Mit dem Wegzug von Roche-Diagnostics kamen magere Jahre für die Gemeindekasse. Der Sanierungsstau bei gemeindlichen Bauten stieg und stagniert auf hohem Niveau, die Sanierung von Gemeindestraßen wurde immer wieder verschoben und das Landratsamt verbot bis vor zwei Jahren die Aufnahme neuer Schulden durch die Gemeinde.

In der letzten Gemeinderatsperiode wurde der Abstieg gestoppt. Es gelang, mit der W.A.F. Institut für Betriebsräte-Fortbildung AG ein großes, erfolgreiches Unternehmen anzuwerben – und ein paar kleinere folgten dem Beispiel. Auch die Entwicklung auf dem ehemaligen Roche-Gelände macht Hoffnung. Doch jetzt die schlechte Nachricht: Die erfolgreiche Druckerei Molnar (Gewerbesteuer) mit derzeit 7 Mitarbeitern (Lohnsteuer) hat Tutzing verlassen, weil der Standort inmitten des Wohngebiets in der Greinwaldstraße zu klein geworden war und die laufenden Reibereien mit den über Lärm klagenden Nachbarn nur noch nervten. Laut einem Bericht des Starnberger Merkur (10.05.2016) suchte Molnar fünf Jahre lang nach einer Lösung, zuerst in und um Tutzing, dann in Wieling – jetzt zog er entnervt nach Wielenbach. Die Steuereinnahmen  sind verloren und auch die vier durch die Vergrößerung notwendigen neuen Arbeitsplätze werden wahrscheinlich nicht von Tutzingern besetzt. Zugegeben ein herber Verlust.

Es ist die vorrangige Aufgabe des Bürgermeisters und des Gemeinderats, speziell des „Arbeitskreises Wirtschaft“ im Gemeinderat, Wege aus dem Dilemma zu suchen. Auch ungewöhnliche Wege. Auch wenn die Gemeinde derzeit selbst noch keine Grundstücke bzw. Liegenschaften anbieten kann, heißt das nicht, dass kein Platz vorhanden wäre. Hier können Bürgermeister und Gemeinde in vielerlei Weise Makler sein. Der Bürgermeister hat eine Mappe, auf die er bei Anfragen von interessierten Unternehmen zurückgreift. Ich selbst habe die Standortfaktoren, die für eine Ansiedlung in Tutzing sprechen für die Homepage der Gemeinde formuliert. Das reicht jedoch nicht.

2 Antworten zu “Kein Platz für Gewerbesteuerzahler?”

  1. Tutzings Strategen kann gewiss keine Sprunghaftigkeit vorgeworfen werden. Tutzing hält Kurs, unbeirrbar durch irgendwelche Störfaktoren und bleibt daher durchgängig berechenbar. Heutzutage ist das ein erstrebenswerter Markenkern, die CSU macht es schließlich vor.
    Anfang der sechziger Jahre fragte ein mittelgroßer Medizingerätehersteller an, inwieweit er seinen Stammsitz nach Tutzing verlegen und dann ausbauen könne. Ergebnis: Damaliger Hersteller ist heute Weltmarktführer mit Sitz an der Bergstraße. Es dürfte sogar noch Zeitzeugen für den Vorgang geben.
    Ein Weiße-Ware-Hersteller hatte ein ähnliches Ansinnen, nahm aber ziemlich schnell Abstand davon. Von der Wiederaufrüstung beeinflusst und der damit personalintensiven Fernmeldeschule versprach man sich in Tutzing mehr Nutzen. Die Konversion bedachte niemand, nicht einmal heute denkt man konzeptuell darüber nach.
    In den sehr späten Neunzigern fragte ein europaweit agierender Mittelständler an, inwieweit er seine Forschungsaktivitäten nach Tutzing verlegen könne. Er erhielt nicht einmal eine Antwort auf seine mehrfachen Anfragen (Mittagspause in der Verwaltung ist schließlich Mittagspause!) und wurde dann am Bieler See (Schweizer Jura) sesshaft. Bieler See ist bekanntlich “Niedrigstlohngegend”. Bloß nicht stören mit neuen Gedanken! Das würde den Markenkern beschädigen.

  2. Vielen Dank, dass man sich in diesem Forum so schnell über die aktuellen Gemeinderatssitzungen informieren kann – das ist echter Bürger-Service. Es ist leider Fakt, dass bereits damals mit dem Wegzug von Boehringer/heute Roche eine einmalig Chance vertan wurde, die heute noch schmerzt. Danach kamen Stillhalte-Perioden bzw. -Parolen, siehe Seehof, Andechser Hof und und und. Vielleicht muss man als Kommunalpolitiker heutzutage an einem Lethargie-Kurs für Manager teilnehmen, als Burn-Out-Prävention. Es scheint unbegreiflich, dass die Druckerei Molnar nach jahrelangem Suchen auf dem Markt keine andere Alternative als die Verlagerung zu den Nachbarn gesehen hat – fehlt es an der Kommunikation ? Es ist dringend Gesprächsbedarf für den Stammtisch à la Bimslechner, einschliesslich Conny – die würde sagen: Männer, jetzt reissts Eich zsamm, sonst bleibt die Kuchl kalt, was machts dann ohne Wienerwald ? ein Tutzing-Fan

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