Mein lieber Schwan, war das ein mieses Wochenende! Plötzlich waren wir am Verhungern. Nur weil ich dummerweise mal Zeitung gelesen habe und da schrieb ein Herr Hulverscheidt, dass amerikanische Hühner inzwischen vom Schlupf aus dem Ei bis zum Schlachtgewicht von 5 Kilo nur noch 17 Tage brauchen: „dank Selektion der Küken, Kreuzung, genmanipuliertem Futter und Antibiotika“.

Wenn ich früher Oma und Opa besuchte, wog so ein bayerisches Suppenhuhn mal gerade zwei Pfund. Ohne Federn. Ja, und das habe ich dann am Samstagmittag erzählt, als es Chickenwings mit Sojasoße gab. Zugegeben: es war der falsche Zeitpunkt.

Der Jüngste spukte gleich am Tisch den dritten Bissen wieder aus, die beiden Mädels hatten plötzlich keinen Hunger mehr und fragten gallig, ob es zur Sojasoße etwa eine ähnlich unappetitliche Story gebe. Dumm, wie Männer manchmal sind, erklärte Franz, der mal Biochemie studiert hatte, dass früher gemahlene und geröstete Sojabohnen mit Salz und Wasser in Japan wie Bier nach dem Reinheitgebot gebraut und wochenlang zur Reife gebracht wurden. Als Zugabe zu Reis, weil der sonst so trocken schmeckt. Heute geht das flotter. „Ausgangsprodukt“, sagte er, ist jetzt Sojaprotein, das mit Wasser aus Sojamehl gelöst wurde. Dieses Sojaprotein wird mit SALZSÄURE hydrolisiert. Anschließend werden Milchsäurebakterien und Hefen zugegeben. Auf diese Weise kann der gesamte Herstellungsprozess von Monaten und Jahren – wie traditionell üblich – auf wenige Tage reduziert werden, da die ursprüngliche Fermentation entfällt…

Da also waren wir wieder bei den 17-Tages-Hühnern. Und keiner wollte noch wissen, was „hydrolisieren“ heißt. Ich schlug vor, zum Abendessen als Ausgleich zu unserem Italiener zu gehen. Da wurde mir erst bewusst, was ich angestellt hatte: die Pizza schmecke nach Pappe, die Salami sei vergiftet, der Wein sicher gespritzt, die Cola hat 14 Stück Würfelzucker usw usw.

Ich prüfte meine Vorräte für Sonntag und beschloss dann für alle einen totalen Fastentag. Denn im Brot ist zu viel Salz, habe ich gelesen.

Ihre Conny Bimslechner

One Reply to “Mama, uns schmeckt’s nicht”

  1. Diese Glosse ist gut gelungen, sehr amüsant und treffend. Fastentag ist nicht verkehrt, aber auch die gute Luft ist nicht mehr das, was sie früher war, wie die zunehmende Zahl von Allergikern zeigt. Sehr gesund ist Lachen, trainiert die Gesichts- und Bauchmuskeln, fördert die Sauerstoffzufuhr – freue mich schon auf die nächste Glosse.
    MfG OLe

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