Verdammt! Das wollte ich eigentlich nicht: Ich werde konservativ. Mein Schwiegervater und sein Bruder sind politisch engagiert. Fand ich immer prima. Mein Franz zuckt da nur mit der Schulter. Er nimmt alles wie es kommt. Und kommt damit irgendwie super klar. Obwohl ich mit den Bimslechners nicht verwandt bin, hat mich das Engagement der beiden Alten doch immer bewegt. Sie sind kluge, beruflich erfolgreiche Männer mit klarem Verstand. Sie sehen die Probleme der Welt, schauen dabei aber immer auch auf ihr Tutzing. Doch: Es sind halt alte Männer. Ich dachte, ich kann mit jungen Ideen dagegenhalten. Mit Frische, Mut, Ideen… doch je mehr ich mich informiere, umschaue, diskutiere, desto mehr Hilflosigkeit verspüre ich. Denn wo in einer Welt, in der ich immer damit rechnen muss, dass selbst die Wahrheit vielleicht nur ein Fake ist – also eine Lüge – wo finde ich Halt, wenn mir schwindlig wird? Mein Urgroßvater, der zwei Weltkriege erlebte, glaubte an nichts Gutes, nur „dass 2 Pfund  Rindfleisch eine gute Suppe geben“. Und er hatte sogar irgendwann seine Meinung verloren: er hatte keine zu nix. Und Gott hielt er für eine Erfindung wie den Kasperl Larifari und bedauerte, dass es nicht so viele Marionettentheater wie Kirchen gab. Was also jetzt? Eben habe ich auf SPIEGEL online gelesen, dass sich jeder jedes Wort überlegen soll, das er spricht, schreibt, postet. Um keinen Unfug zu verbreiten. Eigene Meinung etwa, die ja auf irgendwelchen Erfahrungen und Informationen beruht – die aber gefaked sein könnten. Schon das Wort macht mich wütend. Kann denn keiner mehr ungefaked „gelogen“ sagen? Wird das Wort „Lüge“ nur noch von der AfD gebraucht, wird es sozusagen zu deren Logo?

Zum Teufel! Ich beginne Uropa zu verstehen und meinen Franz auch. Gestern feierte die Emanzenzeitschrift EMMA vergnügt ihren 40sten Geburtstag, und ICH überlege gerade niedergeschlagen, ob mein Platz vielleicht doch in der Küche ist? Kann doch wohl nicht sein oder? Meine Freundin Claudia – sie hatte gestern auch Geburtstag – sagt, sie habe diese Krise schon hinter sich. Sie bewirbt sich jetzt um einen Platz als „Bürgerkandidatin“ auf der Bundestags-Wahlliste in unserem Wahlkreis. Als einzige Unparteiische unter all den „Parteisoldaten“. Ich soll ihr meine Erststimme geben, sagt sie. Himmel noch mal: die hat vielleicht Mut! Komisch: Wenn ich an sie denke, verblasst mein Trübsinn… sie hat recht: Nicht in die Küche sondern die Zukunft mitgestalten. Ungefaked. Das kann jede/r – glaubt jetzt

Eure Conny Bimslechner

 

4 Antworten zu “Oh Welt – was jetzt?”

  1. Liebe Conny, wie schön… das wollte ich schon immer sein: ein Trübsinn-Vertreiber!!! 🙂
    Und natürlich gibt es immer welche, die sagen: Was kann die denn als Einzelne schon erreichen?
    Darauf sage ich:
    Der Einzelne an sich kann vielleicht nichts verändern, aber 1 Mio Einzelne können es!
    Ich wäre aber auch (ganz bescheiden) schon mit 100.000 Erststimmen zufrieden…! Wer mehr über mich erfahren möchte, kann sich auf http://www.bürgerkandidaten.de meine Bewerbung anschauen!

    1. Lieber Leser,
      vorstehender Kommentar zur Glosse Konstanze Bimslechner erreichte uns heute. Interessant zu lesen, was da wieder einmal ausgelöst wurde und wie aufnahmefähig und feinsandig der Boden ist, auf den das fiel.
      Nachdem wir nicht für andere politische Gruppierungen werben, deren Verständnis und Vorgehen aber sehr interessiert verfolgen, geben wir Ihnen, lieber Leser, zu Ihrer eigenen Meinungsfindung den Kommentar weiter.
      GBF

      1. Liebe Frau Ruthner,
        nennen Sie es nicht Bewerbung! Sagen Sie “Überzeugung” dazu und suchen Sie sich Gleichgesinnte. Vergangenen November hat sich die Tutzinger Liste bereits mit Ihrem Vorstoß beschäftigt und die Leser darauf hingewiesen https://www.tutzinger-liste.de/blog/gegen-die-etablierten-parteien/. Resonanz war vorhanden, sie hätte aber besser sein können. Seien wir nun Donald und seinen hiesigen Verehrern dankbar (Donald wurde bereits paar Stunden nach seiner Inthronisation vom Landesvater als hocheffizient und sehr effektiv dargestellt), denn jetzt muss erst recht auf Bodenhaftung der Bundestags- und Landtagsabgeordneten geachtet werden. Es wird zu oft übersehen, dass die großen Räder, die fern von den Kommunen gedreht werden, mit großem Zeitversatz und dann hoher Wirkung ihre Spuren auf kommunaler Ebene hinterlassen.
        Es wäre schön, demnächst in der Presse mehr über Sie und den von Ihnen eingeschlagenen Weg zu lesen. Am Wegesrand liegt genügend herum, was aufzugreifen wäre; sofern noch lebendig und nicht schon durch Pflanzengifte oder ähnliche Grundeinstellungen des Agrarindustrieministers getötet.
        Finden Sie möglichst viele Überzeugte und zu Überzeugende!
        HF

        1. Es freut mich sehr zu lesen, dass Frau Ruthner wieder so aktiv ist. Sie hat schon im Sommer 2015 mit ihrer Petition gegen Lebensmittelverschwendung großes Aufsehen erregt und der Erfolg von damals wird ihr sicherlich Rückhalt und Durchhaltevermögen geben, aktiv Zeichen gegen Gleichmut und Lethargie zu setzen. Die Chance, zum Nachdenken und Umdenken aufzufordern, sollte von uns mit Unterstützung der Tutzinger Liste genutzt werden, bevor es zu spät ist. Es ist wie mit den Wassertropfen, einer kann nur den Anstoss geben, aber schon eine Million davon können in ihrer Auswirkung nicht mehr ignoriert werden. Ich bin überzeugt, dass jeder etwas tun kann; die Beharrlichkeit, zu agieren und nicht nur zu reagieren, ist sehr beeindruckend. Ich erhoffe und wünsche weiterhin viel Erfolg O.Lechner

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