Schlagwort: Josef Bimslechner

  • Tutzing? Hahaha.

    Schön bei uns, gell. Und immer perlend lustig. Früher war Feldafing die „Perle am See“, heute sind wir das. Eigentlich waren wir’s immer, nur die Feldafinger haben es nicht gewusst. Zu weit weg. Die haben zwar „Jazz am See“ und heuer 900-Jahrfeier (herzlichen Glückwunsch!) wir aber sind schon über 1250 Jahre alt und haben mindestens 20 klassische Konzerte im Jahr. Ätsch. Da kann man leicht lustig sein und ein bisserl über die grünen meterhohen Mauern um die Villen unserer paar Reichen lästern. Ja, Spaß muss sein!

    Die Zeitungen finden das auch. Sie berichten gern über das ungewöhnlich lustige Tutzing. Um den zehnten Juli rum besonders: Da nennt die SZ unter dem Kürzel SBH unseren CSU-Vordenker Thomas von Mitschke-Collande einen GRÜNEN, nur weil er bemängelt, dass das böse Kraut Knöterich auf Kosten der Mieter des Betreuten Wohnen bekämpft werden soll. Und die letzte SPD-Bastion im Ort, Renate Geiger, wird im gleichen Artikel zur CSU-Kämpferin, die den Knöterich „kritisiert“. Folgenlos natürlich. Des Starnberger Merkurs witzigster Reporter Thomas Lochte schreibt derweil über Tutzings CSU.

    Die sich in Härings-Biergarten mit der Traubinger Blasmusik an verlorene Wähler anschleicht (die aber lieber Bier trinken und Steckerlfisch essen) und sich von der Landtagsabgeordneten Ute Eiling-Hütig per Mikrofon vorlesen lässt, was gestern in der Zeitung stand. Altmeister und ewiger 2. CSU-Bürgermeister Hubert Hupfauf schlägt dabei die Hände über dem Kopf zusammen. Wer denkt, er hätte geklatscht, irrt. Derweil nörgelt SZ’s MANU, dass am – Tutzing ja nun wirklich gemäßem – ICE-Bahnhof seit 7 Monaten ein Schild langsam vergilbend an der Toilette  hängt: „Bis auf weiteres geschlossen. Ihr DB-Regio“.

    Tja, lustig, gell. Tutzing hat’s eben. Schön doch auch, dass hier ein Sozial-Verband mit gemeindlicher Unterstützung ein Haus bauen darf, Miete bekommt, und wenn in seinem Garten plötzlich Knöterich wächst, die Gemeinde als Auch-Mieter gleich sagt: ja, wir beteiligen uns gern mit 107 Euro an den Kosten der Beseitigung. Scheißegal, ob sich das die dazu gezwungenen Bewohner dieser „Sozialeinrichtung“ auch leisten können. Begründung: “Die Mieter einzubeziehen ist (nein, keine Schweinerei, sondern) ein Entgegenkommen des Verbandes“. Ist das nicht besonders  lustig?

    Statt dem Verband zu sagen: sorgt auf Eurem Grundstück für Ordnung? Geht nicht: wäre nicht lustig. Hat MANU auch nicht reklamiert. Sie findet es lieber lustig, wenn der Gemeinderat „vor (ganz anderem) Wildwuchs kapituliert“ und den Bürgern durch Satzungsänderung erlaubt, an ihre Hütten, Häuser, Villen und Schlösser Hausnummern nach eigenem Geschmack zu schrauben. Nix mehr „kobaltblaue Vorschrifts-Taferl“. Warum? Weil den Tutzingern, lauter Individualisten, diese Vorschrift schon immer schegal war. Lustig, gell.

    Also: weiterhin viel Spaß!

    Ihr Franz Bimslechner sen.

  • Wünsch Dir was …

    Zu den Ostertagen fragte mein Enkel, wieso es zu Ostern nichts geschenkt gäbe. Außer den Eiern, die gab’s aber letztes Jahr schon. Eier seien langweilig. Weihnachtsgeschenke aber nicht.

    Zumindest für mich vor dem Hintergrund fremder Ohren eine schwierige Frage. Ich konnte mich aber herauswinden, weil der Besuch im einzigen Anfass-Geschäft der Geiz-ist-Geil-Kategorie des Oberlandes plötzlich kleinste Kameras zeigte, mit denen aber auch alles aufgenommen und sofort übertragen werden kann. Das erinnerte mich an eine Meldung vor zwei Jahren.

    Da gibt’s doch tatsächlich Gemeinden, aus deren Gemeinderatssitzungen heraus Live-Übertragungen möglich sind und sogar auch realisiert werden.

    Man stelle sich nur vor, die ihrem Gewissen verantwortlichen und insbesondere wegen ihres Gewissens gewählten Ratsmitglieder hätten plötzlich die Möglichkeit, dem staunenden Publikum daheim vor dem Fernseher zeigen zu können, wie gut sie in der Sache drauf sind. Auch, dass sie alle situativ nötigen Kommunikationsstile beherrschen.

    Die Übertragung einer öffentlichen Sitzung (sogar vorgesehen von der übergeordneten Politik) hätte, so man sie denn in Tutzing wolle, unglaubliche Vorteile.

    Der Vorwurf, niemand wisse, was da eigentlich besprochen wurde und warum wie entschieden wurde, kann nun nicht mehr aufrecht erhalten werden. Zudem traf er ja auch nie zu; das waren nur Hirngespinste irgendwelcher ratschender Besserwisser.

    Gemeinderäte könnten auf dem samstäglichen Markt beim Einkaufen angesprochen werden und damit ihre Nähe zu den Sorgen und Fragen bilateral zeigen und aufnehmen. Es könnten sogar einzelne Gemeinderäte auf ihnen bekannte Gesichter zugehen und fragen, wie denn so die Dinge auf dem Sofa daheim angekommen seien.
    Das gäbe eine völlig andere Kultur des gemeindlichen Miteinander. Der Bürger wüsste mal außerhalb der Wahlzeit, wie seine Gemeinderäte eigentlich aussehen, was sie so machen. Und vor allem auch, weswegen außer der Behandlung „Wie baue ich ein Haus und beschäftige damit die Verwaltung?“ lediglich Ehrungen oder sonstiger Firlefanz wie das gemeinschaftliche Besprühen von Balkonpflanzen und das Linksherumtragen von Plastiktüten auf dem Programm stehen.

    Der größte Vorteil eines Dorf-TV bestünde aber darin, den vielen Besuchern der Gemeinderatssitzungen den beschwerlichen Weg auf die im schlechten Licht stehende Zuschauertribüne zu ersparen.
    Die arbeitende Bevölkerung erhält demnächst die Segnungen durch Industrie 4.0! Sagte doch jüngst Deutschlands größter Wirtschaftsführer, wer bei 4.0 nicht mitmache, verlöre den Anschluss und entwickle sich auf den Status eines Entwicklungslandes zu. Bereiten wir uns vor auf Gemeinderatssitzung 4.0!
    Prima Aussichten und demnächst Einsichten.

    Aus aktuellstem Anlass

    Ihr Josef Bimslechner

  • Vom Rathaus zum Wertstoffhof und zurück!

    Zuallererst muss ich der Tutzinger Liste, Abteilung Glosse, danken, dass sie mich noch schreiben lässt.
    Schließlich hat die Tutzinger Liste in den letzten Monaten Themenfelder aufgegriffen, die nun nicht unkritisch sind, nicht gerne gehört und schon gar nicht gerne gelesen werden.

    Zudem scheinen viele Tutzinger zu meinen, das Rathaus sei nur für Baugenehmigungen da, zur Not auch noch für die grundsätzliche Regelung von Ampelphasen, für die Begutachtung Schwarzer Löcher (Straßenbeleuchtung) und dann natürlich für die Ernennung von Ehrenbürgern und der Umwidmung von Straßen. Die von einem Blog-Schreiber vorgeschlagene Umwidmung der Hauptstraße in „Gemeinderatsrennweg“ wäre auch einen TOP für eine Ratssitzung wert!

    Der Bürgermeister hat sich bisher gut durch das Minenfeld bewegt „wie gehen wir auf Fremde zu, die ihre Heimat verloren?“ Möge das so bleiben!
    Was aber keineswegs so bleiben kann, ist der höchst nachdenklich machende Umgang mit einem in der Gesellschaft immer häufiger anzutreffenden Vakuum. Die Welt um uns herum erstickt in Gift und Dreck! Und zu trinken gibt’s den Glyphosator. Prost! Es ist so, auch wenn der Landkreis glaubt, alle Unwetter zögen an ihm vorbei. Wie soll man es anders nennen als Vakuum, wenn zwei der größten Bedrohungen in Tutzing einfach nicht wahrgenommen werden wollen?

    BUND/ödp bemühen sich, über exzellente Expertisen aufzuzeigen, was demnächst auf uns zukommen wird. Die Tutzinger Liste hat das wohl, was die Verbreitung angeht, mit initiiert. Grüne, ödp, vielleicht auch mal wieder die Reste der SPD, strampeln sich ab in Sachen Folgenabschätzung TTIP einschl. TISA und CETA. Die Tutzinger Möchtegern-Politikanschieber werden nur müde belächelt und auch noch als Zielscheibe für versuchtes, aber missglücktes Entertainment seitens der CSU hergenommen.

    Diese Feststellung entnahm ich übrigens dem Internetauftritt der TL. Mutig, die dortige Schreibabteilung! Aber: „Fairer Handel“ in der Hauptstraße oder Hallberger Allee … Es kann doch wohl nicht wahr sein, mit derartigen Auftritten anzunehmen, einen Beitrag gegen den vertraglich bestellten Tsunami TTIP leisten zu können!

    Der Wertstoffhof ist ein weiteres Beispiel für das Falsch-rum-Ticken unserer Gesellschaft. Tutzing ist ein Teil der Gesellschaft. Die Verschleuderung der Ressourcen ist dort, mitten im Ort an dessen schönstem Platz, zu besichtigen. Ausgelöst durch den Fetisch Wachstum über alles. Stand ich doch jüngst kopfschüttelnd vor einem Container für Wohlstandsmüll aus Wohnzimmer, Küche, Kinder- und Schlafzimmer. Dort stellte ich plötzlich fest, überhaupt nicht alleine kopfschüttelnd davor zu stehen. Aha, der Wertstoffhof hat doch einen Ansatz dazu, Kommunikationszentrum werden zu können. Mitten im Ort! Sogar anfahrbar mit Fahrrad oder Schubkarre.

    Bienensterben und Plastikmüll! Mit der Überschrift: „Die Welt wird nachhaltig vergiftet!“. Ist das deshalb so uninteressant, weil es in das o.g. Vakuum hineinpasst? Man lebt noch gut damit und der mehrfach angemahnte Handlungsbedarf verpufft in aller Regel. Wer kann da wohl an dem Vakuum interessiert sein? Da müssten wir doch glatt einmal die beiden Akademien befragen, die müssten das schon alleine aufgrund ihres Auftrages wissen. Was machen die eigentlich mit ihrem gespeicherten Wissen? Wo bleiben sie eigentlich mit ihrem Sendungsbewusstsein?

    Auch: Kann es einen Grund haben, weswegen Wertstoffhof und Rathaus so dicht beieinander liegen, geografisch? Die könnten gegenseitig Anleihen nehmen, verglichen sie die Halbwertzeiten ihres Arbeitsbereiches.

    Leute, seht Euch Eure Volksvertreter und sonstige Einrichtungen etwas genauer an, um deren Verständnis für die Fragen der Zeit und vor allem deren Zurückhaltung hinsichtlich eines klaren Zeigens der Flagge zu verstehen. Ein kritischer Besuch in Wertstoffhof und Rathaus dürfte Augen und Ohren öffnen. Beim Besucher. Irgendwann auch beim Besuchten.

    Vielleicht sogar auch einmal ein Besuch in einer der beiden Akademien. Beide bieten nämlich hervorragende Programme an, sogar für Tutzinger zugänglich. Tutzing hat jede Menge Kultur zu bieten und kann stolz drauf sein. Jetzt braucht nur noch die Qualität der politischen Kultur angehoben zu werden.

    Das ist für Februar der letzte Brief,

    Ihr Josef Bimslechner

  • Unser Rathaus, Haus des Rates

    Immer wieder ist festzustellen, wie bei dem Blick nach vorne unsere Kommunalpolitiker vergessen, ab und zu die Gesamtzusammenhänge zu betrachten.

    Just der Gemeinderat, der mit dröhnender Stimme sich an allen Bauvorhaben derart auffallend abarbeitet und dabei auch seine Kollegen so im Regen stehen lässt, dass es die Wände und Kubaturen nicht aushalten, just der Gemeinderat spricht davon, was alles passieren darf, damit er ruhig schlafen kann. Soll doch dieser Mann einmal sehr genau in die Vergangenheit schauen, bevor er erneut an der Zukunft herumdeutelt. Dann wird er nämlich merken, dass er durch den Merkur am 29.01.2016 falsch wiedergegeben wird. Oder aber der Merkur gab richtig wieder und der damals ebenfalls Anwesende hat die mehrfach aneinandergereihten Peinlichkeiten während der Gemeinderatssitzungen verschlafen. Natürlich ruhig.

    Es wird so viel nach vorne geschaut, manch ein Gemeinderat sagt dazu sogar, nach vorne in die Zukunft geschaut, dass sich plötzlich eine Frage stellt. Nein, nicht die Frage, ob man auch nach hinten in die Zukunft schauen kann. Die Frage ist: Warum reden die so viel von der Zukunft, soll da etwa ein Stück Vergangenheit ausgeblendet werden?
    Etwas Wahres scheint irgendwie dran zu sein. Wenn Gemeinderatsprotokolle acht Wochen bis zur Fertigstellung brauchen, dann liegt die Vermutung nahe, etwas könne da nicht stimmen. Zumindest stimmt die Aussage nicht, Protokolle seien im Internet verfügbar.

    Sich zeitnah über den Gang der gemeindlichen Dinge zu informieren, ist sehr schwer. Daher ist die Arbeit der Tutzinger Liste mit der tatsächlich zeitnahen und erstaunlich wertfreien Beschreibung einzelner Gemeinderats- und Ausschusssitzungen ein Gewinn für den Leser, der sich aktuell halten möchte.

    Ich entdeckte in einem Blog eines Lesers die Frage, wie verbindlich eigentlich die bei Gemeinderatssitzungen getroffenen Entscheidungen seien. Die Frage macht stutzig. Wenn nämlich eine Verbindlichkeit nicht gegeben ist, kann auch die Umsetzung der Entscheidung nur schwer kontrolliert werden; nämlich im Sinne einer Messung, ob ein Ziel erreicht oder nicht.

    Das mag sich, lieber Leser, etwas langweilig anhören. Wenn unsere Gemeinderäte jedoch viel Zeit in Sitzungen verbringen, aber Entscheidungen herauspurzeln, deren verabredeter Erfolg nicht messbar ist, warum bespricht man sich dann überhaupt und klaut den Kollegen die Zeit?

    Ein weiterer Aspekt beim Durchflöhen alter Protokolle und am Markt aufgefangener Strömungen zeigt, dass da so einige Themen wie Bahnhof, Seehof, Bauhof aufflackern, aber aus irgendwelchen Gründen wieder von den Tagesordnungen verschwinden. Ich versteh da nur Bahnhof.

    So manch ein Bürgermeister ist froh, wenn das Protokoll vom Tisch ist. Hat doch die Umsetzung vom sog. Beschluss in großer Runde in geduldiges Protokoll-Papier durch Anwendung aller Goethe-Regeln viel Zeit gebraucht. Schon alleine deswegen, weil alle Betroffenen sich im Nachhinein wiederfinden wollen „hab ich doch ganz anders gemeint…“.

    Es gibt Einrichtungen, die zur Verhinderung derart unauffälliger Protokollbeugung das Protokoll bereits nach der Sitzung schreiben, nach der Sitzung als direkter Nachgang zur Sitzung.

    Weiterhin fällt bei den Informationen aus dem Rathaus auf, wie sehr die Gespräche unter der Prämisse zu laufen scheinen, erst einmal herauszufinden, warum etwas nicht geht. Und dann geht’s schon alleine wegen dieser Grundhaltung nämlich wirklich nicht!

    Warum kann die Arbeitshaltung nicht so aussehen, bei Vorschlägen, Ideen, Überlegungen die Handlungsmaxime auszugeben, herauszufinden, eben was getan werden muss, damit etwas geht?
    Ins Rathaus zog ein anerkannter Nichtbeamter ein, dessen erfolgreiche frühere Arbeitsweise vermutlich zwangsläufig dadurch geprägt war, unternehmerisch zu handeln. Also herauszufinden, wie etwas bewegt werden kann, ohne zuerst herauszufinden, warum etwas nicht bewegt werden kann.
    Liebe Leser, gehen Sie doch einmal Ihnen zugängliche Protokolle und Berichterstattungen durch und fragen Sie sich, was alles hätte bewegt werden können. Durch eine einfache Umkehrung der Fragestellung und systematische Verfolgung und Erledigung angefangener Dinge.

    Alle meinen es gut. Nur … gut gemeint, ist nicht immer gut gemacht.

    Wer ganz genau wissen will, was gemeint ist, der soll doch mal eine Ratssitzung besuchen, die Berichterstattung in den Medien sichten (dazu gehören auch die Internetseiten Tutzinger Parteien oder Wählervereinigungen). Und natürlich das Protokoll, sofern es irgendwann verfügbar ist.
    Ich fragte mich in den letzten Tagen aufgrund meines Sichtens aller Medien, wieso die Tutzinger Liste nicht einen weiteren Slogan auf ihre Seiten schreibt, nämlich „schnell, objektiv und tiefschürfend!“.
    Abschließend: Wussten Sie, dass 2015 rd. 70% der gesamten Gemeinderatssitzungs-Tagesordnungspunkte sich ausschließlich mit Bauvorhaben beschäftigten? Haben die Tutzinger nur 30% andere Sorgen?

    In diesem Sinne
    Ihr Josef Bimslechner

  • 2016! Das Neue Jahr begann ja gut!

    Rechts und links tut sich etwas, ein Neujahrsempfang jagt den anderen. Gründe zum Feiern gibt es jede Menge. Man kann weit zurückschauen, hat doch jeder Politikverein eine lange Geschichte. Die einzige Partei, die SPD, die nach dem Krieg ihren Namen nicht ändern musste, lässt nicht von sich lesen. Die anderen Tutzinger Parteien wollen auffallen, schaffen es aber kaum.

    Mein lieber Bruder im Geiste, der Franz, hat den Versuch des Auffallens jüngst beschrieben. Allerdings hatte er vorwiegend die Methode des Kommunizierens der Parteien mit dem Wähler im Blick. Worüber hingegen die mit neuesten technischen Gerätschaften ausgerüsteten Politiker sich überhaupt austauschen, also inhaltlich, das hat er nicht erwähnt.

    Mir fiel da sofort ein etwas älteres Erlebnis ein: Auf eine schriftliche Frage an eine Kandidatin vor deren Inthronisation erhielt ich die Antwort, sie könne die Frage erst beantworten, wenn sie gewählt sei. Aha, war wohl meine Frage einfach zu dusslig formuliert.

    Das Lesen heutiger Zeitungen bringt häufig zutage, wo der Schuh drückt. In Tutzing scheint das Gesamt-Gehwerk völlig in Ordnung zu sein. Laufen die dort alle etwa barfuß? Täten sie das, dürfte so manch ein Stein nämlich kräftig drücken. Tut er aber nicht, die Welt ist in Ordnung! Man baut so einfach vor sich hin und wundert sich, wenn die Klötze dann plötzlich rumstehen. Keiner war’s.

    Parkplätze am Bahnhof sind von hoher Bedeutung, die Umgebung von Parkbänken soll von Unkraut freigehalten werden und Laubbläser machen zu viel Krach. Und nun kommt’s! Da greift doch tatsächlich eine dörfliche Gruppierung in die Kiste der zurückgelegten Überraschungen. Wagt es doch diese Gruppierung, die Dinge beim Namen zu nennen. Ich muss aber vorsichtig sein, noch darf ich ja über deren Kanal an Sie, lieber Leser*in, schreiben. Da ist die Rede vom Bienensterben, vom Zumüllen der auch Tutzinger Welt mit Plastik. Die wagen es sogar, auf TTIP hinzuweisen. Immerhin haben diese dörflichen Politik-Eleven das Tor für Netz-Beiträge geöffnet, die nun aber gar nicht zu Parkplatzproblemen und Laubbläsern passen.

    Fehlt nur noch, dass sie in ihrem Mut und damit ihrer Frechheit erneut darauf hinweisen, wie doch die Tutzinger durch Skandale gebeutelt wurden. Der Radweg nach Kampberg, nun steht er, wird von den Parteien gelobt. Das Durchstechen vertraulichster Unterlagen an die Presse und jeden, der es wissen wollte … alles vergessen. Man hat gefälligst freudig nach vorne zu blicken.

    Böse Zungen könnten sogar meinen, man sei ganz kurz vor’m Populismus. Lichterketten, seit wann haben die die Welt verändert?
    Populismus lebt jedoch nur von den Missständen, gute Politik aber von deren Beseitigung.
    Bienensterben und Glyphosat. Da bin ich nun gespannt, wie die Tutzinger Liste mit dem von ihr so plötzlich geöffneten Fass umgehen wird.
    Denn sie, die Tutzinger Liste, trat ja mit dem Anspruch an, gute Politik zu machen.
    Tutzing braucht das. Aber nicht mit und durch drei Hanseln.

    Wo bleibt die konzertierte Aktion? Quer durch die Parteien, die immer behaupten, Kommunalpolitik hätte nichts mit Parteipolitik zu tun!
    Einzig der Bürgermeister kann kraft ideologischer Fachheimat ödp jetzt etwas bewegen, indem er die Front der Verweigerer mit der der Möchtegerns zusammenbringt. Hierzu muss er sich jedoch hinstellen und deutlich sagen, die hässlichen Folgen des Neoliberalismus seien jetzt auch bei uns angekommen. Im Landkreis, in Tutzing, im Rathaus.

    Der Populismus lebt von den Missständen, gute Politik von deren Beseitigung.

    Zum bereits begonnenen 2016 alles Gute wünscht Ihnen

    Josef Bimslechner

  • Jahresrückblick?

    …. ach, so ist das also!

    Mein Bruder im Geiste (gewiss liest er, der Franz, das jetzt nicht gerne) nutzte den guten alten Karl Valentin zur Beschreibung einer Beobachtung. Hätte ihm die Beobachtung gefallen, würde er nicht darüber schreiben.
    Es lässt sich auch ohne Karl Valentin beschreiben, was da wieder los ist – auch wenn dieser sicherlich seine helle Freude daran gehabt hätte, bei allem, was da wieder abging und abgeht. Alleine der Presse-Hub in Sachen Gemeinderatsleistung macht ja schon nachdenklich und ist für sich durchaus beschreibenswert.

    Von sich, ihrer Arbeit und auch Darstellungskunst überzeugte Gemeinderäte weisen tunlichst darauf hin, dass wir jetzt die Nachwahlzeit haben. Soll heißen, dass so manche Dinge der Vorwahlzeit nun unter anderem Licht gesehen werden sollten.

    Da wird die staunende Hörer- und Leserschaft gerne mal für unbedarft gehalten.

    Alle damaligen Versuche in Sachen “Dritter Aufzug“ erscheinen plötzlich für die Katz; es wurde sogar Zeit dafür verschwendet, eine Rampe für Rollstuhlfahrer in Erwägung zu ziehen. Während das Gefälle dem schiebenden Enkel durchaus Freude bereiten würde, dürfte die Steigung so manchem mit deren Bezwingung Beschäftigten eine gewisse Röte ins Gesicht steigen lassen. Nicht vor Anstrengung, nein, vor Wut über die Art der Behandlung des gesamten Komplexes und derjenigen Bürger, die eigentlich von ihm profitieren sollten.

    Da haben wir nun einmal den Vorteil einer Kontinuität im Gemeinderat und damit dessen Zusammensetzung. Umso tragischer muss es deshalb anmuten, dass sich keiner dieser Experten an die Dinge erinnert, die im Vorfeld der Wahlen bekannt waren und behandelt wurden.

    Und nun will mein Bruder Franz sogar ein Preisausschreiben auflegen. Er lockt mit Geld. An zweiter Stelle mit einem Bild (Hinterglasmalerei?) eines Gemeinderates; an dritter Stelle mit kostenlosem Besuch einer Gemeinderatssitzung. Eines hat er aber vergessen. Nämlich, dass Gemeinderäte Geld für ihre Sitzungen erhalten. Komischer Zusammenhang, der sich da aufbaut – Karl Valentin würde sich königlich amüsieren.

    Welches Thema man auch herausgreift, alles Schnee von gestern. Beachvolley-Ball: Fehlanzeige! Das große Engagement des Tutzinger Nachwuchses ist – es ist zu erahnen – ebenfalls für die Katz!

    Mein Kollege spricht in seinem Beitrag vom Kollateralschaden. Kann es sein, dass er irrt? Es gibt einen klaren Kollateralnutzen! Es haut nämlich keiner den zukunftsorientierten Räten auf die Finger, die sich an ihrer eigenen Vergesslichkeit laben und sich wohlig im Schatten der untergehenden Sonne räkeln.

    Eine ganz besondere Nummer ist das Go-Ahead-Projekt Seehof. Wenn eines Tages die Geschichtsforscher die Akten zu diesem Meinungsbildungsprozess ausgraben, dann wird die Zusammenfassung ein Renner. Die Heimatbühne wird sich vor Anfragen zur Verlängerung dieses Lokal-Stückes nicht mehr retten können, die Kasse wird überquellen.
    Meines Bruders Zeilen enden mit der Frage, ob das, was er da geschrieben hat, eigentlich eine Glosse sei. Klare Antwort hierzu: es ist in der Tat eine Glosse, die sich ja gerne mal satirischer und ironischer Formulierungen bedient.

    Der Witz – und das ist keine Ironie – besteht nun aber darin, dass in Tutzing das passiert, was sich auch in der großen Politik abspielt. Die eigentliche Beschreibung höchst seltsamer Zustände überlässt man dort gerne den politischen Kabaretts. Vermutlich auch deshalb, weil sie so spät nachts senden und nur diejenigen erreichen, die eh schon vom Glauben abgefallen sind und sich durch all die Uthoffs, v. Wagners, Schramms, Hildebrandts, Pispers, Springers, Altingers, Egersdoerfers nur noch bestätigen lassen. Und glauben, nichts tun zu müssen, es erledigt ja der politische Kabarettist – welch Ironie.

    In Tutzing ist das noch etwas anders. Glosse, Satire und Dreistigkeit leben hier dicht beieinander und können nur von Kennern des Fachs geortet werden.
    Besuchen Sie doch einmal die Gemeinderatssitzungen – egal, ob kostenlos oder nicht- und hören Sie sich die Leute an, die vor der Wahl etwas anderes als nach der Wahl sagen und dann auch noch stolz sind auf das, was sie dem unbedarften Wähler an Verhohnepipelung noch mit nach Hause geben.

    Der geneigte Leser und verhohnepipelte Wähler könnte sich spätestens an dieser Stelle auf die Kontroll-funktion der lokalen Presse berufen. Leider scheint jene irgendwo zwischen Seehof und Bergwiese abhanden gekommen zu sein – schon lange werden keine Finger mehr in Wunden gelegt.

    So steht beispielsweise mitten im Ort am Beginn der Traubinger Straße die Talstation einer Seilbahn, die Bergstation fehlt aber noch. Allgemein wird gestaunt über das heftig zugebaute Tutzing, doch niemand will sich daran erinnern, wer da wohl in irgendeiner Form bei irgendeiner Abstimmung mitbeteiligt war. Nun plötzlich gibt es Regeln und Kriterienkataloge. Ja, wonach haben die denn früher entschieden, nach Windrichtung und Luftfeuchtigkeit?

    Unsere Gemeindehäuptlinge blicken jetzt nur noch nach vorne. Sie gehen den richtigen Schritt in die richtige Richtung, sie haben etwas auf den Weg gebracht, die Weichen sind gestellt, die Tücher sind trocken.

    Dieser alles vernebelnde Staatskanzlei-Hohlsprech ist nötig. Denn würden die Gemeinderäte zurück blicken, gäbe es keine Witze und Glossen mehr. Deshalb schauen alle nur nach vorne in der festen Hoffnung, des Wählers Gedächtnis sei zukünftig noch kürzer als bisher. Ein besonderes Beispiel ist in dem Zusammenhang der Radweg nach und von Kampberg. Will sich denn niemand mehr daran erinnern, wie seltsam es seinerzeit zuging, das Ding in die Presse und zeitgleich in den Bund der Steuerzahler zu bringen? Aber warum sollte man sich an etwas erinnern, was mittlerweile sowieso keine Rolle mehr spielt. Und das ist nicht ironisch gemeint – oder vielleicht doch?

    Aber immerhin mit herzlichem Gruß

    Ihr Josef Bimslechner

  • Luftkurort Tutzing – Wechselbäder

    Luftkurort Tutzing – Wechselbäder

    Ganz früher war’s mal ein Luftkurort, dem in weiser Voraussicht wegen kommender dicker Luft das Prädikat Luftkurort aberkannt wurde.

    Dicke Luft herrschte in Tutzing schon immer; manche der Zeitgenossen konnten jedoch noch hindurchblicken. Zumindest die jeweiligen Bürgermeister schafften dies. Einer der Altbürgermeister stieg von der Politischen Theorie um in die lokale Praxis. Er schlug sich tapfer, was aber auch daran gelegen haben muss, dass er das Handwerk des Kompromisse-Schließens verstand und im Zweifelsfall auf Bodenhaftung verzichtete. Dafür hat er dann seine Verwaltung, die jahrzehntelang unberührt durch irgendwelche Veränderungsnotwendigkeiten ihren obrigkeitsstaatlichen Stil (besser: Stiel) praktizieren konnte. Die Gemeinde war fest in schwarzer Hand und so bot es sich an, den Wachwechsel vom politischen Feingeist zum bodenständigen und allseits beliebten Nachfolger behutsam vorzubereiten. Es blieb aber aufmerksamen Beobachtern der Szene nicht verborgen, wie sehr es im größten politischen Lager quietschte. Tutzing erhielt vor 18 Jahren einen BM, der es allen recht machen musste, indem er sehr selten Stellung bezog und überhaupt keine Möglichkeit ausließ, zwischen die Mühlsteine zu kommen. Er selbst als Gewächs der Verwaltung sah natürlich keine Notwendigkeit, die Verwaltung auf größere Nähe zu den sich damals bereits abzeichnenden Notwendigkeiten auszurichten. 


    Hier ein kleines Beispiel für das Feingefühl der Verwaltung: Das einen ausbaufähigen Standort suchende mittelständische Unternehmen X rief an und bat unter der offiziellen Telefonnummer um einen sehr persönlichen und damit vertraulichen Kontakt mit dem Bürgermeister. Lapidare Antwort am Telefon, man hätte derzeit Mittagspause und es solle doch später noch einmal angerufen werden. Der später dann erfolgte Anruf war natürlich erneut in irgendeiner Pause. Nach fünfmaligem Anruf über eine Woche hinweg in gleicher Angelegenheit beschloss der einen Standort suchende Unternehmer, keinesfalls in Tutzing seine F&E-Zelte aufzuschlagen. Soweit so gut. Ich traf durch Zufall den sich mittlerweile in der Schweiz niedergelassenen Unternehmer, der mir, als er von meinem Heimatwohnort hörte, die Story erzählte. Natürlich in Gegenwart aller am Tisch sitzenden Gäste. Interessant ist, dass ihn nicht nur das rüde Verhalten am Telefon beeindruckte. Beeindruckt war er insbesondere davon, dass die den Bürgermeister abschirmende Kraft überhaupt nicht auf die Idee kam, einen Rückruf des BM zur Angelegenheit Standortsuche anzubieten. Einige Tage nach dem Abendessen schickte mir mein Kollege einen Artikel der ZEIT mit dem Hinweis, ich solle mich nicht ärgern; es sei halt noch eine Verwaltung, die nach anderen Regeln arbeite als die sog. Wirtschaft.


    Nun, da werden wir zukünftig ganz andere Verhaltensweisen erleben. Ein unternehmerisch erfahrener BM dürfte der Verwaltung relativ schnell vermitteln können, von wessen Geldern die Gehälter der Verwaltungsmitglieder bezahlt werden.


    Auch dürfte das von der Verwaltung gepflegte Erscheinungsbild (neudeutsch: Corporate Identity) sich sehr schnell ändern. Wenn Verwaltungsangehörige in einer Wirtschaft lautstark unter erheblichem Alkoholeinfluss vor Fremden den Hinauswurf eines Bürgermeisters feiern, dann ist das nicht nur ein Fortsetzen durchgängig praktizierter Illoyalität. Es ist ein Grund, massiv am Selbstverständnis der Verwaltung im Umgang mit kritischen Situationen zu zweifeln. Es wäre sogar ein Kündigungsgrund.

    Auch hier dürfte der unternehmerisch erfahrene neue BM ganz schnell seine alkoholerprobten Verwaltungsexperten auf einen Kurs einschwören, der Schaden vom Ruf der Gemeindeverwaltung fernhält.

    Wie Sie lesen können, gehe ich mit ziemlichem Optimismus in die Zukunft.


    Der ab 28.04. Vorgänger (umgänglich, wortgewandt, schnell auf den Punkt kommend, sattelfest in der Sache) tat sich mit seiner Verwaltung beliebig schwer und ließ keine Möglichkeit mehr aus, einer bestimmten Qualität Gemeinderäte unbewusst so in die Hand zu arbeiten, dass diese leichtes Spiel hatten. Anstatt als Gemeinderäte sich als Kollegialorgan zu verstehen und zu verständigen.

    Dem Amtsvorgänger viel Glück im unbelasteten neuen Feld, dem Nachfolger eine gute Hand beim Gelingen der sicheren und schnellen Lösung von Sachfragen.


    Seien Sie gegrüßt von Ihrem

    Josef Bimslechner

  • Josef Bimslechner: Wahlkrampf!

    Jetzt kommt tatsächlich Stimmung auf. Ein Bürger von Tutzing schämt sich fremd und tritt von einer Funktion zurück, die kein Mensch in den nächsten vier Wochen braucht. Allerdings gibt ein sich fremdschämender Bürger Anlass dazu, in das Archiv zu blicken. Und, siehe da, der Fremdschämer müsste sich auch zuallererst für sich selbst schämen, hantiert er doch wissentlich mit Falschinformationen. Eine Falschinformation kann übrigens auch als offene Feindseligkeit verstanden werden.

    Viele Räte haben es deswegen uneingeschränkt gut, weil niemand ihr Treiben verfolgen kann. Und die, die das Treiben verfolgen, sitzen am Pressetisch und machen das, was mit seriöser Pressearbeit nicht immer etwas zu tun hat.

    Wie sich die Kultur des Umgangs in Tutzing entwickelte, ist dann zu verstehen, wenn auf das Jahr heute minus 18 zurückgeblickt wird. Da saßen mehr als drei Kandidaten im Andechser Hof, stellten sich brav vor und gingen vor sehr großem Publikum für sich selbst werbend ins Gespräch mit dem Publikum. Nicht einer der Kandidaten fiel über den am gleichen Tisch sitzenden Wettbewerber her und bewarf ihn mit einem Schuh. Der Schuh stand allerdings tatsächlich als Markenzeichen eines Kandidaten auf dem Tisch und führte zu einer völlig entspannten Situation. Es war eine Atmosphäre, die als “Tutzing innerfamiliär, mit gegenseitiger Achtung sich streitend“ bezeichnet werden konnte. Trotz aller in der Sache unterschiedlich gesehenen Betrachtungen der Kandidaten.

    Die Möglichkeit, ein Hearing mit dem gesamten Gemeinderat zu veranstalten, bei dem halb Tutzing den Saal füllt, wird nicht genutzt. Die Gemeinderäte kamen auch nie auf die Idee, sich gemeinsam vor Publikum vom Publikum für die abgelaufene Amtsperiode zu bedanken; vielleicht sogar Rechenschaft abzulegen, Fragen zu beantworten und Anregungen mitzunehmen.

    Die mittlerweile erlebte und damit höchst abstoßende Form des Aufeinander-Einschlagens lässt nach den erfolgten Brunnenvergiftungen ein öffentliches Hearing gar nicht mehr zu. Das jeweilige Plenum ist teilweise so mit gegenseitigen Hassparolen bestückt, dass ein Dialog gar nicht mehr möglich ist.
    Wehe, es wagt jemand, die Dinge kritisch zu hinterfragen. Sofort bekommt er eine auf die Nuss mit dem Hinweis, so etwas sei Polemik und die habe gefälligst zu unterbleiben. Das geht hin bis zu den Leuten, die sich mit der Vokabel Fairness (nicht Firniss) umgeben und dann beim Hinweis auf offen gehaltene Fragen sofort mit dem Totschlagargument kommen, das sei doch nur Meckerei. Wer kann denn in dem Ort, der zwei forschende Akademien mit bundesweitem Ruf hat, eigentlich noch unverprügelt sagen, wie er die Kultur des Miteinanders hier empfindet?

    Um zu Urteilen oder Vorschlägen zu kommen, muss vorher die Lage analysiert werden. Und nach der Entscheidung muss man sich über die Konsequenzen der Entscheidung bewusst sein. Diese von früher jedem Wehrpflichtigen gelernte Eigenschaft ist großen Teilen des Tutzinger Gemeinderats abhanden gekommen. Zumindest wird sie gut verborgen gehalten. Wieso?

    Die Chance, mit einem Reset-Knopf (Wahl!) einen völlig neuen Gemeinderat zu bekommen, ist völlig vertan. Die Listen zeigen die alten kampfzerfurchten Gesichter, zumeist überzeugend lächelnd. Mit denen wird sichergestellt, dass sich nichts ändern wird. Und die paar Neulinge werden erst einmal von den alten Fahrensleuten darauf verwiesen, wer hier nun das Moos auf dem Buckel hat und wer nicht.

    Altersweisheit ist dann das Zauberwort für Altersstarrsinn. Geistige Beweglichkeit das Zauberwort für mangelnde Vorbereitung und intellektuelle Überforderung. Unterzuckerung könnte auch ein Anlass für mangelnde Aufmerksamkeit (häufiges Einnicken) sein.
    Drum muss der Bürgermeister weg. Schließlich hat er den Gemeinderat nicht zu ordentlicher Arbeit geführt. Und laut Presse und wichtiger Gemeinderäte hat er es auch noch versiebt, das enorme Potential der Verwaltung sichtbar zu heben.

    Liebe Leser, sehen Sie sich die Wahlzettel genau an. Der alte Slogan “weiter so“ ist nicht beschrieben. Viel schlimmer, der Slogan ist bebildert.

    Ihr Josef Bimslechner

  • Josef Bimslechner: Tutzinger Strategen

    Wer in der Infanteriegefechtsausbildung aufpasste, brav seinen Clausewitz las und sogar verstand, der kann jetzt beobachten, was doch die Strategen so im Laufe der Zeit vergaßen oder gar sich merkten. Es war früher üblich, die Truppen nach zugeordneten Farben in Stellung gehen zu lassen und die Sandkastenspiele entsprechend zu betreiben. Einige Schlaumeier haben sich für Notfälle sogar den Sun-Tsu ins Marschgepäck gelegt.

    Sun Tsu:
    Die ganze Kriegskunst basiert auf List und Tücke.
    Mit viel Planung kann man siegen, mit wenig kann man es nicht!

    So manch einer wird sich aber erinnern können, dass es auch ein kleines Heftchen mit der Überschrift “Psychologische Kampfführung“  gab. Bevor Feldafing ganz seine Pforten schließt, sollte dort noch einmal nachgefragt werden, ob damaliger Stand der Lehre tatsächlich noch zu heutigen Gegebenheiten passt.

    Die Lage ist paar Tage vor gemeinsamem Winken mit den jeweils weißen Fahnen ziemlich klar. “Das haben wir doch gar nicht so gemeint … das sind doch nur Missverständnisse … vertragen wir uns doch wieder … außerdem war das ein gesunder Streit und keine Zankerei“.

    Die Schwarzen griffen bisher ausdrücklich den farblosen, aber doch Halbgrünen nicht an. Sie gaben ihm sogar Feuerschutz, damit er unbeeindruckt von seinem tatsächlichen Können und Geschick gegen den abtrünnigen ehemals Schwarzen erfolgreich zu Felde ziehen kann. Farblose Freiheitskämpfer und dunkelfarbige Bürgerwehr nutzten die Stunde zum gemeinsamen Angriff auf den eigentlichen bislang erfolgreich das Gelände Verteidigenden, damit dieser die erste Schlacht bombastisch verlieren muss, indem er kräftige Geländeverluste hinzunehmen hat.

    Die strategische Option der Schwarzen könnte aufgehen. Glauben sie zumindest, ist ja auch am Sandkasten so besprochen worden.

    Die Bündnistruppen (also die Grünen, Bürgerwehr, Freischärler und Dunkel-Farblosen) werden den Haupt-Gegner auf dem Feld so angeschlagen haben, dass die Schwarzen glauben, nun leichtes Spiel haben zu können. Einen kraftlosen zweiten Sieger, dem ebenfalls paar Schulterstücke abgeschnitten wurden, kann man dann rigoros mit vollen Rohren meuchelnd zurück in die Deckung zwingen.

    Jeanne d’Arc zieht mit wehender Fahne ein. Hofft und glaubt sie, denn die Kräfte ihrer eigenen Truppen sind unverbraucht. Die sinnlose Metzelei ist also wunderbar delegiert worden. Man ließ den eigentlichen Gegner für sich bluten.
    Der nächste Schritt könnte ein Drohnenkrieg sein, aber davon steht nichts im Clausewitz. Gibt’s also nicht.

    1914 ist zwar lange her, aber was sind schon hundert Jahre?
    Oberstleutnant Sanftleben (auch bekannt als Georg Schramm, Anstalt) würde sagen: War doch nur ein kleiner Casino-Scherz.

    Hey Leute, es macht mich betroffen, was hier in den Köpfen abzugehen scheint.

    Ihr Josef Bimslechner

  • Zur Lage der Nation, Teilbereich Tutzing

    Allmählich kommt klarheitliche Freude auf, Nachdenklichkeit aber auch!
    Um beobachtete Entwicklungen zu verstehen, empfiehlt es sich, drei Schritte zurückzugehen und die Dinge aus angemessener Entfernung zu betrachten. Irgendjemand muss die Losung ausgegeben haben, der Bürgermeister müsse weg, es stünde sowieso kein einziger Gemeinderat hinter ihm.

    Diese Losung ist es wert, einmal näher beleuchtet werden, um herauszufinden, wieso das partiell sogar auf der Hand liegt. Hier ein Versuch der Erklärung. Die Christlichen haben endlich eine eigene und bisher erfolgreich agierende Kandidatin aufgestellt, damit nicht weiterhin die ewigen Wunden des Amtsverlusts geleckt werden müssen. Sie dürften daher kaum willens sein, den Amtierenden zu unterstützen.

    Den Freien, Grünen und demokratischen Ökologen  ist sehr zu deren Leidwesen der natürliche Gegner, ein christlicher Bürgermeister, bereits 2008 abhanden gekommen. Also muss man seitdem auf den parteilosen Amtierenden einschlagen. Brutalstmöglich (übrigens eine hessisch-christliche Wortschöpfung)! Dies scheint ja auch recht erfolgreich zu funktionieren unter Assistenz einer überaus gut -von wem auch immer- informierten Presse. Und weil es “in“ ist, auf einen Wehrlosen einzuschlagen, macht ein Bürger für Tutzing in seiner unnachahmlich gestrigen Art auch noch mit.

    Wieso wehrlos? Ganz einfach, jeder hat seine  Truppen, die ins Feld geschickt und für die Lufthoheit an den Stammtischen sorgen können. Nur der Amtsinhaber steht völlig ohne Truppen da. Allerdings hätte er als alter Stratege bereits 2008 wissen müssen, dass das sehr spannend werden könnte. Ohne Hausmacht ist’s nun einmal sehr gefährlich. Und so kommt der BM ohne Flankenschutz, nicht einmal mit einer schusssicheren Weste bekleidet, unter massives Dauerfeuer. Eine mögliche Hausmacht hat er sich nicht geschaffen. Diese Hausmacht rechtzeitig z. B. mit der Verwaltung einzufädeln, versäumte er. Das geht nämlich nicht mit einer Organisation, die Führungsstil, Arbeitsstil und Verantwortungsbewusstsein obrigkeitsorientiert und nicht serviceorientiert pflegt. Erfahrungsgemäß dauert das Shiften vom Höfischen zum Dienstleistenden nicht ein paar Monate. Das war auch vor hundert Jahren schon so. Das ist ein mühsamer Überzeugungsprozess, jeder muss mitgenommen werden. Auch der Kunde Bürger. Das dauert Jahre und muss rechtzeitig richtig begonnen werden. Drei Tage vor einer Wahl geht das nicht! Auch nicht mit Beratern, woher diese auch kommen mögen.

    Nun jagt man den Amtsträger mittlerweile über das offene Feld, durch den gesamten Gemeindebereich. Selbst das Schlagen von intelligenten Haken ist für ihn überaus anstrengend. Und die die Büchse spannenden Zuschauer hinter den Büschen erfreuen sich Ihres Beobachtungsvorteils, liebevoll ihn in der Öffentlichkeit auch noch duzend.

    Geht man wieder drei Schritte näher heran und hört genau hin, so ist das Einzige, was die selbsternannten Schießprügelträger verbindet, das gemeinsame Ziel, das bluttriefende abgezogene Fell des Amtsträgers bewundern zu wollen. Mehr verbindet sie nämlich tatsächlich nicht. Interessant ist, dass zwei ehemals hochgradig glaubwürdige und seriöse Parteien das Spiel nicht so offenkundig mitzumachen scheinen. Die eine Partei entdeckt den Begriff Solidarität sogar allmählich wieder. Die andere Partei sortiert sich zwar nach kürzlich errungener Niederlage noch und schüttelt die über sie gegossene Häme ab, dürfte aber auch mit gewissem Abstand zur Kenntnis nehmen, was sich da an Seltsamkeiten und Niedertracht in Tutzing abspielt.

    Der jetzige Gemeinderat hat jüngst innerhalb von Stunden eine unglaublich schwere Hypothek auf sich gezogen. Er wird in seiner Gesamtheit verdächtigt, die Weitergabe vertraulichster Unterlagen an die Presse nicht verhindert zu haben. Auffallend ist, dass niemand aus dem Gemeinderat die Handlung bedauert, unzulässig und dem Ruf der Gemeinde erheblich schadende Unterlagen in die Öffentlichkeit weitergegeben zu haben. Man geht einfach zur Tagesordnung über und schweigt die Angelegenheit tot. Sogar der Amtsträger scheint glauben zu können, das als Streich dummer Jungen ablegen zu dürfen!

    An der Seriosität des gemeinderätlichen Tuns sind daher erhebliche Zweifel angebracht. Wer kann verhindern, dass der jetzige Gemeinderat sich in den neuen Gemeinderat mit einer solchen Belastung hineinschummelt? Wird hier erneut auf das kurze Gedächtnis des Wählers gesetzt?

    Zusammengefasst für den Schnellleser: Solange die bisher erlebten überaus durchsichtigen Verhaltens- und Denkstrukturen großer Teile des Gemeinderats nicht aufgebrochen werden, kann an der Spitze der Verwaltung stehen, wer will. Er oder sie wird in allerkürzester Zeit fertiggemacht. Vor Stunden erst sagte ein Gemeinderat, er würde sich für den amtierenden BM schämen. Hat dieser Fremdschämer sich eigentlich schon einmal gefragt, ob nicht auch immer mehr Tutzinger sich für große Teile ihres Gemeinderats schämen? Derzeit noch leise, zu leise.

    Wer im Gemeinderat an die vornehmste Aufgabe (Führung der Verwaltung) des BM herangeht und den BM und seine Mitarbeiter vor der anwesenden Öffentlichkeit unentwegt in den Dreck zieht, sollte schleunigst auf sein Mandat verzichten. Das ist er zumindest den Verwaltungsmitarbeitern schuldig!

    Wo bleibt hier der Aufschrei “So nicht!“ der seit Monaten um die Dinge wissenden Tutzinger?

    Gehen Sie zur Wahl oder gar zu Wahlveranstaltungen? Wenn ja, dann versuchen Sie einmal aus den Darstellungen der sog. Wahlkämpfer herauszulesen, wer fast ausschließlich Kraft auf reinste Polemik und Intrige verwendet, statt auf für uns Tutzinger vitale Interessen. Es gilt wohl immer noch die alte Regel, dass Polemik sehr viel mehr stammtischgeeignet und damit überzeugend ist. Mehr als das sich Befassen mit Sachverhalten, deren Hintergründe und hausgemachten Unzulänglichkeiten.

    Ihr Josef Bimslechner