Vom Wollen, Können und sich trauen…

…so etwa beschrieb das Karl Valentin: „“Wollen hätte ich schon mögen, aber mich trauen habe ich nicht können“. Seit diesem Eingeständnis einer geistigen Seuche ist ein halbes Jahrhundert vergangen – geändert hat sich nichts. Nirgends. Auch nicht in Tutzing.

Jüngstes Beispiel: Auf Anregung des Vorstands der Tutzinger Liste bieten die Volksfestveranstalter allen Tutzinger Vereinen am Samstagnachmittag an, sich im Festzelt den Tutzingern, vor allen den Neubürgern, vorzustellen. 16 Vereine machten spontan mit, aber mehr als 50 Vereins-Vorstände trauten sich nicht. Denn die Einladung verschickte der „Tutzinger Liste e.V.“ Vielleicht dachten sie, sechs Monate nach der Wahl, das sei noch Wahlwerbung? Jedenfalls haben 80% eine Chance vergeben, denn das Bürgerinteresse war groß. CSU-Ex-Vizebürgermeister Hubert Hupfauf fand „die Veranstaltung überfällig“ und sagte dem Starnberger Merkur wörtlich: „Irgendjemand muss ja die Initiative ergreifen“. Die Initiative heißt „mitmachen statt meckern“.

Da machen sich junge Tutzinger auf, einen Sponsor für einen Beachvolley-Platz zu finden und finden ihn. Das war im Januar. Ein Platz dafür wäre da. Damals sagte ein Bürgermeister: „Das machen wir ruckzuck“. Er irrte. Denn dann begann das übliche Procedere. Die Bedenken sind groß: sollte der Platz links oder rechts mit oder ohne Zugang zum See oder überhaupt – und eventuell mit welchem Lärmpegel? Der Gemeinderat hat sich wieder mal nicht trauen können. Die Enttäuschung der Jugendlichen wird als Kollateralschaden in Kauf genommen. Aktuell spricht ein Gemeinderatsmitglied sogar davon, dass der Beachvolleyballplatz –mehr oder minder – überflüssig sei, nichts mehr als ein verpufftes Wahlversprechen.

Oder: Da staunte ganz Tutzing, dass die Bahn den Bahnhof nur einseitig „behindertengerecht“ macht, obwohl auf der so genannten anderen Seite 50% aller Tutzinger wohnen und die Hälfte der Parkplätze sind. Ein Bürger spendet vor einem Jahr spontan 100.000 Euro für einen „Aufzug Bahnhof West“. Neueste Meldung aus dem Rathaus Tutzing nach einem dreiviertel Jahr: „…die Prüfung der Möglichkeit der Erstellung einer Zugangsrampe anstelle eines Lifts ist noch nicht abgeschlossen“. Die Kinder würden sich über eine weitere Rampe am Skateplatz bestimmt freuen. Die Autofahrer ohne Parkplatz sicher nicht. Das ist weder Wollen noch Können noch sich Trauen. Es ist peinlich.

Nein, hier kein Wort zum Radweg von Traubing nach Feldafing, der 52 Jahre lang „gewollt“ und 2008 von zwei hemdsärmeligen Bürgermeistern innerhalb eines halben Jahres Realität wurde. Geht doch, wenn man sich traut.

Auch kein Wort zum Thema Seehof. Oder doch? Wer hat sich vor 22 Jahren nicht getraut und traut sich auch heute nicht?

Bitte kein böses Wort zu Tutzing als Ferienort. Ist doch schön hier! Ein graues Haus am Anfang der Traubinger Straße und ein schwarzes ein bisserl weiter oben. Schön und so tutzingerisch. Die Qualität der Hotels? Der Andechser Hof? Wo ist der Ersatz für die Hotels Seehof und Simson? Es scheint niemanden zu interessieren – oder traut sich keiner? Und auch so übel: Eine Stunde Parkzeit für Gäste der Seenschifffahrt (kürzeste Rundfahrt 2 Stunden – hihi).

Eigentlich ist das eine Glosse?? Aber zur Glosse braucht man Witz. Woher nehmen in Tutzing?

Ihr Franz Bimslechner

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