Also ehrlich: das Thema hat mich lange nicht interessiert. Als unsere Große kürzlich sagte, sie wolle Politikerin werden, traf mich das wie ein Schlag. Und mein Franz sagte einfach nur „sie spinnt“. Aber ich spürte, dass es ihr ernst war, zumindest in diesem Moment. „Wie stellst du dir das vor?“, hakte ich nach. „Wir waren mit der Schule in der politischen Akademie. Chef dort ist eine Frau. Es war ein Vortrag von einem berühmten Journalisten. Und moderiert hat eine Frau. Die wusste genau so viel wie der von der Zeitung. Und die Merkel ist Chefin von Deutschland und die von der Leyen ist Chefin von allen Soldaten.“ Vorsichtig hakte ich nach: „Aber Politiker sind doch in der Mehrzahl Männer, oder?“ „Ja“, sagte sie resolut, „Aber das muss sich ändern!“ „Und warum?“

Sie zögerte. Dann, mit einem Blick auf ihren Vater, der uns kopfschüttelnd zuhörte, kam es: „Weil Frauen diplomatischer sind. Die Männer sagen nur ,du spinnst´ und streiten sich. Jeder ist immer der beste. Lauter alte Besserwisser, und die reden und reden… Dabei gibt es jetzt so tolle Frauen in der Politik. Die Kraft, die Dreyer, die Julia – wie heißt sie gleich, Klöckner…langsam blieb ihr die Luft weg und ich sagte versöhnlich „na gut, dann studierst Du mal später Politikwissenschaften“. Sie nickte. Am Abend kam mein Franz überraschend auf das Thema zurück. „Ich glaube, Carolin war kürzlich in einer Gemeinderatssitzung. Streiten tun dort meist die Männer, die sechs Frauen dort sind wirklich diplomatischer, verbindlicher – naja, bis auf eine.“ Und lachend: „Die Kleine hat es doch wirklich fertiggebracht, dass ich mich jetzt langsam mit einem Matriarchat abfinden könnte.“

Was man in so einer Familie nicht alles erlebt!

Ihre Conny Bimslechner

 

2 Antworten zu “Frauen und Politik”

  1. Sollte das Beispiel “Carolin Bimslechner” an Tutzinger Schulen aufgenommen werden, könnte es sein, dass es auch für Tutzings überalterte Parteien endlich wieder Nachwuchs gibt. Da passt auch die Zusammenarbeit der Evangelischen Akademie mit dem Gymnasium gut ins Bild. Und die Politische Akademie ist gut beraten, Jugendliche weiterhin einzuladen. Es muss doch einen Weg geben, Politik mit all ihren Facetten jenen nahezubringen, die in 20 Jahren unseren Staat führen sollten. Welchen Beitrag dazu liefern eigentlich unsere Schulen?

  2. Frauen und Politik
    Respekt – eine tolle Familie – zwei kluge Frauen und ein weiser Patriarch -sicher noch keine Weisheit des Alters , deshalb umso bemerkenswerter – der “Großen” schon jetzt alle guten Wünsche für ihre künftigen Pläne. So etwas freut einen und motiviert vielleicht auch weitere Jugendliche – wir brauchen Leute mit Zukunftsperspektiven.

    OLe

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