Parteien und deren Jugendorganisationen

Wir als TUTZINGER LISTE haben gut reden. Wir sind keine Partei im klassischen Sinne, eine eingetragene Jugendorganisation haben wir auch nicht. Wir können aber über den Zaun schauen, wir müssen kraft Satzung das auch tun. Anderenfalls verschmorten wir im eigenen Saft. Was übrigens niemandem langfristig guttut.

Anlass dieses Beitrags ist ein als Machtwort zu verstehender Hinweis des Bundestagspräsidenten. Dem jetzigen Bundestagspräsidenten kann über seine gesamte Laufbahn hinweg nicht nachgesagt werden, er gehöre zu den Leuten, die unentwegt diskutierten und das zumeist dann ohne Ergebnis. Er trat in die Fußstapfen des Vorgängers, dessen Markenzeichen darin bestand, sehr schnell und einprägsam die Dinge auf den Punkt zu bringen. Jüngst nun stellte Dr. Wolfgang Schäuble in Sachen Klima fest, die Zeit für Diskussionen sei längst abgelaufen, es müsse endlich gehandelt werden.

Schäuble lobte ausdrücklich die Lehrerschaft für deren zurückhaltenden Umgang mit den Protesten der Schüler.

Das kann doch als ein klarer Hinweis an jene Leute verstanden werden, deren Herkunft und Werdegang in den Parteien so offenkundig stromlinienförmig war, dass ihre Funktionen schließlich nichts anderes hergeben konnten als das, womit die jetzige erwachsene Jugend aus FDP und CDU kräftig danebentrat. Sowohl der CDU-Generalsekretär, der Berliner CSU-Abgesandte, als auch der FDP-Gesamthäuptling maßen sich an, der Jugend nicht den Verstand zu attestieren, den sie sich selbst während ihrer berufslosen Blitzkarriere zulegten.

Was die Jugend kennzeichnet, vielleicht nicht immer in allen Zusammenhängen herausgearbeitet, ist der Umstand, es geschafft zu haben, auf die Komplexität der Themen und die lokale Wirkung hingewiesen zu haben. Der beeindruckende CDU/CSU/FDP-Vorschlag, nachmittags nach der Schule zu demonstrieren, zeigt das absolute Unverständnis und insbesondere die Arroganz jener, die nicht verstanden haben und auch nicht verstehen wollen, was hier mit der Gesamtdiskussion Klima und der Zusammenhänge hierzu ansteht.

Eine Demonstration muss betroffen machen, sie muss auch wehtun. Das hat die Jugend bisher erreicht; die jugendlichen Parteiführer jedenfalls nicht! Es ist gut, dass ein paar Tage vor der Europawahl die genannten Exponenten die Chance erhalten, einmal genau in die Lage der Nation, dargestellt und vermittelt durch die Jugend, hineinzuhorchen.

Wer der Jugend entgegentritt mit der herablassenden Bemerkung, sie müsse erst einmal wirtschaftliche Zusammenhänge und sonstige Regeln der Gesellschaft verstehen, der beweist, wie wenig er begriffen hat, wie der zumindest Europäische Globus bereits gesellschaftspolitisch ramponiert und zudem kaputtgewirtschaftet würde.

Es ist fest davon auszugehen, die berechtigte Sorge der Jugend dürfte gerade vor der EU-Wahl noch Gegenstand klarer Reden des Bundespräsidenten und einzelner Ministerpräsidenten sein.

Interessant ist auch, wie die vorwiegend nur durch Bild-Plakate sich in Erinnerung rufenden Gesichter der Parteien sich im Wahlkampf darstellen und wie sie meinen, die Jugend weiterhin behandeln zu müssen.

Schäuble hielt seine Rede allerdings nur in Osnabrück.

Sobald wir den Originaltext haben, werden wir mit Erlaubnis des Bundestagspräsidenten den Text hier auf unserer Homepage einstellen. Osnabrück gehört wie Tutzing zu Deutschland.

TL-Redaktion

Einige Gedanken zu “Parteien und deren Jugendorganisationen

  1. Hubertus Fulczyk

    Wer Autoritäten zitiert, beweist sein Gedächtnis; nicht sein Wissen! (Vincent van Gogh, ganz aktuell).
    Die Tutzinger Liste bringt nun das Kunststück fertig, beides zu tun. Absicht oder Zufall? Gute Idee, einen anerkannt kritischen CDU-Geist zu nutzen, um darauf zu verweisen, was bereits seit Monaten geschrieben wurde, aber bei etlichen Leuten in Tutzing nur zu einem müden Lächeln führte. Nicht einmal das Zitieren des alten Heiner Geissler brachte Resonanz, obwohl dieser immer sehr gerne gesehener Gast in Tutzing war.
    Auf die Jugend einzuhauen, wird neuer Sport. Diese Disziplin beherrschen Marktliberale (z.T. in der Wolle tiefschwarz gefärbt) wohl mit am besten; die Drohung mit dem Markt und dessen heilsamen Kräften funktioniert aber nicht mehr. Wirtschaft ist nicht alles und das ist nun die Hoffnung aller in Zusammenhängen Denkender, dass auch die erwähnten Lindners und Scheuers begreifen, wohin die Reise ging. Diese Leute können aber nicht aus Einsicht umkehren, denen muss dabei heftig vom Hohen Ross geholfen werden; innerparteiliche Anstrengungen dazu sind bereits sichtbar. Lindners jüngster Fehlgriff in Sachen Arbeitsplätze Automobilindustrie (Spiel mit der Angst) zeigt, wie wenig er mit seinem Glaubensgenossen Verkehrsminister die Welt verstanden hat.
    Die Tutzinger Liste hat für die EU-Wahl einen gewiss nicht zu umfangreichen Fragenkatalog aufgelegt. Es ist ihr zu wünschen, nun mit Schäubles Hilfe das zu erreichen, worüber sie seit Jahren schreibt: die Gefahr der Wasserprivatisierung, die Gefahr der totalen Privatisierung staatlicher Daseinsvorsorge, die Gefahr des überparteilichen Runterspielens der bereits sichtbaren Klimakatastrophe, die Gefahr der Durchsetzung nationaler Egoismen am Beispiel des CSU-Freundes Orban.
    Bösen Zungen, die da meinen, man mache sich zu Umweltthemen mit den Grünen gemein, muss gesagt werden, das hat mit Grün überhaupt nichts zu tun. Das hat etwas mit Verantwortung innerhalb der Gesellschaft zu tun. Es ist aber nicht Aufgabe eines Kommentators, darauf zu verweisen. Die Abgrenzung zu ideologisch geprägten Fragen ist Sache des TL-Pressesprechers.
    Vielleicht hilft ihm Tutzings Jugend dabei, sofern sie das nachmittags darf. Die EU-Wahl wäre ein willkommener Anlass. Die Kommunalwahl auch, denn deren Kandidaten kann man anfassen, über Jahre hinweg!
    HF

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