Nicht viel Neues beim Bürgerforum

Nicht viel Neues gab es beim Bürgerforum. Rd. 70 Bürgerinnen und Bürger waren am 09.07.2018 für gut zwei Stunden ins Roncallihaus zum 4. Bürgerforum zur Neugestaltung der Hauptstraße gekommen. Vom Gemeinderat waren Ratskollege Bernd Pfitzner und ich dabei.

Nach der Begrüßung durch die 1. Bürgermeisterin Marlene Greinwald (FW) trug Verkehrsplaner Benjamin Neudert die Entscheidung des Staatlichen Bauamts vor, die Bauabschnitte neu einzuteilen: realisiert wird zunächst ein Bauabschnitt vom südlichen Ortseingang bis zur Waldschmidtstraße. Dieser Abschnitt ist noch einmal zweigeteilt: südlich und nördlich des Schlösserwegs. Gebaut werden soll von April 2019 bis Juni 2021. Der weitere Bauabschnitt, der über das nördliche Ortsende bis zur Abzweigung nach Traubing reicht, ist später dran. Eine Terminierung gibt es noch nicht.

Der Verkehrsplaner gab einen beispielhaften Überblick über die Bauablaufplanung, vom Rückbau, Zwischenlagerung und Entsorgung der alten Fahrbahndecke über die Umverlegung der Spartenversorgungsleitungen mit Sanierungs- und Erneuerungsarbeiten bis zur neuen Fahrbahn, neuen Wegen und den Restarbeiten an privaten Einfahrten.

Das Grobkonzept der Verkehrsführungsplanung für die Zeit der Bauarbeiten ist von der Unteren Verkehrsbehörde im Landratsamt Starnberg in Absprache mit der Polizeiinspektion Starnberg entwickelt worden. Das Staatliche Bauamt und die Gemeinde Tutzing wurden dazu gehört. Die Varianten reichen von der Vollsperrung über die Einbahnregelung bis zur halbseitigen Sperrung unter Ampelbetrieb. Der weiträumige Verkehr wird ab Bernried über die B2 geleitet. Im Nahbereich soll es Umleitungsempfehungen für einzelne Baufelder geben:

  • A: Bernrieder Straße und Beginn des Kreisverkehrs
  • B: Herstellung restlicher Kreisverkehr
  • C: Lindemanstraße bis Supermärkte
  • D/E: Bis Bahnhofstraße, hier soll nach Norden Einbahnverkehr sein
  • F: Bahnhofstraße bis Greinwaldstraße
  • G: Greinwaldstraße bis Oskar-Schüler-Straße

Die einzelnen Umleitungsregelungen sind noch detailliert auszuarbeiten. Nördlich der Oskar-Schüler-Straße gibt es keine Umleitungsmöglichkeit, so dass eine Ampelregelung erforderlich sein wird, Zusätzlich wird nur in kleinen Baufeldern von 50 Metern gebaut. Ebenso berücksichtigt werden müssen die Radverkehrsführung, die Schulwegsicherheit sowie die Wege für die Feuerwehr und die Rettungskräfte.

Nachdem es lt. Bürgermeisterin nicht möglich ist, die geplante Tiefgarage unter dem Pausenhof der Grundschule zu realisieren, wird hinsichtlich der  insbesondere von den Gewerbetreibenden geforderten Parkplätze neu gedacht: das Projekt sieht derzeit 34 Parkbuchten sowie 13 Parkmöglichkeiten im Fahrbahnbereich vor. Zusätzlich könnten 15 Parkplätze nördliche der Oskar-Schüler-Straße entstehen. Nachdem zunächst auch in den Bürgerforen und vom Amtsvorgänger der Bürgermeisterin eine deutliche Reduzierung der derzeit 47 Parkplätze favorisiert wurde, ist hier ein Schwenk in der Ausrichtung erfolgt, der noch im Arbeitskreis und im Gemeinderat zu diskutieren sein wird. Die Verwaltung möchte vier der geplanten Parkbuchten als Ladestation für Elektrofahrzeuge ausstatten (30 km). Die Zahl der Behindertenparkplätze muss noch ermittelt werden. Als Idee wurde vorgestellt, “flexible” Parkplätze zu schaffen, die im Sommer durch Radler, im Winter durch PKW genutzt werden können.

Zu meiner Überraschung wurde der Landschaftsplaner ausgetauscht, so dass an seiner Stelle Monika Treiber, Landschaftsarchitektin und Stadtplanerin, aus Herrsching als Nachfolgerin in der Position vortrug. Sie sieht sich auch als Schnittstelle zwischen dem Verkehrsplaner, der im November ausschreiben möchte, und dem Integrierten städtebaulichen Entwicklungskonzept (ISEK), das die Gemeinde betreibt, um die finanzielle Unterstützung durch die Mittel der Städtebauförderung zu erhalten. Der Landschaftsplanerin hatte auf Stellwänden eine Zeichnung der Ortsmittel vorbereitet, in der die Geschäfte, die kartierten Bäume und der Stand der Planung hinsichtlich Straßen- und Gehsteigverlauf vermerkt waren. Sie betonte die Situation am sog. “Marienplatz”, möchte die Schlossstraße deutlich aufwerten und die verkehrsberuhigte Leidlstraße mit anbinden, um einen Bereich mit hoher Aufenthaltsqualität zu schaffen. Die einzelen Punkte müssten nur Schritt für Schritt durchgearbeiten werden, man sei hier erst “ganz am Anfang”.

Den Vorträgen der Planer folgte die Aufforderung der Bürgermeisterin, innerhalb des Publikums zu diskutieren, Anmerkungen schriftlich auf ausliegenden Karten zu vermerken und diese bei ihr bzw. den Planern abzugeben. Diese wurden dann im Plenum vorgestellt, erläutert bzw. bei Fragen beantwortet. Dabei ging es um die großen Themen Parkplätze, Radverkehr, Gehsteigkanten, öffentliche Toilette im Zentrum, erweitertes und aktualisiertes Verkehrskonzept bis zur – wiederholten – Anregung von Tempo 30 in der Hauptstraße. Die Bürgermeisterin setzte sich an dieser Stelle für Tempo 40 als Kompromiss ein. Bei den Parkplätzen, so die Bürgermeisterin, verlangten die Gewerbetreibenden deren Erhaltung, die Gestaltung spreche für deren Reduzierung. Hier sei Flexibilität, auch Probebetrieb gefragt, denn die Situation und die Nachfrage nach Parkplätzen hinge ganz vom Einkaufs- und Freizeitverhalten der Tutzinger Bürgerinnen und Bürger ab. In jedem Fall wird es Parkraumbewirtschaftung auch in der Hauptstraße geben. Im Rahmen der Erarbeitung des ISEK soll es eine Bürgerwerkstatt geben; die Bürgermeisterin denkt hier an eine anonymisierte Auswahl von Bürgern, die eingeladen werden, an diesem Prozess teilzuhaben.

Susanne Stolzenberg-Hecht, die das Gymnasium Tutzing vertritt, wies das Publikum noch einmal auf die große Verantwortung der Akteure in diesem Projekt hin, den Ort für unsere Kinder zukunftsgerecht zu gestalten. Wir seien es den Kindern schuldig, den Ort anders zu gestalten. Die Gelegenheit des Umbau sollte genutzt werden, auch auszuprobieren, zu Fuß zu gehen oder mit dem Rad zu fahren. Es ginge weniger um die handelnden Personen als vielmehr um die nächsten Generationen.

 

 

 

 

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