Josef Bimslechner: Tutzinger Strategen

Wer in der Infanteriegefechtsausbildung aufpasste, brav seinen Clausewitz las und sogar verstand, der kann jetzt beobachten, was doch die Strategen so im Laufe der Zeit vergaßen oder gar sich merkten. Es war früher üblich, die Truppen nach zugeordneten Farben in Stellung gehen zu lassen und die Sandkastenspiele entsprechend zu betreiben. Einige Schlaumeier haben sich für Notfälle sogar den Sun-Tsu ins Marschgepäck gelegt.

Sun Tsu:
Die ganze Kriegskunst basiert auf List und Tücke.
Mit viel Planung kann man siegen, mit wenig kann man es nicht!

So manch einer wird sich aber erinnern können, dass es auch ein kleines Heftchen mit der Überschrift “Psychologische Kampfführung“  gab. Bevor Feldafing ganz seine Pforten schließt, sollte dort noch einmal nachgefragt werden, ob damaliger Stand der Lehre tatsächlich noch zu heutigen Gegebenheiten passt.

Die Lage ist paar Tage vor gemeinsamem Winken mit den jeweils weißen Fahnen ziemlich klar. “Das haben wir doch gar nicht so gemeint … das sind doch nur Missverständnisse … vertragen wir uns doch wieder … außerdem war das ein gesunder Streit und keine Zankerei“.

Die Schwarzen griffen bisher ausdrücklich den farblosen, aber doch Halbgrünen nicht an. Sie gaben ihm sogar Feuerschutz, damit er unbeeindruckt von seinem tatsächlichen Können und Geschick gegen den abtrünnigen ehemals Schwarzen erfolgreich zu Felde ziehen kann. Farblose Freiheitskämpfer und dunkelfarbige Bürgerwehr nutzten die Stunde zum gemeinsamen Angriff auf den eigentlichen bislang erfolgreich das Gelände Verteidigenden, damit dieser die erste Schlacht bombastisch verlieren muss, indem er kräftige Geländeverluste hinzunehmen hat.

Die strategische Option der Schwarzen könnte aufgehen. Glauben sie zumindest, ist ja auch am Sandkasten so besprochen worden.

Die Bündnistruppen (also die Grünen, Bürgerwehr, Freischärler und Dunkel-Farblosen) werden den Haupt-Gegner auf dem Feld so angeschlagen haben, dass die Schwarzen glauben, nun leichtes Spiel haben zu können. Einen kraftlosen zweiten Sieger, dem ebenfalls paar Schulterstücke abgeschnitten wurden, kann man dann rigoros mit vollen Rohren meuchelnd zurück in die Deckung zwingen.

Jeanne d’Arc zieht mit wehender Fahne ein. Hofft und glaubt sie, denn die Kräfte ihrer eigenen Truppen sind unverbraucht. Die sinnlose Metzelei ist also wunderbar delegiert worden. Man ließ den eigentlichen Gegner für sich bluten.
Der nächste Schritt könnte ein Drohnenkrieg sein, aber davon steht nichts im Clausewitz. Gibt’s also nicht.

1914 ist zwar lange her, aber was sind schon hundert Jahre?
Oberstleutnant Sanftleben (auch bekannt als Georg Schramm, Anstalt) würde sagen: War doch nur ein kleiner Casino-Scherz.

Hey Leute, es macht mich betroffen, was hier in den Köpfen abzugehen scheint.

Ihr Josef Bimslechner

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