Heavy on wire (nach Josef Filser, CSU)

Es gibt Zeitungen und Momente, zu denen mir sofort einfällt, da war doch schon mal was. Ich wurde  wieder fündig, da kam mir aber die Zeitung zuvor. Die immer kreuzbrave SZ wagte es doch tatsächlich, das Kochbuch der CSU zu bewerten. Beschreiben brauchte sie es nicht, lesen kann nämlich jeder, ob er will oder nicht, es wurde ihm ins Haus geliefert und Oma schaute gleich nach, was davon sie kennt. Opa hingegen erinnerte sich. Diese Idee, hat man keine eigenen Zutaten, bieten professionelle Werbefuzzies an. Reine win-win-Situation. Die Werbeagentur freut sich über einen arbeitsplatzrettenden Auftrag und Oma sagt sich, endlich mal etwas Verdauliches von denen, die das Ding ins Haus legten. Nun weiß jeder Haushalt, welche Köche am CSU-Brei herumrühren und was ihren Geschmack bestimmt.

Da haben es die anderen auf dem samstäglichen Markt der Alleinstellungsmerkmale nicht so gut. Es stand zwar keiner alleine herum; die Kollegen halfen aus, damit man eben nicht im Regen (zum Glück war Sonnenschein) alleine herumsteht. Aber erst im Regen zeigt sich der wahre Zusammenhalt, die Kunst des Wettkochens, die Kunst, den Interessenten unter dem Schirm zu halten. So manch einer wird sich trotzdem denken, hoffentlich ist dieser Schmarrn endlich vorbei, dann ist wieder sechs Jahre Ruhe. Zumindest, was den Gemeinderat betrifft.

Mit Erschrecken und doch einer gewissen Freude stellte ich fest, alle, woher sie auch kommen und wohin sie auch wollen, haben das gleiche Ziel. Im Vergleich zu Vorperioden wurde es so präzise, dass riesigen Schnittmengen entstanden. Von Mengenlehre haben viele keine Ahnung, von Schnittmengen aber reden sie unentwegt. Ohne es zu merken, das merkt nur der aufmerksame Hinhörer, der allmählich die Programme vergleicht und in der Tat Erstaunliches feststellt. Ganz neu für Tutzing sind das Miteinander im Verkehr, die Erhaltung der Natur, die Schaffung bezahlbaren Wohnraums und die Ansiedlung von noch mehr Gewerbe. Gewerbe? Hätten die Gemeindeoberen Mumm, legten sie zwei große Gemeinden zusammen. Ab 20.000 Einwohner kann nämlich ein weiteres Gewerbe, schon allein bedingt durch Größe und Lage, ausgerufen werden.

Ach, alles wird neu. So erscheint es. Die Grünen bieten auf und werden mit Sicherheit erfolgreicher sein als der Wiener Opernball. Hoffentlich hält der Hype an und hoffentlich lässt der MP die Nadel in der Tasche und piekst weiterhin an den falschen Stellen herum. Der Reißnagel am Gesäß der Politik ist der ödp wohl verlorengegangen. Nix zu hören und zu lesen von denen.

Ganz neu die Magentaabteilung. Obwohl die große Ernüchterung mit dem an sich hier beliebten Ostwind erst vor paar Tagen kam, hatten sie vorher schon auf alle Karten gedruckt „eine neue Generation vor Ort“. Das ist genau die vom obersten Parteistrategen vorgegebene Parole „Augen zu und durch“. Magenta, war das nicht auch die strategische Farbe der früheren alten Bundespost?

Nun zur Tutzinger Liste. Der alte Werbespruch „Hier werden Sie geholfen“ (Ältere unter uns können sich gewiss erinnern) kommt neu zur Geltung. Die TL bittet auf ihren überschaubaren Papieren um die Stimme lieber Wähler. Würde sie doch bloß ganz einfach sagen: Hey Leute, wählt uns, wir haben noch nicht bewiesen, das nicht gehalten zu haben, was wir versprachen!

Es ist an der Zeit, dass das Gemeinderats-Einmann-Unternehmen der TL Verstärkung erhält. Und zwar nicht durch – wie auch in Tutzing erneut üblich – Leihkräfte, sondern aus dem eigenen Saft heraus. Die Grünen surfen erfolgreich auf gesamtdeutscher Welle, über den Magenta-Leuten bricht derzeit eine Welle, durch windmachende Leichtmatrosen erzeugt, zusammen; die Freien Wähler können tun und lassen was sie wollen… Warum soll nicht auch die TL voll berechtigter Hoffnung auf Zuwachs durchs Gemeindeland ziehen? Als Schnittflächengewinnler? Wenn nämlich demnächst im neuen Gemeinderat, der aus Gründen des Erfolgs bei der CSU der alte  bleibt, Verantwortlichkeiten umverteilt werden, kann ein einzelner Rat ja gar nicht so richtig mitmachen. Es wird gemunkelt, neue Beauftragte oder Beiräte brauche das Land. Einen Kinderbeauftragten, einen Jugendbeauftragten, einen Seniorenbeauftragten, einen Behindertenbeauftragten, einen Toilettenbeauftragten, einen Schulbeauftragten. Es fehlt nur noch der Erwachsenen-Beauftragte. Vielleicht auch noch ein Verwaltungsbeauftragter in Protokollangelegenheiten. Absichtlich habe ich keinen Frauenbeauftragten genannt, der fehlt nämlich auch noch.

Bin gespannt, was am nächsten Samstag auf dem Markt der Polit-Eitelkeiten noch alles vorgestellt wird.

Ihr JB

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