Parkhaus für CSU-Koryphäen: das Verkehrsministerium

Seit 1982 wurde der Job des Verkehrsministers 20 Jahre von CSU-Politikern besetzt. Das Ergebnis: Marode Straßen, eine weltweit belächelte Deutsche Bahn, ein lückenhaftes, überfordertes Nahverkehrsnetz, Wirrwar im Luftverkehr – aber Visionäre aus Bayern in der Berliner Invalidenstraße. Der Straßenname spricht für sich. Diese Bayern planen die Maut für Ausländer, wollen Freiheit der Bürger auf allen Straßen, träumen von riesigen Flughäfen. Jetzt sagt der jüngste dieser Schlauis: Es gibt bessere Mittel als das Freiheits-Totschlag-Argument Geschwindigkeitsbeschränkung.

Der Regierungssprecher sagte tatsächlich, es werde keine Einschränkung der Geschwindigkeit auf deutschen Autobahnen geben. Hat er da etwa übersehen, dass nahezu 70% der freedom on German highways  geschwindigkeitsbegrenzt sind?

Meinungsvielfalt und praktizierte Freiheit werden dem staunenden Nachrichtenhörer in sein gemütliches Zuhause gesendet. Vielfach besteht das gemütliche Zuhause aber auch aus einem Kutschbock, von dem aus er viele Pferde antreiben und auch bändigen kann. Da werden sich die Grünen als Verbots- und Gängelpartei aber freuen, dass ihnen endlich der scharfe Wind, erzeugt durch bundesweit bewunderte Freiheitskämpfer, so richtig ins Gesicht bläst. Der oberste Freiheitskämpfer Lindner natürlich mit dabei.

So weit, so schlecht. Die Nation kann sich nach diesem Wochenbeginn zurücklehnen; Gefahr ein für allemal gebannt. Wieder einmal, bis die nächsten Verbotsprediger kommen. Aber bitte nicht vor der Europawahl, denn Tempofragen interessieren die Resteuropäer nicht. Die haben sie ja längst geklärt.

Deutschand kann sich jetzt dem eigentlich wichtigen Thema widmen, dem Ausbau der Autobahnen mit einer vierten Spur für die LKW aus und zu den lieben Nachbarn Schweiz und Österreich. Die immer noch nicht wissen, wo die an der Landesgrenze ankommenden Lastwagen umgeladen werden können, weil die deutschen Verkehrsminister seit 20 Jahren nicht in der Lage sind, eine Bahntrasse zum Brennertunnel zu planen und zu bauen.

Also rauf auf die Autobahn! Die endlose zum und vom Brenner oder Gotthardt kommende LKW-Kette ist nämlich genau das, was uns sämtliche CSU-Verkehrsminister bisher als ihre besondere Leistung verschwiegen: Die natürliche, aus der Freiheit heraus kommende Tempoanpassung an die jeweiligen LKW-Staus und -Unfälle. Diese geniale Lösung werden die grün-roten Verbotsfanatiker aus dem Norden aber nicht kapieren; die denken immer nur stur in runden Blechtafeln mit großen Zahlen drauf, rotgerändert. Rot, typisch Sozi!

Den Berliner Konservativen Revolutionären (eingetragene Marke) sind nämlich Niederlagen fremd, ebenso wie Einsichten. So hat unser vereidigter Verkehrsminister – immer Schaden vom Volke fernhaltend – über das coole Aushebeln der Richtlinienkompetenz den Konflikt in die Öffentlichkeit getragen und vor unserer Kanzlerin Fakten geschaffen. Die CSU versucht nach wie vor die Demontage ihrer „Freundin Angela“.

Und noch etwas macht stutzig: Der Verkehrsminister spricht von allen deutschen Autofahrern, die von ihm garantierte Freiheit auf der Straße fordern. Wer nun nicht Scheuers „gesundem Menschenverstand“ folgt, gehöre wohl nicht zu allen deutschen Autofahrern. Hat Scheuer etwa auf diesem Wege die ersten CSU-Nichtwähler als nicht ins System passend bereits denationalisieren wollen?

Blöd auch: Die Schweizer und Österreicher lassen es direkt hinter der Grenze Salzburg, Kufstein, Garmisch, Lindau und Basel so richtig kräftig krachen; häufig mit vier Nullen: eine davon am Steuer, drei auf dem Strafzettel für die gewohnte deutsche Geschwindigkeits-Überschreitung.

Selten bat ein CSU-Politiker so heftig darum, in den Mittelpunkt der Öffentlichkeit zu kommen. Wie man sieht, gelingt das heutzutage auch einem mit einem sehr, sehr seltenen Menschenverstand.

Es grüßt Ihr JB

 

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