Die Tutzinger Liste wird immer wieder mit großer Skepsis betrachtet, weil sie eine Bürgervereinigung ist, die sich einerseits ins politische Geschehen unseres Orts einmischt und andererseits keine herkömmlichen parteilichen Strukturen aufweist.
Wir haben uns zusammengefunden, um uns für eine lebendige Gemeinschaft und ein lebenswertes Tutzing einzusetzen, sind dabei geleitet von gesundem Menschenverstand, sozialem Engagement und der Freude, hier an diesem schönen Ort leben zu dürfen. Wir wollen mitreden, mitgestalten und uns fruchtbar auseinandersetzen.
Ein solcher Verein, frei von parteipolitisch geprägten Denkstrukturen, scheint aber für Dritte zuweilen äußerst irritierend zu sein. Die Überzeugung, dass man am meisten erreichen kann, wenn alle – auch über Parteigrenzen hinweg – an einem Strang ziehen, wird belächelt und als naiv abgetan. Wenn wir uns stark machen für Projekte, die wir für bedeutsam halten, wie z. B. den dritten Aufzug am Bahnhof oder den Tag der Vereine, begeben wir uns angeblich in unzulässiger Weise ins Hoheitsgebiet der Gemeinde. Wir ecken an, weil wir gewachsene Strukturen negieren, und wir nerven, vermutlich weil wir an Dinge erinnern, die in Schubladen schlummern oder gar irgendwo in der Versenkung verschwunden sind.
Unserem Ort und uns als Gemeinschaft kann es letztendlich gleichgültig sein, welche Partei oder welcher Verein das Gemeinwohl und den Gemeinschaftssinn fördernde Projekte antreibt und realisiert.
Diese Sichtweise rüttelt auf, weil sie das Wettbewerbsdenken und Machtstreben politischer Parteien in Frage stellt. Vielleicht gelingt es mit der Zeit aber immer mehr, Kräfte zusammenzubringen, statt aus gewohnter Tradition gegeneinander zu arbeiten. Die Wiederbelebung der Tutzinger Langlaufloipe ist ein gutes Beispiel dafür, dass gemeinsames, überparteiliches Engagement hervorragend funktioniert und zum Erfolg führt. So kann es gerne weitergehen.
Gigi Dillmann