Die Sonne will sich nicht zeigen, trotzdem geh’ ich mal’ raus. Mein Franz schaut Fußball, die Große singt im Kirchenchor, der Kleine ist bei einem Spezl und spielt dort Scrabble oder Rummikup. Es ist ruhig im Ort. Ich treffe Melanie, die mir erzählt, dass am letzten Samstag im Tutzinger Hof ein Faschingsball war. 50 Narren seien da gewesen. Bis 3 in der Früh’. Sie hatte es leider zu spät erfahren. Sie erzählt, dass im Roncallihaus wohl zwei, drei Vereinsbälle sind oder waren. Aha. Und Tschüss.

Mir fällt plötzlich ein, als ich so zwölf Jahre alt war, ging es im Fasching in Tutzing noch wirklich rund: drei Tage Sportlerfasching in der Turnhalle, Rot-Kreuz-Fasching, Hausfasching beim Bauerngirgl, im Andechser und im Tutzinger Hof, im Tutzinger Keller und eine Redute im Hotel Seehof, dort auch der Ball vom „Tutzinger Stern“, Weiberkranzl, Kirchenfasching, Ball der Arbeiterwohlfahrt, Privatbälle rundherum und natürlich ein zünftiger Faschingszug durchs ganze Dorf. Meine Eltern waren immer dabei, manchmal meine Schwester und ich auch.

Heute? Alles nur noch „es war einmal“. Keine Pappnasen. Nicht mal die Faschingssendungen im Fernsehen bringen Stimmung in eine Zeit, die uns gut vernetzt aber langweilig gemacht hat.  „Am Aschermittwoch ist alles vorbei“ haben wir gesungen. Heute ist in den Discos der Fasching immer vorrätig und nix vorbei.

Ich gehe heim und suche im Programmheft nach Fasching, Karneval, Fastelovend: in ARD „Tatort“, im ZDF „Rosamunde Pilcher“, BR ein „Franken-Schwank“, arte ein „Triller“, 3sat „Kabarett mit Heinz Becker“. Fasching ist nicht mehr.

Ich vermute, dass die Narren inzwischen ihren Unsinn ganz woanders machen.

Eure Conny

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