Wenn mein Franz zum Stammtisch geht, ist er schon eine halbe Stunde vorher nicht mehr er. Er verändert sich. Ich finde ihn dann aggressiver als sonst, lauter. Wie verwegen er sich den Hut aufsetzt!

Als ich ihn mal fragte, ob da auch Frauen seien, schüttelte er nur den Kopf. Also nein. Ich wagte ein „warum?“. Er schüttelte wieder den Kopf und brummt „Politik ist nix für Frauen – Punkt“. Punkt? Nicht mal ein Ausrufezeichen war ihm das wert…

Wenn er dann heim kommt, ist er meist euphorisch. Alle waren seiner Meinung, „denn so geht es nicht“. Er sei jetzt natürlich noch zu sehr im Beruf engagiert, um sich als Bürgermeister aufstellen zu lassen. Aber dem würde er es dann schon zeigen! Ausrufezeichen.

Ich überlege, was denn der Bürgermeister wohl wieder alles falsch gemacht hat oder sein Gemeinderat. Die Männer am Stammtisch wissen das, ich nicht. Mich ärgert nur, dass ich nie weiß, welcher Discounter gerade den niedrigsten Milchpreis hat oder die geilste Fläträit anbietet. Da pendelt man hin und her, vergleicht, vergisst – und dann kommt das Mittagessen zu spät auf den Tisch. Früher hatte man noch Zeit, vorher „bei Mary“ ein Glas Prosecco zu trinken.

Heute? I wo!! Was schert mich da die Politik? Ich brauche keinen Stammtisch.

Ihre Conny Bimslechner

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