt an, mit Armin könne er sofort einen wunderbaren Flop landen. Hat er auch, denn sein General pfiff ihn sofort medienwirksam zurück. Weil der General eine bessere Waffe hatte, die aber noch in der Waffenkammer schlummert. Ladehemmung? Kakophonie kündigt sich innerhalb der CSU an, einer der drei Exponenten erledigt inzwischen plötzlich das Geschäft der Grünen, der andere labert populistisches Zeug von Cozwei. Mittlerweile vermittelt er überall sein überschaubares Wissen.

    So richtig scheint Greta in Tutzing nicht angekommen; ob da wohl der Kultuspiazola seine empfehlenden Finger drin hatte? Da hat‘s hiesige CSU richtig gemacht, sie hielt still, wollte auf den Zug nicht aufspringen. Sie weiß ja immer noch nicht, wohin der Zug fährt und wer in der Lok drin sitzt. Immerhin ist das Kontrollpersonal unterwegs und stellt sicher, dass sich keiner zu weit aus dem Fenster lehnt. Ich kann mich noch gut an die Emailschilder in den Bundesbahn-Personenwagen erinnern: Aus dem Fenster lehnen verboten! Weil, wer in Fahrtrichtung schaut, der bekommt rote Augen, wird grün vor Ärger wg. lauter Dampf, der ihm die Sicht versperrt. Schaut er hingegen zurück, weiß er ja gar nicht, wohin er fährt. Also schaut er weg und darin hat er ein gerüttelt Maß an Erfahrung! „Weiter so“ lässt grüßen. Nur die Junge Union, verwandt mit der Werte-Union, die meint, ein „Weiter so“ ginge nicht.

    Da haben es  die Liberalen besser. Bei denen gibt’s nur einen voll im prallen Leben stehenden Lautsprecher und der verkündet unbeirrt durch Fakten, Klimafragen gab es schon immer und man solle intern lieb untereinander sein und dem bewährten Prinzip folgen: Verbote und Einschränkungen behinderten die Kreativität und auch die einzige Partei der Freiheit (Die Freiheit, die sie meinen… steht auch so bei Nachdenkseiten im Internet). Da regelt der Markt wieder einmal alles. Hat genau jener Markt doch der Natur gezeigt, was er alles kann.  Vor Wahlen, da regelt der Markt sowieso alles. Ladenhüter anderer Läden werden herausgeholt und im Schaufenster des eigenen Ladens als Innovation verkauft. Der Bahnhof brauche einen dritten Aufzug! Nanu, hat da jemand etwa etwas gelesen, was jeder Rollstuhlfahrer kennt? Ein ehemaliger Rollstuhlfahrer aus Grünwald meinte 2017 mal so treffend, diese Gemeindeverwaltung hier müsse doch wissen, was im Gesetz steht. Zum Klagen kam er aber nicht mehr. Müssen jetzt andere tun. Aber richtig, nicht nur meckern!

    Leistungsträger, Fleißige, Anständige und Frühaufsteher ausbremsen und nicht zum Flughafen fahren zu lassen, das wäre der Beginn aller Rückschritte und Ende der Besserverdienenden. Damit das nicht passiert, wird die einzige Partei der Freiheit (das ist deren Selbstdarstellung!) weiterhin den Mut haben, alle Gretas zu fragen, woher sie eigentlich die Expertise haben, mit der sie auf die Straße geschickt werden. Das machen die Liberalen richtig gut, die Straße mit sehr konkreten Sachfragen und dem Hinweis auf den unaufhaltsamen Techno-Fortschritt aus den Latschen zu kippen. Denn lediglich die Liberalen wissen, welche Fragen zu ihren bereits vorhandenen liberalen Antworten gehören. Über allem und Allen steht der Markt! Merkt Euch das! Und wenn der Markt das nicht hergibt, dann kucken wir halt vor den Wahlen nach, was es so alles auf dem Markt geben könnte. Ladenhüter, diesmal magenta angestrichen.

    Nachdem der Markt alles regelt, was dampft und segelt, bin ich ja gespannt, was auf dem Tutzinger Samstagsmarkt und den kleinen Infoständen mit den verkniffenen Gesichtern davor angeboten wird. Zur Regelung vitaler Fragen Tutzings natürlich.

    Von den Grünen Eigengewächsen höre und sehe ich nichts, deren Sonnenblumen strahlen lediglich aus dem Landtag heraus. Die SPD kuckt noch in ihre Geschichtsbücher, um daraus zu lernen, dass sie bisher überhaupt nichts gelernt hat. Und von der Partei, vor der das Dreigestirn die größte Angst hat, ist hier gar nichts zu sehen. Hui, das ist ein Anlass zum Nachdenken! Warum hat man Angst vor einem Gegner, der gar nicht in Erscheinung tritt? Zumindest hier im Landkreis. Erledigt man etwa bereits dessen Geschäft?

    Nun bin ich gespannt, was am Markt geregelt wird und ob die Börse dreht oder nicht. Immerhin werden auf dem Tutzinger Markt nicht nur Gewürze, Fische mit und ohne Köpfe angeboten. Es werden auch Rezepte verteilt, deren Haltbarkeit und Wirkungsbereich begrenzt ist. Man muss nur abwarten, genau hinsehen, auf die Lautsprecher und aufs Haltbarkeitsdatum achten können. Alter Käse, neu verpackt mit neuer Mindesthaltbarkeit … das können wir nicht brauchen.

    Meint Ihr JB