Im Vorfeld der Stichwahl hat die TUTZINGER LISTE den Kandidaten für das Bürgermeisteramt, Herrn Florian Schotter, zu einem Interview gebeten. Aus Sicht der TUTZINGER LISTE ist Florian Schotter der uns noch unbekanntere der beiden Kandidaten. Zu Beginn unserer Fragen an Hernn Schotter baten wir ihn um die Bewertung seiner Lage in drei Sätzen.
Florian Schotter (FS) … Mein Wissen, meine Einschätzung beziehe ich aus den Zeitungen, der Internetseite der Tutzinger Liste, aus Gesprächen mit Gemeinderatsmitgliedern, insbesondere aber aus sehr zahlreichen Gesprächen mit Tutzingern. Wobei ich weiß, dass meine Erkenntnisse gegebenenfalls nicht repräsentativ sind. Es stand nicht genügend Zeit zur Verfügung, gerne hätte ich mehr Haushalte besucht; mein eigener Haushalt erhält in den nächsten Stunden Verstärkung. Diese privat sehr langfristige angelegte Planung war in den letzten Tagen wichtiger, sie begann auch lange vor der Frage nach einem Bürgermeister. Ich hatte im Gegensatz zu meinen Mitbewerbern aus dem Gemeinderat nicht den Vorteil, die Historie zu vielen Dingen zu wissen. Das sehe ich aber nicht als einen Nachteil.
Frage TL:Verkehrssituation Lindemannstraße
Seit Bestehen der Bahnunterführung ist die sehr gut angelegte und ausgebaute Straße ein erhebliches Ärgernis. Nutzer des Einkaufszentrums klagen über Wildwest-Manieren; Eltern fahren ihre Kinder wegen der überaus gefährlichen Übergangslage gleich bis zu Schule, um dort dann im Stau zu stecken.
Wie bewerten Sie diese Klagen, worin besteht aus Ihrer Sicht jetzt Handlungsbedarf? Wir fragen deshalb so, weil unsere bisherigen Fragen hierzu auf unserer Homepage bisher ungehört blieben.
Antwort FS: Zuallererst muss ich davon ausgehen können, dass unser Rathaus sehr wohl die Situation kennt und entsprechend abwägend einschätzt. Mir stellt sich die Lage so dar, dass tatsächlich Handlungsbedarf besteht. Allerdings bin ich der Meinung, erst einmal sehr schnell die in diese Fragestellung involvierten Wissensträger einzubeziehen. Es hört sich zwar abgegriffen an, aber hier ist ein Runder Tisch dringend erforderlich. Mir kommt schon aus meinem Beruf heraus jetzt zugute, dass ich die Angelegenheit sehr genau betrachten kann. Es ist ja nicht nur ein eventuell fehlender Zebrastreifen, es muss auch bis zum Johannishügel gedacht werden. Diskussionen behandeln zumeist nur Inseln, lassen aber das Gesamte im Hintergrund schlummern. Mir begegnet immer wieder die Frage nach einem Gesamtverkehrskonzept. Ja, es besteht Handlungsbedarf und der muss abgedeckt werden. Hier verspreche ich mir vom Rathaus entsprechende Expertise, ebenso von meinen Berufskollegen in den Ämtern. Das Kunststück wird darin bestehen, Lösungen so zu vermitteln, dass die Ursache inzwischen völlig verfahrener Diskussionen endlich entfällt.
TL:Transparenz zur Planung Hauptstraße
Wir haben den Eindruck, dass die Planung der Hauptstraße ziemlich intransparent ist. Es gab bisher drei Bürgerforen, eine hohe Unzufriedenheit bei den Bürgern, offenbar Zufriedenheit im Rathaus. Wie wollen Sie als Bürgermeister an dieses bisherige Flickwerk herangehen?
FS: Gegen das „Flickwerk“ vom Begriff her habe ich etwas. Niemand wird absichtlich etwas tun, was der Gemeinde schadet. Es muss aber im kleinsten Kreis die Frage zulässig sein, ob bei diesem Jahrhundert-Bauwerk (als solches wurde es mir geschildert) nicht noch einmal überlegt werden muss, den Reset-Knopf zu drücken. Ich weiß, dass ich mir mit dieser Überlegung jede Menge Ärger einhandeln werde. Allerdings werden die Leute, die sich darüber ärgern, in zwanzig Jahren keinen Anlass zum Ärgern haben. Zukunftsfragen möchte ich mit denen behandeln, die dann in dieser Zukunft leben werden. Ich bin entschlossen, diese Gratwanderung zu gehen. Auch dafür zu sorgen, dass die bisher massive Kritik an den Foren zurückgeführt wird auf tatsächliche Fehler. Auch da will ich Öffentlichkeit wiederherstellen. Als Mannschaftsspieler beim Hockey kenne ich mich auf dem Eis aus.
TL: Erwerb Bahnhof
Wie könnte aus Ihrer Sicht ein Nutzungskonzept aussehen? Wie geht es hier weiter?
FS: Zunächst: Einfache Frage, einfache Antwort. Es scheint aber Informationen zu geben, die als Verschlusssache behandelt werden müssen. Zuerst ist allerdings sicherzustellen, dass innerhalb des Gemeinderates jeder einzelne Gemeinderat über den gleichen Wissensstand verfügt. Ich werde dafür sorgen, dass diese Phase der von mir beobachteten Informationsunsicherheit ein Ende nimmt. Die Gemeinde wird den Bahnhof derzeit nicht so einfach kaufen und sanieren können. Hier müssen ein Nutzungskonzept sowie ein Erwerbs- und Betreibermodell erarbeitet werden.
TL Aufzug Westseite Bahnhof
Die Forderung nach dem dritten Aufzug (ein besonderes Anliegen der TUTZINGER LISTE seit 2014) ist immer noch nicht final beantwortet – wie kommen wir weiter?
FS (lacht): Solange nicht geklärt ist, wie’s mit dem Bahnhof weitergeht, hat die TUTZINGER LISTE eine schöne Spielwiese, den Gemeinderat zu ärgern. Der Aufzug ist nicht Selbstzweck, seine Sinnhaftigkeit ist unmittelbar einsichtig. Tutzing hat in Sachen Behindertengerechtigkeit erheblichen Nachholbedarf. Ich werde mit dem Rathaus diese offenen Themen unverzüglich klären.
TL: Toiletten am Bahnhof
Gut, dann möchten wir noch ein TL-Dauerthema abfragen: Die Toilettensituation am Bahnhof. Ist Ihnen dieses Thema begegnet?
FS: Vom Bahnhof schon wieder zum Bahnhof; da waren wir doch gerade?!
Ich werde mich nicht um jedes Bedürfnis kümmern, aber ich werde mich sehr schnell kümmern müssen. Denn: Tutzings Ruf leidet… Da muss in Sachen Toiletten vom Bahnhof – ich gehe noch weiter – bis Brahmspromenade unbedingt etwas passieren. Das sind irgendwie auch Visitenkarten des Ortes. Ich denke, das Rathaus hat Antworten, diese aber vermutlich noch nicht so recht kommuniziert. Stellen Sie mir die Frage nach den ersten 100 Tagen noch einmal.
TL: Jugendarbeit/Jugendtreff
Wie geht es Ihrer Meinung nach hier weiter?
FS: Hoi, was ist das? Ich persönlich habe das nicht nötig gehabt, aber wenn ein Bedarf für offene Jugendarbeit außerhalb der Kirchen und Vereine nachgewiesen wird, wird die Gemeinde der Zielgruppe ein Angebot machen.
TL: Seehof
Wie geht es weiter bei diesem Dauerbrenner?
FS: Ich denke, es gibt kein besseres Thema als dieses, jemanden so richtig aufs Eis zu führen… Schön, dass Sie mich nicht auch noch gleich nach dem Andechser Hof gefragt haben. Natürlich werde ich sofort bei all denen, die an der Sache Geld verdienen wollen, einen Antrittsbesuch machen. Ich kann Ihnen nur versichern, für mich ist es das Thema schlechthin, bei dem man es niemandem Recht machen kann. Auch eine Frage, die Sie mir nach 100 Tagen gerne erneut stellen sollten, da bin ich dann tatsächlich schlauer!
TL: Sanierungsstau
Es ist allgemein bekannt, dass bei den gemeindlichen Liegenschaften ein großer Sanierungsstau besteht. Was meinen Sie, muss hier getan werden?
FS: Alte Volksschule, Gymnasium, Mayrhaus, Feuerwehrhaus, und und und… ich weiß. Die Mittel sind begrenzt und den in der Tat vorhanden Sanierungsstau wird die Verwaltung abarbeiten müssen. Meines Wissens sind die Ressourcen im Rathaus knapp, um all dies abwickeln zu können. Nach und nach werden wir hier besser werden.
TL: Gemeinderatsbeschlüsse
Wir wünschen uns hier eine bessere Vorbereitung und die Verfolgung der Beschlussumsetzung.
FS: Fragen Sie mich das, weil sich Ihre Homepage unentwegt damit beschäftigt? Die von Ihnen beschriebenen Lösungen in anderen Gemeinden werde ich mir tatsächlich persönlich ansehen. Wobei mich dann interessiert, wie so etwas bei uns in Gang gesetzt werden könnte. Warum das bei uns nicht geht, das weiß ich heute schon. Nur, für eine „Geht-nicht-Haltung“ wird man mich nicht wählen wollen.
FS: War‘s das schon? Eine Frage vermisse ich…
TL: … welche?
FS: Wie ich mir die ersten hundert Tage „Führung des Rathauses“ vorstelle…
TL: .. und wie stellen Sie es sich vor?
FS: Es gibt in der Managementlehre unter anderem zwei Führungsansätze: Der eine geht davon aus, der Neue macht sich durch Hineinschauen und Mitmachen bis zur Ebene Schnittstelle Kunde/Bürger-Schreibtisch ein eigenes Bild, lernt Leute und deren tägliche Arbeit kennen. Hat den großen Vorteil, sich dann bis in jeden Punkt hinein auszukennen.
Der andere Ansatz geht davon aus, der Neue stützt sich auf die sog. Hauptamtsleiter und den Geschäftsleitenden Beamten ab – und damit auf deren Verantwortung für die Ebenen darunter. Durch diesen Weg hat er sofort den Kopf frei für die Großbaustellen und die dringend nötige Öffentlichkeitsarbeit gegenüber Kollegen und der Allgemeinheit.
Aber nachdem Sie nicht danach fragten, nahmen Sie gewiss an, ich hätte das Anforderungsprofil an einen Bürgermeister gelesen. Ich versichere Ihnen, ich habe das zwar gelesen, fand mich aber sofort wieder, denn das lernten wir bereits an der Beamtenfachhochschule.
TL: Mögen die ersten 100 Tage spannend werden. Wir danken Ihnen für das Gespräch.
Das Interview führten Gerd Bittl-Fröhlich (Pressesprecher) und Uli Dillmann (1. Vorsitzender) am 20.01.2018.