Luftkurort Tutzing – Wechselbäder

Ganz früher war’s mal ein Luftkurort, dem in weiser Voraussicht wegen kommender dicker Luft das Prädikat Luftkurort aberkannt wurde.

Dicke Luft herrschte in Tutzing schon immer; manche der Zeitgenossen konnten jedoch noch hindurchblicken. Zumindest die jeweiligen Bürgermeister schafften dies. Einer der Altbürgermeister stieg von der Politischen Theorie um in die lokale Praxis. Er schlug sich tapfer, was aber auch daran gelegen haben muss, dass er das Handwerk des Kompromisse-Schließens verstand und im Zweifelsfall auf Bodenhaftung verzichtete. Dafür hat er dann seine Verwaltung, die jahrzehntelang unberührt durch irgendwelche Veränderungsnotwendigkeiten ihren obrigkeitsstaatlichen Stil (besser: Stiel) praktizieren konnte. Die Gemeinde war fest in schwarzer Hand und so bot es sich an, den Wachwechsel vom politischen Feingeist zum bodenständigen und allseits beliebten Nachfolger behutsam vorzubereiten. Es blieb aber aufmerksamen Beobachtern der Szene nicht verborgen, wie sehr es im größten politischen Lager quietschte. Tutzing erhielt vor 18 Jahren einen BM, der es allen recht machen musste, indem er sehr selten Stellung bezog und überhaupt keine Möglichkeit ausließ, zwischen die Mühlsteine zu kommen. Er selbst als Gewächs der Verwaltung sah natürlich keine Notwendigkeit, die Verwaltung auf größere Nähe zu den sich damals bereits abzeichnenden Notwendigkeiten auszurichten. 


Hier ein kleines Beispiel für das Feingefühl der Verwaltung: Das einen ausbaufähigen Standort suchende mittelständische Unternehmen X rief an und bat unter der offiziellen Telefonnummer um einen sehr persönlichen und damit vertraulichen Kontakt mit dem Bürgermeister. Lapidare Antwort am Telefon, man hätte derzeit Mittagspause und es solle doch später noch einmal angerufen werden. Der später dann erfolgte Anruf war natürlich erneut in irgendeiner Pause. Nach fünfmaligem Anruf über eine Woche hinweg in gleicher Angelegenheit beschloss der einen Standort suchende Unternehmer, keinesfalls in Tutzing seine F&E-Zelte aufzuschlagen. Soweit so gut. Ich traf durch Zufall den sich mittlerweile in der Schweiz niedergelassenen Unternehmer, der mir, als er von meinem Heimatwohnort hörte, die Story erzählte. Natürlich in Gegenwart aller am Tisch sitzenden Gäste. Interessant ist, dass ihn nicht nur das rüde Verhalten am Telefon beeindruckte. Beeindruckt war er insbesondere davon, dass die den Bürgermeister abschirmende Kraft überhaupt nicht auf die Idee kam, einen Rückruf des BM zur Angelegenheit Standortsuche anzubieten. Einige Tage nach dem Abendessen schickte mir mein Kollege einen Artikel der ZEIT mit dem Hinweis, ich solle mich nicht ärgern; es sei halt noch eine Verwaltung, die nach anderen Regeln arbeite als die sog. Wirtschaft.


Nun, da werden wir zukünftig ganz andere Verhaltensweisen erleben. Ein unternehmerisch erfahrener BM dürfte der Verwaltung relativ schnell vermitteln können, von wessen Geldern die Gehälter der Verwaltungsmitglieder bezahlt werden.


Auch dürfte das von der Verwaltung gepflegte Erscheinungsbild (neudeutsch: Corporate Identity) sich sehr schnell ändern. Wenn Verwaltungsangehörige in einer Wirtschaft lautstark unter erheblichem Alkoholeinfluss vor Fremden den Hinauswurf eines Bürgermeisters feiern, dann ist das nicht nur ein Fortsetzen durchgängig praktizierter Illoyalität. Es ist ein Grund, massiv am Selbstverständnis der Verwaltung im Umgang mit kritischen Situationen zu zweifeln. Es wäre sogar ein Kündigungsgrund.

Auch hier dürfte der unternehmerisch erfahrene neue BM ganz schnell seine alkoholerprobten Verwaltungsexperten auf einen Kurs einschwören, der Schaden vom Ruf der Gemeindeverwaltung fernhält.

Wie Sie lesen können, gehe ich mit ziemlichem Optimismus in die Zukunft.


Der ab 28.04. Vorgänger (umgänglich, wortgewandt, schnell auf den Punkt kommend, sattelfest in der Sache) tat sich mit seiner Verwaltung beliebig schwer und ließ keine Möglichkeit mehr aus, einer bestimmten Qualität Gemeinderäte unbewusst so in die Hand zu arbeiten, dass diese leichtes Spiel hatten. Anstatt als Gemeinderäte sich als Kollegialorgan zu verstehen und zu verständigen.

Dem Amtsvorgänger viel Glück im unbelasteten neuen Feld, dem Nachfolger eine gute Hand beim Gelingen der sicheren und schnellen Lösung von Sachfragen.


Seien Sie gegrüßt von Ihrem

Josef Bimslechner

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