Man kann das nachlesen: 21.800 Euro Hundesteuer wird Tutzing heuer kassieren. Von rund 470 Hundehaltern für 509 „Nichtkampfhunde“. Warum? Keiner weiß das. Oder doch? Da jeder Hund in der Gemeinde meldepflichtig ist, diesen Behördenakt aber aus natürlichen Gründen nicht selbst vollziehen kann, müssen Frau-chen/Herr-chen im Rathaus sozusagen die Passformalitäten erledigen. Dafür bekommen sie – in Tutzing erstaunlicher Weise kostenlos! – eine Hundemarke, am Halsband zu tragen. Und danach wird – anders als in fast allen europäischen und deutschen Ländern – die Hundesteuer fällig, bis das Tierchen nach 12 Jahren den letzten Atemzug macht. Rund 480 Euro pro Leben.

Gegenleistung? Davon steht nichts in der Satzung. Kein Sarg, kein Hundefriedhof. Die Tierärztin bestätigt, dass die Gemeinde auch keine Kosten für den Ersatz der am Briefträger ausgebissenen Zähne zahlt. Selbst wenn Tutzinger Psychopathen giftige Fleischpflanzerl auslegen, ist das dann Folgende nicht durch die Hundesteuer gedeckt, die Verfolgung der Straftäter auch nicht. Klar: Steuer ist nicht Versicherung. Also? Nein, die von der Gemeinde vor 70 Jahren aufgestellten und nie beachteten Schilder „Hunde an die Leine“ werden nicht jährlich renoviert. Aber Hundekot-Tüten werden kostenlos zur Verfügung gestellt – weil sich Tutzinger Hundehalter diese in der Regel selbst nicht leisten können? Oder nur als Anregung, den Scheiß des Lieblings doch vor fremden Fußtritten zu bewahren? Komisch ist das schon. Und sonst? Die Hundekot-Entsorgung erfolgt in den Parks im Rahmen von Mähaktionen, wo uns dann der Duft von frischem Heu, Blumen und Hundekot-Verwirbelung  köstlich durch die Nase zieht; auf den Gehwegen durch gelegentliche Regenfälle. Nicht durch die Gemeinde mit ihren 21 800 Euro Jahres-Hundesteuer. Und nur zu einem matten Drittel durch die Hundebesitzer. Sagt mir ein Freund, dass sein Struppi nicht nur immer dorthin pinkelt, wo vorher ein anderer seine Marke setzte, sondern auch immer dahin häufelt, wo andere auch. Weshalb er immer größere (als die gemeindlich verabreichten) Tüten in der Tasche hat, um gleich drei oder vier Ergebnisse einer fachärztlich begleiteten gesunden Verdauung unserer Lieblinge zu beseitigen. Toll. Ich finde, ihm stünde nicht nur ein Finderlohn zu, sondern auch ordnungspolitisches Salär. Ich denke, wir haben dafür ja die Hundesteuer, oder?

Persönlich, sozusagen als Hund, halte ich es für diskriminierend, dass Katzen keiner Steuer unterliegen und in Tutzing sogar zum Buddeln in die Friedhöfe dürfen. Ohne Leine, ohne Begleitung. Diskriminiert und der Freiheit beraubt, außerdem beschimpft wegen der Hinterlassenschaft… das Hunde-Elend rührt mich an. Die Rücksichtslosigkeit vieler Hundebesitzer regt mich auf.

Ihr

Franz Bimslechner sen.

2 Antworten zu “Hunde-Elend”

  1. Think positive!
    Das schon immer vielsprachige Tutzing scheint bei manchen Dingen irgendwie sprachlos zu sein. Es gehört in der Tat viel Mut dazu, einem Hundehalter bei der Durchführung seines Geschäftsmodells den Hinweis zu geben, sich doch um die Hinterlassenschaft desjenigen zu kümmern, der den anderen Teil an der Leine hat. Wobei man sich manchmal fragen muss, wer an der Leine der Intelligentere ist.
    Der Umgang mit Hundehaltern und Katzenfreaks (wobei Katzen viel sauberer sind, die gehen nicht in den eigenen Garten) ist aber interessant. Hundehalter leben in einer eigenen Welt. Es lohnt sich, sie anzusprechen, die Halter, und schon kann man ins Gespräch kommen und sich beim nächsten Mal sogar grüßen. Und über den gemeinsamen Feind sprechen, den Plastiktüten-, Bierdosen- und Eisbecher-Wegwerfer. Wird auch der mal angesprochen, wird der Zufalls-Bekanntenkreis immer größer. Halb Tutzing wird sich an der Seepromenade grüßen und nur noch gemeinsam über das geplante Boutique-Hotel sprechen.
    Und, wer hat das ermöglicht? Der Haushund!
    HF

  2. Las ich doch in der Zeitung, dass die “Kommunale Verkehrsaufsicht” den angeschlossenen Gemeinden neue Dienstleistungen anbietet. Steuereintreibung und so. Wie wär’s, wenn das für die Parküberwachung ausgebildete (?) Personal auch ein Auge auf Müllsünder und auf jene Mitbürger werfen würde, die ihren Hund zum Koten aus dem eigenen Garten in die gemeindlichen Parks führen? Eine Strafzettelmaschine haben sie ja schon in der Hand. Samt Kamera für den Beweis der Übeltat. HH

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