Freier Handel? Fairer Handel!

Die Herbsttagung des Politischen Clubs der Evangelischen Akademie am vergangenen Wochenende unter Leitung seines neuen Präsidenten Wolfgang Thierse befasste sich vor 160 Teilnehmern mit dem Thema Welthandel. Die Frage “Ist das fair, was als „Freihandel“ bezeichnet wird”, stand groß und ständig im Raum. Und die Antwort hieß NEIN. Die Referenten, Damen und Herren aus Politik (Brüssel und Berlin), Presse, evangelischer und katholischer Kirche, von NGOs, Wirtschaftswissenschaft, Wirtschaftsforschung, Gewerkschaft und Entwicklungspolitik waren sich darin einig, dass Welthandel bisher stets dem Erfolg der Unternehmen diente und kaum der Allgemeinheit. Im Gegenteil: Deren Ausbeutung vergrößerte den Erfolg. Die Verteilung der Gewinne geschah nie unter allen Beteiligten. Dies, so hieß es, sollte auch bei TTIP aus Sicht der Amerikaner so bleiben – was zur gewaltigen Ablehnung durch ein von NGOs (Nichtregierungsorganisationen) wachgerütteltes europäisches Volk führte. CETA dagegen sei in Zusammenarbeit mit Kanada das erste – sicher immer noch nicht perfekte – Beispiel einer neuen Herangehensweise: Erstmals wurden Fragen der Nachhaltigkeit, des Umweltschutzes und der sozialen Beteiligung der Arbeitnehmer berücksichtigt und Verbesserungen bei den Schiedsgerichten eingeführt (die Modifikationen bei den Schiedsgerichten bei Handelsstreitigkeiten werden bekanntlich noch überprüft). Deshalb habe Wirtschaftminister Sigmar Gabriel auch sein Plazet zur Unterschrift unter den Vertrag gegeben. Gabriel, der am Samstag über „Gerechte Globalisierung“ referieren wollte, musste wegen einer schweren Erkältung absagen. Akademiedirektor Udo Hahn entschuldigte ihn mit den Worten „…er hat leider keine Stimme mehr.“ Viele Teilnehmer schmunzelten.

Die Tagungen der Evangelischen Akademie befeuern seit 70 Jahren die Diskussion in Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Kultur. Immer schon war „unser Schloss“ offen für Interessierte aus Tutzing. Diesmal waren es 4 (vier).

Vom 3. – 5.2.2017 steht das Thema „Weltwirtschaft nach Brexit und US-Wahl“ auf der Agenda. Info hier.

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